Haus des Gastes: Politiker befürchten Bau-Desaster

Möhnesee – Wird der Umbau des Hauses des Gastes zum Planungs- und Finanzfiasko? Diese Frage stellt sich nicht nur CDU-Fraktionschef Hans-Jürgen Weigt, sondern auch Gerhard Bruschke (SPD) in seltener Eintracht.

Weigt hatte im Zuge der Auftragsvergaben der verschiedenen Gewerke am Donnerstag in der Ratssitzung „große Befürchtungen“ geäußert, dass sich eine ähnliche Entwicklung anbahnt wie beim Rathaus-Umbau geäußert. Damals war es beim Umbau zu erheblichen Kostensteigerungen gekommen. Weigt vermisst jetzt beim Haus des Gastes ebenfalls ein Gesamtkonzept. Die Politik sei immer nur über kleine Schritte informiert. Es fehle eine schlüssige Übersicht. Dringend sei ein Planungs- und Kontrollverfahren nötig. Immerhin würden „erhebliche Mittel“ verbaut. Eine umfassende Information sei im Übrigen auch so zwischen Rat und Verwaltung vereinbart worden. 

Sein Gegenüber Gerhard Bruschke sieht das ähnlich. Er kritisiert eine „Salamitaktik“ der Verwaltung. Auch er moniert: Es fehle eine Gesamtplanung – und das betreffe nicht zuletzt alle größeren in Möhnesee anstehenden Projekte. Im Fall Haus des Gastes sei schon jetzt klar, dass die Räume für die dringend benötigte dritte Gruppe für den Flohzirkus teurer komme als geplant. Womöglich sei außerdem sogar eine vierte Gruppe nötig. Bruschke hält es für unwahrscheinlich bis unmöglich, dass die dritte Gruppe – wie vorgesehen – am 1. August an den Start gehen kann. „Wo bleiben dann die Kinder?“, fragte er in Richtung Verwaltungsspitze – zumal einige Eltern bereits eine Zusage für einen Kindergartenplatz vom Kreisjugendamt in der Tasche hätten. 

Die Verwaltung gibt sich optimistisch. Man habe vom Architekten die Zusage, dass eine Einhaltung des Termines möglich sei, so Bauamtsleiter Burkhard Schulte. Bürgermeister Hans Dicke räumt zwar ein, dass der angestrebte Termin 1. August „sportlich“ sei, von der „Hellseherei“ und den „Behauptungen“ Bruschkes halte er indes wenig. Im Rathaus habe man den mit der Politik vereinbarten Weg bei der Planung konsequent eingehalten. „Aus meiner Sicht ist alles diskutiert“, so Dicke. „Ich verstehe die Bedenken überhaupt nicht“, entrüstete sich der Verwaltungschef. „Wir haben unseren Job so gemacht wie man es von uns erwarten kann“, fuhr er fort. Das Thema werde zeitnah in einer gemeinsamen Sitzung von Bau- und Kulturausschuss behandelt. Möglicher Termin: 12. Juni. 

Zum Hintergrund: Im Flohzirkus unter dem Dach des Hauses des Gastes sollen kurzfristig ein weiterer Gruppenraum und ein neuer Schlafraum eingerichtet werden. Außerdem ist geplant, jedem der drei Gruppenräume Sanitäranlagen anzugliedern. Die letzte Kostenschätzung hierfür lag bei rund 420 000 Euro. Langfristig soll das Gebäude völlig neu konzipiert und zu einem „Haus der Generationen“ umgebaut werden – samt Mensa mit bis zu 170 Plätzen. Besonders die Mensa entpuppt sich mehr und mehr als Riesen-Herausforderung. Zukunftsmusik. Oder wie es Albert Prange (BG) formuliert: „Wir müssen jetzt alle ein bisschen Gas geben und die Bude dann möglichst in einer Rutsche sanieren.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare