Nutztierhaltung

Mehr Platz in den Ställen, mehr Tierwohl - das sagt die Politik

Hähnchen
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Die Planungen für zwei Hähnenmaststätte in Berlingsen führten zu einer Resolution im Kreistag

Der Kreistag verabschiedet eine Resolution „Zukunftsorientierte Nutztierhaltung“. Die Initiative ging vión den Bündnisgrünen aus. Auslöser seien die Planungen für die Hähnchenmastställe in Berlingsen, sagt die FraktionsvorsitzendeIlona Kottman-Fischer.

Möhnesee/Kreis Soest - Die Absicht eines Landwirtes, in der Feldflur zwischen Haarweg und Berlingsen zwei große Hähnchenmastställe für insgesamt um die 80 000 Tiere zu bauen, bleibt umstritten. In der Gemeinde Möhnesee schlagen die Wogen bei diesem Thema hoch. Die Kreistagsfraktion der Grünen nahm das Vorhaben zum Anlass, eine Resolution „Zukunftsorientierte Nutztierhaltung“ auf den Weg zu bringen. Landrätin und Kreistagsmitglieder sollen sich an dieses Leitbild binden.

Nach anfänglicher breiter Ablehnung überraschte in der jüngsten Sitzung des Kreistages ein Sinneswandel, der sich innerhalb nur weniger Tage nach der Diskussion im Kreisausschuss vollzogen hatte: Nun durften sich die Grünen in ihrem grundlegenden Ansinnen der Unterstützung der CDU und der SPD sicher sein. Mehr noch, die drei Parteien legten gemeinsam einen präzisierten und ergänzten Antrag vor, der die mehrheitliche Zustimmung fand.

„Verwaltung und Politik verpflichten sich, die Tierwohlkriterien des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung in den Genehmigungsprozess für neue Stallgebäude einzubeziehen, sobald diese vollständig vorliegen und eine Finanzierbarkeit durch politische Rahmenbedingungen sichergestellt ist“, heißt es nun. Die Bedenken in den vorherigen Beratungen bezogen sich unter anderem auf die Zuständigkeiten im Baurecht und im Genehmigungsverfahren.

Ilona Kottmann-Fischer als Fraktionsvorsitzende der Grünen betont, wie froh sie ist, am Antrag auf eine angemessene Haltung nach verbindlichen Kriterien festgehalten und in der Gegenwehr, die sie im Kreisausschuss deutlich zum Ausdruck gebracht hatte, standhaft geblieben zu sein: „Wir haben ein gutes Ergebnis.“

Solche Ställe, wie in Berlingsen geplant, dürften in Zukunft auf keinen Fall mehr gebaut werden.
„Diese gemeinsame Resolution ist ein Votum für die bäuerliche Landwirtschaft im Kreis Soest.“ Mit diesen Worten hatte sich Fraktionskollegin Wiebke Mohrmann an die Mitglieder des Kreistages gewandt. Ihr Appell: „Stimmen Sie aus ökologischen und ökonomischen Gründen für die Resolution für mehr Tierwohl in den Ställen. Und lassen Sie uns damit die Rahmenbedingungen für eine bäuerliche, zukunftsfähige und nachhaltige Landwirtschaft im Kreis Soest schaffen.“

Sie sagte auch: „Mit dieser Resolution für eine tierartgerechte Nutztierhaltung nach guter landwirtschaftlicher Fachpraxis erreichen wir mehr Tierwohl, verringerten Medikamenteneinsatz und verhindern Großbetriebe, die Nachbarbetriebe verdrängen, entsprechen dem Verbraucherwunsch, produzieren lokal Mengen, die regional vermarktbar sind.“ Die Erklärung führe nicht nur zu mehr Platz im Stall und weniger Stress in den Herden, sie diene genauso dem Verbraucherschutz.

Hubertus Rickert-Schulte (CDU), selber Landwirt, berichtete aus der alltäglichen Praxis auf seinem Hof und betonte: „Wir leben mit und von unseren Tieren, jede Stunde am Tag und 365 Tage im Jahr.“ Seine Einladung lautete: „Kommen Sie, und schauen Sie sich um, wir haben nichts zu verbergen.“ Der Antrag der Grünen sei in der ursprünglichen Form zwar nicht fachlich korrekt gewesen, sehr wohl aber gedanklich. Die Entscheidung im Kreistag fiel bei fünf Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.

Das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung – eine 2019 eingesetzte Kommission unter Vorsitz des ehemaligen Landwirtschaftsministers Johen Borchert empfiehlt eine strategische Ausrichtung in drei Stufen. Kernpunkt ist: mehr Platz in verbesserten Ställen. In der Resolution heißt es wörtlich: „Der Kreis Soest verpflichtet sich, diesen Umbau der Nutztierhaltung als Querschnittaufgabe in den Fachausschüssen und Gremien mit zu berücksichtigen. Eine Querschnittaufgabe besteht im Wesentlichen darin, den Flächenverbrauch sowohl im Allgemeinen als auch im Bezug auf Stallbauten in der Landwirtschaft im Kreis Soest zu minimieren. Vorrang vor dem Stallbau muss die Weidetierhaltung haben, mit der Flächen offengehalten, der größte CO2-Speicher Grünland gepflegt und das Tierwohl gefördert werden.“

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