Jäger stehen für das Sikawild ein

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Hegeringsleiter Gerhard Vorwerk setzt sich für die Erhaltung des Sikawildes ein.

MÖHNESEE -  Wer als Wanderer rund um die Möhne aktiv ist, der hat es vielleicht schon einmal selbst gesehen: Das Sikawild. Die Landesregierung in Düsseldorf will diesem nun den Status als heimische Tierart entziehen, die Tiere würden zum Abschuss freigegeben. Dagegen regt sich unter den heimischen Jägern nun Widerstand. Florian Starb sprach mit Möhnesees Hegeringsleiter Gerhard Vorwerk.

Herr Vorwerk, das Thema Sikawild schlägt unter dem heimischen Jägern hohe Wellen. Welche Bedeutung haben die Tiere für die Region?

Gerhard Vorwerk: Eine hohe Bedeutung, Möhnesee ist für den Arnsberger Wald quasi die Keimzelle der Sikawild-Population. Hier wurden 1893 die ersten Tiere ausgesetzt, von hier aus hat sich die Tierart verbreitet. Und heutzutage kann viel Nutzen aus den Tieren geschlagen werden.

Welchen Nutzen sprechen Sie da konkret an?

Vorwerk: Da gibt es mehrere Faktoren. Zum einen sind die Tiere nicht so scheu, wie das klassische Rotwild. Daher erzählen uns Wanderer immer wieder, dass sie Sikawild bei ihren Touren beobachteten. Für den Möhnesee als Tourismusregion ist das mit Sicherheit kein Nachteil. Und auch für die Grundstücksinhaber sind die Tiere von Interesse, wenn es um die Festlegung der Jagdpacht geht. Diese richtet sich auch noch den Populationen der Tiere und der Rotwildbestand ist einfach wesentlich geringer.

Wenn Sie die Bestände ansprechen, wie groß ist die Sikawild-Population?

Vorwerk: In Zahlen lässt sich so etwas kaum ausdrücken. Es sind Wildtiere in einem dicht bewaldeten Gebiet, das erschwert das Zählen. Zumal die Tiere nun einmal nicht an einer Gebietsgrenze Halt machen. Daher müssen wir Rückschlüsse über unsere Abschüsse ziehen, die Zahlen sind aber natürlich nur Schätzungen. Dennoch kann man sagen, dass das Sikawild einen Großteil der Tiere ausmacht.

Ziehen Sie diese Rückschlüsse allein aus den Ergebnissen der Jagden oder stützen Sie sich auf andere Erkenntnisse?

Vorwerk: Das sind auch die Erfahrungen unserer eigenen, intensiven Revierbeobachtungen. Viele Leute setzen die Arbeit eines Jägers immer nur dem Abschießen gleich, aber das ist immer nur der letzte Schritt. Bevor wir Tiere schießen, beobachten wir die Entwicklungen der heimischen Tierarten. Danach richtet sich dann welche Tiere und vor allem wie viele Tiere geschossen werden dürfen. Die Leute sehen oft nur das einzelne Tier am Ende der Kette, wir müssen aber das gesamte Ökosystem im Auge behalten. Dazu gehört beispielsweise auch das Füttern in Notzeiten.

Jenes Füttern, das in der Novelle des Landesjagdgesetzes verboten werden soll. Wie stehen Sie dazu?

Vorwerk: Im Regelfall ist das kein Einschnitt, da wir ohnehin nur in Notzeiten, wie bei extremer Kälte oder Starkschnee füttern und in einem solchen Fall auch nur noch mit Heu oder Grassilage. Diese Witterungsbedingungen sind aber sehr selten geworden. Ohnehin finden die Tiere in dieser Region mehr als nur ausreichend Futter. Vor gut drei Jahren hatten wir allerdings solche extremen Bedingungen und mussten füttern. Die Tiere zukünftig dann hungern zu lassen, ist meiner Ansicht nach nicht richtig.

Neben dem Fütterungsverbot soll das Sikawild auch seinen Bestandsschutz verlieren. Welche Auswirkungen hätte das?

Vorwerk: Die Tiere würden zu Freiwild, das jederzeit gejagt werden darf. Egal zu welcher Jahreszeit, egal zu welcher Tageszeit. Quasi wäre die gesamte Population zum Abschuss freigegeben. Aktuell erfolgen die Abschüsse, wie bereits ausgeführt, erst nach unseren Beobachtungen, das fiele dann alles weg. Auf lange Sicht würde es das Sikawild dann kaum noch geben, aber da haben wir als Jäger auch wieder Möglichkeiten einzugreifen.

Welche Möglichkeiten hätten sie als Hegering?

Vorwerk: Letztendlich entscheidet der einzelne Jäger, ob er abdrückt oder nicht. Und auch falls das Sikawild zum Freiwild erklärt wird, liegt die Entscheidung immer noch beim Einzelnen. Da ein Großteil der Jäger bei uns organisiert ist, haben wir die Chance ein gemeinsames Vorgehen abzustimmen. Daher stehen wir zur Thematik Sikawild derzeit auch in einem regen Meinungsaustausch, wollen im besten Fall eine grundsätzliche, einheitliche Entscheidung treffen. Ich gehe zumindest nicht davon aus, dass wir von der Landesregierung eine Art „Abschussbefehl“ erhalten.

Die Hegegemeinschaft Arnsberger Wald (der Zusammenschluss der Revierinhabern Anm. d. Red.) hat kürzlich eine Online-Petition gestartet, um gegen die Gesetzesänderung zu protestieren. Wie sehen Sie deren Erfolgschance?

Vorwerk: Ich habe eher wenig Hoffnung auf Erfolg. Meiner Meinung nach ist es ein politisch gewolltes Projekt mit dem eine Partei sich wieder ein geschärfteres Profil geben will. Das will ich auch nicht schlechtreden, jede Partei hat das Recht politische Spuren zu hinterlassen. Allerdings schießen sie in diesem Fall über das Ziel hinaus. Das Sikawild ist in unserer Gegend nun einmal seit über 100 Jahren heimisch und gehört hier hin.

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