Waldkindergarten bald ohne Wald

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Klettern, krabbeln, toben – den Wald so erleben wie früher, das ist heute für die Waldkinder auf der Günner Hude kaum noch möglich, weil viele Bäume entwurzelt sind und Nadelbäume gefällt werden müssen.

Möhnesee - Der Waldkindergarten an der Günner Hude bangt um seine Existenz, weil es immer weniger Wald gibt.  

Fasziniert verfolgen die Drei- bis Siebenjährigen die Arbeit der riesigen Maschine. Das große Gerät schneidet die Zweige der Bäume ab, frisst ganze Baumstämme und spuckt anschließend die Schnipsel aus. Der Maschinenlärm schallt weit durch den Wald – oder besser gesagt über den Berg. 

Denn als Wald kann man die paar Bäume, die auf der Günner Hude noch stehen, kaum bezeichnen. „Wenn es schlimmer wird, müssen wir uns für den Waldkindergarten einen anderen Platz suchen“, sagt Antje Hemming vom Vorstand des Waldkindergartens „Abenteuer Wald“. 

Der Verein hat sich im Jahr 2002 gegründet und ist seither mit zwei Erziehern und mehreren Gruppen an drei Tagen in der Woche auf der Günner Hude unterwegs. Das Konzept von Waldkindergärten sieht vor, dass es kein festes Quartier gibt, sondern dass sich Kinder und Erzieher bei jedem Wetter draußen, im Wald, aufhalten. Der Wald aber hat sich verändert.

 Das Verschwinden der Bäume bewegt alle Gruppen, und die Diskussion führt unmittelbar zum Thema Klimawandel. Der wird in allen Gruppen besprochen. „Den jüngeren Kindern versuchen wir zu erklären, dass die Bäume wegen der großen Trockenheit im Sommer beschädigt sind, dass der Borkenkäfer über sie herfällt und dass sie darum gefällt werden müssen“, sagt Antje Hemming.

 Beunruhigt sind vor allem die Älteren, die Eltern und Großeltern, die ihre kleinen Kinder ab anderthalb Jahren begleiten. Sie erinnern sich an die eigene unbeschwerte Kindheit im Wald. „Das Märchenhafte, das ,Waldgefühl’ ist weg“, sagt Vorsitzende Hemming. Ruhe, Gelassenheit, Anregungen – alles war man für die waldpädagogische Arbeit brauche, verschwinde mit den Bäumen. Die „Baumläufer“ im Grundschulalter sind mit Erzieherin Swantje Hüttemann schon nach Himmelpforten ausgewichen. 

Dort findet sich ein noch intaktes Mischwaldgebiet, in dem die waldpädagogischen Bedingungen gegeben sind. „Die Vielfalt macht es aus“, sagt Hüttemann. Die Kinder können dort den Wechsel der Jahreszeiten erfühlen, mit dem Material, das sie finden, spielen und basteln und laufen dabei nicht Gefahr, verletzt zu werden. 

Anders sieht es auf der Günner Hude aus, wo der Waldkindergarten damals begonnen hatte. „Letztens mussten wir unseren Stammplatz erst suchen“, sagt Swantje Hüttemann, so sehr habe sich die Gegend verändert. Sie würde auch mit den Drei- bis Sechsjährigen der „Hasenbande“ nach Himmelpforten gehen, aber die Kleinen können noch nicht so weit in den Wald laufen. Wie es mit dem Wald weitergeht, weiß keiner. 

Nur so viel ist sicher: „In ein, zwei Jahren gibt es im Arnsberger Wald keinen Nadelwald mehr,“, sagt Reinhard Klöne, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Möhnesee. Wie sich eine Naturverjüngung auswirke, ob aufgeforstet wird, wie sich der Wald entwickele, das bleibe abzuwarten. Die Zukunft des Waldes hänge nicht zuletzt vom nächsten Sommer und von der Unterstützung des Staates ab.

 Von der Zukunft des Waldes hängt auch die des Waldkindergartens ab. „Notfalls müssen wir uns ein neues Waldgebiet suchen und näher an die Bebauung ranrücken“, befürchtet Hemming. 

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