St. Meinolf: Schuldenberge statt Edelherberge

MÖHNESEE ▪ Erst vor kurzem stellte Betreiber Joop van Bekkum seine umfangreichen Erweiterungspläne für das Jagdschlösschen St.Meinolf vor, doch bereits jetzt sind dort die Türen verschlossen. Ein Sicherheitsdienst bewacht das historische Gebäude im Arnsberger Wald.

Grund für die plötzliche Schließung scheinen schwerwiegende Differenzen zwischen dem niederländischen Eigentümer Bert Kromme und dem bisherigen Betreibern Joop van Bekkum im Zusammenhang mit der Insolvenz im vergangenen Oktober zu sein.

„Herr van Bekkum ist hier nicht mehr erreichbar“, erklärte Kromme in der vergangenen Woche auf Nachfrage des Anzeigers. Die angehäuften Schulden beziffert er auf etwa 800 000 Euro. Das Schloss will Kromme jetzt so schnell wie möglich verkaufen. „Wir haben mehrere Versuche gemacht, hier etwas auf die Beine zu stellen. Jetzt reicht es“, so der Niederländer. Mit Interessenten sei man bereits im Gespräch.

Nachdem das vorläufige Insolvenzverfahren im Oktober beschlossen wurde, konnte der Geschäftsbetrieb zunächst drei Monate fortgeführt werden, Gehälter wurden durch Insolvenzgeld abgedeckt. Zum 1. Januar wurde das Insolvenzverfahren dann eröffnet, wie es von Seiten des Insolvenzverwalters heißt.

Eine Perspektive schien zunächst die neue Waldschloss-Hotel Möhnesee GmbH mit van Bekkum als Geschäftsführer zu sein, die das Schloss übernehmen sollte. Große Investitionen und die Erweiterung des Hotels wurde unter anderem beim Unternehmerforum Möhnesee angekündigt. Anfang März verweigerte dann Kromme auf der Gläubigerversammlung seine Zustimmung, so dass der Kaufvertrag nicht zustande kam. St. Meinolf wurde deshalb am 14. März geschlossen.

Van Bekkum sieht hier Unregelmäßigkeiten im Insolvenzverfahren. Kromme sei überhaupt kein Gläubiger der insolventen GmbH, die veranschlagten Mietzahlungen für das Schloss seien vertraglich nicht vereinbart gewesen und über ein Darlehen in Höhe von 300 000 Euro gebe es einen privaten Vertrag zwischen ihm und Kromme. Er beziffert die Verbindlichkeiten der insolventen GmbH auf etwa 400 000 Euro. Wie diese Summe aufgelaufen sei, wisse er aber nicht. Schließlich sei er nicht der Geschäftsführer gewesen.

Seine neue Waldschloss-Hotel Möhnesee GmbH befindet sich laut Insolvenzverwalter noch immer in Gründung. Dennoch wurden seit Januar scheinbar schon Verträge mit Firmen und Angestellten geschlossen sowie Gutscheine ausgegeben. Diese neuen Verbindlichkeiten werden nicht aus der Insolvenzmasse der alten GmbH bedient, so die Insolvenzverwalter. - ah

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