Hoher Holzbedarf hat seit 1820 im Arnsberger Wald zum Einsatz von Fichte und Kiefer geführt

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Trockenheit und Borkenkäfer haben die heimischen Fichtenbestände nahezu vollständig erledigt, auf dieser Fläche ist allein eine hoch aufgeschossene Birke stehen geblieben.

Möhnesee – Welche Baumart soll es denn sein: Diese Frage stellt sich angesichts der Wiederaufforstung aufgrund von Sturm- und Dürreschäden sowie der Borkenkäferplage aktuell vielen Forstexperten. Die Frage war aber schon in den vergangenen Jahrhunderten für die einheimische Bevölkerung von großer Bedeutung, erheblichen Waldverlust und erhebliche Änderungen des Waldbildes hatte es aufgrund verschiedener intensiver Nutzungsarten des Waldes in früherer Zeit immer wieder gegeben.

Ein wesentlich Faktor war der immense Holzbedarf, denn vor den modernen Zeiten und der zunehmenden Verbreitung von Eisen oder später auch Kunststoff war Holz der Grundstoff schlechthin. Nahezu alles – Häuser, Möbel, Gerätschaften, Pflüge, Eggen, Wagen, Schiffe, Fässer – bestand bis auf einzelne Eisenteile fast vollständig aus Holz. Hinzu kam in diesem „hölzernen Zeitalter“ vor der sich ausbreitenden Kohlenutzung die gewaltige Nachfrage nach Holz als Brennstoff. 

All dies hat auch im Bereich des Arnsberger Waldes tiefe Spuren hinterlassen, erläutert Peter Bootz vom Regionalforstamt Soest-Sauerland in Rüthen. Der Forstexperte, vielen als früherer Förster der Forstbetriebsgemeinschaft Möhnesee in bester Erinnerung, beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Geschichte der forstlichen Nutzung in der Region. Den Wald haben die Menschen dabei je nach ihren Bedürfnissen genutzt und auch gepflegt. 

Förster Peter Bootz.

Ein Beispiel ist die Nutzung für den Schweineeintrieb, um die Tiere im Wald mit Eicheln zu mästen. Vor 1800, so Bootz, hat man daher nur Eichen gepflanzt, die für die Eichelmast und eben auch als Bauholz wichtig waren. Ein anderes Beispiel ist die Nutzung von Niederwäldern, im Siegerland Hauberg genannt, für den Brennstoffbedarf. Weil der stockende Wald etwa 18 Jahre braucht, um erneut eingeschlagen zu werden, wurden die betreffenden Waldflächen in 18 Abschnitte aufgeteilt, reihum wurde Jahr für Jahr ein Anteil genutzt, der dann nach etwa 18 Jahren wieder schlagreif war. 

Riesiger Holzbedarf zum Salzsieden bestand zudem wegen der Salzwerke wie in Werl oder Sassendorf und wegen der Nachfrage nach Holzkohle für die kleinteilige Eisenindustrie im Sauerland. Hinzu kam der steigende Bedarf infolge der aufblühenden Industrialisierung mitsamt dem Bergbau. „Die Wälder waren in einem sehr schlechten Zustand, ähnlich wie wir ihn heute sehen“, berichtet Bootz. 

Angesichts dieser Lage entwickelte sich in Deutschland die Idee einer nachhaltigen Forstwirtschaft, wonach dem Wald nicht mehr an Rohstoff entnommen werden soll, wie nachwachsen kann. Bootz: „Auf die Methode ist man auch wegen dem Bergbau gekommen, da hat man überlegt, wie man den Nachschub an Grubenholz sichern kann.“ 

Überlegungen und Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit habe es bereits vor 1800 gegeben, während der napoleonischen Zeit ab 1803 und ab 1817 unter preußischer Regierung habe sich eine nachhaltige Forstwirtschaft schließlich zum Standard entwickelt. Dabei wurde insbesondere auf Fichten zurückgegriffen, die schnellwüchsig sind, gutes Bauholz ergeben und die leicht anzubauen sind. Zudem waren sie auf den verkrauteten Flächen anders als Laubbaumsetzlinge nicht der Gefahr ausgesetzt, dass Mäuse die Wurzeln fressen. Bootz: „Der ideologische Fehler ist heute, die Leute zu verurteilen, weil sie Fichte und Kiefer genommen haben.“ 

Ähnliche Gründe hätten nach dem Zweiten Weltkrieg für eine Aufforstung mit Fichten gesprochen, nachdem der Waldbestand durch Reparationshiebe und den Brennstoffbedarf der notleidenden Bevölkerung stark dezimiert worden war. Auch heute hat die Fichte nach Bootz’ Einschätzung ihre Berechtigung als Forstbaum. So sei im Sauerland auf den Grenzertragsflächen, die eine landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr lohnen, die Frage der Folgenutzung akut. „Da ist es am einfachsten, die Pflanzhacke zu nehmen und Fichten zu setzen“, sagt Bootz. Und weiter: „Man sollte das nicht so ideologisch sehen. 100 Prozent Natur als alleiniger Lösungsansatz, das ist in einem Land mit 80 Millionen Einwohnern nicht zielführend.“

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