Kostenfreies Internet im Körbecker Ortskern?

Aktuelle Nachrichten vom Anzeiger-Internetauftritt www.soester-anzeiger.de direkt aufs Smartphone: Das soll nach dem Wunsch von Bürgermeister Hans Dicke im Herzen Körbeckes bald kostenlos Realität werden. - Fotomontage: Dahm

KÖRBECKE -  Freies Internet für alle? Im Zentrum von Körbecke könnte das schon bald Realität sein. Bürgermeister Hans Dicke stellte erstmals Pläne vor, wonach künftig sowohl im Rathaus als auch am Pankratiusplatz ein offenes WLan für die Allgemeinheit angeboten werden soll.

Als Unterstützer für das Projekt hat Dicke den gemeinnützigen Verein „Freifunk Rheinland“ ins Boot geholt. Dieser hat es sich zum Ziel gesetzt, jedem Bürger, der sich in der Nähe eines Freifunk-WLan-Netztes befindet, einen kostenfreien Zugang zu diesem zu ermöglichen.

Das Prinzip dahinter ist relativ einfach: Bürger teilen ihren Internetanschluss mit dem Freifunk-Netz, indem sie einen zusätzlichen, mit einer speziellen Software bespielten Router an ihr bereits vorhandenes Gerät anstöpseln. Der Zusatz-Router baut einen virtuellen Tunnel auf, über den Datenpakete an „Freifunk Rheinland“ gesendet werden. Dort werden die Datenpakete dann „ausgepackt“ und der Allgemeinheit bereitgestellt, erklärt Thomas Drewermann aus Stockum, Ansprechpartner für die Gemeinde bei „Freifunk Rheinland“.

Umweg über Freifunker

Dass die von den vernetzten Routern gesendeten Datenpakete den Umweg über die Freifunker gehen, habe, wie Drewermann ausführt, den Hintergrund, dass dadurch das Haftungsrisiko für die Teiler des Internetanschlusses abgedeckt werde. „Wir Freifunker treten hier als Absender auf. Den einzelnen Bürger, der sein Internet zur Verfügung stellt, erwarten also keine Repressalien im Falle des Missbrauchs durch Dritte.“ Überhaupt sei das Verfahren, dass Bürger über die Vernetzung von Routern ihr Internet mit anderen teilen, völlig legal, da das Netz unter anderem über zwei Server in den Niederlanden laufe. Im Moment arbeite der Verein aber auch aktiv darauf hin, den Status eines Providers zu erlangen, so dass er für die von ihm versendeten Datenpakete rechtlich nicht mehr belangt werden kann – in diesem Fall würde auch der Umweg über das Ausland nicht länger nötig sein.

Erfahrung in der technischen Umsetzung eines Projekts, wie es nun in Körbecke geplant ist, haben die Freifunker aus dem Rheinland, die sich 2011 gegründet haben und die für ihre „Domäne Möhne“ (Freifunker aus Soest, Möhnesee und Arnsberg) laut Drewermann noch Mitstreiter suchen, schon in der jüngeren Vergangenheit sammeln dürfen. So ist bereits vor wenigen Wochen in der Arnsberger Altstadt eine Freifunk-Zone mit einem flächendeckenden kostenfreien kabellosen Internet unter Federführung des Vereins eingerichtet worden. Den Austausch mit seinem Arnsberger Amtskollegen Hans-Josef Vogel – unter anderem über die rechtlichen Fragen – hat Bürgermeister Dicke denn auch schon gesucht und sich dabei wohl vollends von den Vorzügen des Verfahrens überzeugen lassen.

„Es hat mich ohnehin schon immer geärgert, dass man hier in Deutschland, zum Beispiel in Hotels, häufig nicht ins Internet kommt. Von daher denke ich, dass die Freifunk-Lösung eine sehr gute Sache ist“, freut sich Dicke im Anzeiger-Gespräch über die anstehenden Veränderungen. Er könne sich vorstellen, dass viele Gewerbetreibende, speziell im gastronomischen Bereich, für das Projekt zu begeistern seien. „Denn gerade in touristischer Hinsicht ist ein solches Angebot natürlich sehr bedeutend für die Gemeinde“, weiß der Bürgermeister.

Auch die Kostenfrage spreche für den Weg, der in der vergangenen Woche mit einem ersten Treffen zwischen Dicke und den Freifunkern zwecks Analyse der Möglichkeiten eingeschlagen wurde. Schließlich würden bei einer Hotspot-Lösung gleich Tausende von Euros anfallen, wohingegen das Freifunk-Modell für jeden Internet-Teiler nur Kosten in Höhe von 35 Euro bedeute, also die Anschaffungskosten für den notwendigen Router.

„Schön ist außerdem, dass dieses System mittelfristig auch in die anderen Dörfer, zur Beseitigung einer Unterversorgung, ausgeweitet werden kann und dass sich dadurch offensichtlich fast alle aktuellen Internetprobleme beheben lassen. Ich halte das Ganze daher durchaus für ein wenig revolutionär“, fällt Dickes Fazit aus.

Geplant ist das offene WLan zunächst einmal für den gesamten Pankratiusplatz, aber letzlich geht der Blick der Verantwortlichen auch auf die gesamte Dorfmitte bis hin zur Brückenstraße. Als erstes großes Projekt haben die Freifunker das Rathaus in den Blick genommen, was ohnehin ganz im Sinne jenes Anliegens sein dürfte, das CDU und BG im Haupt-und Finanzausschuss vorgebracht hatten und das dort zustimmend zur Kenntnis genommen wurde. So wollen beide Fraktionen künftig eine Reihe an Verbesserungen vornehmen, die letztlich zu effizienteren Abläufen und mehr Service in der Gemeindeverwaltung beitragen sollen.

Auch kritische Stimmen

Trotz aller Euphorie bezüglich der aktuellen Freifunk-Pläne, gibt es aber auch einige kritische Stimmen. Aus Reihen der Grünen wurden etwa Bedenken geäußert, dass Hacker auf das offene Netz und die Daten der Nutzer zugreifen könnten. Allerdings sieht Thomas Drewermann hier keine Gefahr, zumindest keine, die größer ist, als bei anderen Formen der Bereitstellung: „Die Gefahr, dass Dritte auf die eigenen Daten zugreifen, besteht auch bei den üblichen Hotspots, die man etwa in Hotels bisweilen vorfindet. Nutzer können dem aber entgegenwirken, indem sie ihre Endgeräte mit den entsprechenden Maßnahmen, wie zum Beispiel Firewalls, schützen. Dann kann auch nichts mehr passieren.“ - hip

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