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Große Unterstützung: Wildtierretter am Möhnesee freuen sich über Zulauf

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Drei Augen für die Wildtierrettung: Die Drohne ist mit einer visuellen sowie einer Wärmebild-Kamera und Sensoren bestückt.
Drei Augen für die Wildtierrettung: Die Drohne ist mit einer visuellen sowie einer Wärmebild-Kamera und Sensoren bestückt. © Karin Hillebrand

Große Freude empfinden die Wildtierretter am Möhnesee über die Resonanz auf den Artikel unserer Redaktion zur Gründung ihres Vereins Wildtierrettung Möhnesee vom 6. Oktober dieses Jahres. 

Möhnesee-Körbecke - Allein auf Facebook wurde zu der Geschichte per „Gefällt mir“-Button bereits rund 300 Mal der Daumen gehoben. Und viele Leser haben sich direkt an den Verein gewandt, um ihr Interesse zu bekunden und Hilfe anzubieten.

„Wir haben durchweg positive Rückmeldungen bekommen“, sagt Vereinsvorsitzender Moritz Schulte. Aufgefallen ist ihm, dass es neben einigen Jägern auch viele Zivilpersonen sind, die sich bei ihm gemeldet haben. Manche sagten finanzielle Unterstützung zu, einige Firmen boten an, für die Arbeitseinsätze Personal freizustellen.

Wildtierretter am Möhnesee:

Darüber hinaus sind es mehr als 40 Interessierte, die aktiv bei den Suchen helfen wollen. Einer der Freiwilligen ist 82 Jahre alt und kann, so Schulte, gut bei der Koordinierung der Termine helfen. Schließlich melden sich die Landwirte entsprechend der Witterung – da können einige Anfragen für denselben Tag aus den verschiedenen Regionen zusammen kommen.

Mit so viel spontanen Rückmeldungen hatte das Gründertrio, zu dem auch Marcus Kenter und Kai-Philipp Aderhold gehören, nicht gerechnet. Als nächstes werden sie daher im November oder Dezember zu einem Abend einladen, an dem sich Vereinsmitglieder, potenzielle Helfer und Förderer kennen lernen können und einen Einblick in die Sucharbeit erhalten.

Die Wärmebildkamera nimmt die Körperwärme auf.
Die Wärmebildkamera nimmt die Körperwärme auf. © Verein Wildtierrettung

„Ein weiterer Schritt wird etwas später die Sensibilisierung der Helfer für die Arbeit mit der Drohne sein“, erklärt Schulte. „Mit einer Wärmflasche werden wir hierfür eine Suche simulieren.“ Und auch der Umgang mit aufgespürten Jungtieren muss bekannt sein. Schließlich sollen die Leute zum Saisonbeginn im Mai fit für die Einsätze sein. Die Drohnen, die bei der Arbeit eingesetzt werden, sind mit einer Wärmebildkamera ausgestattet und zeigen die warmen Körper der Kitze in den Wiesen an.

Die Flughöhe richtet sich nach der Tagestemperatur. Je kälter es ist, desto besser kann die Kamera die Körperwärme erfassen und desto höher kann sie steigen. Dadurch ist in einer kürzeren Zeit ein größerer Bereich direkt einsehbar. Auf dem Monitor, auf dem das Gelände zu sehen ist, gleichen die Tiere aus der Höhe heraus manchmal einem Stecknadelkopf. Für Marcus Kenter ist aber auch das ein Reiz der Suche. Als das Team das allererste Rehkitz fand, machte sich ungläubige Freude breit. Für das Überfliegen eines stark bewachsenen Geländes verfügen die vier Quadrocopter-Drohnen des Vereins über einen Sensor, der das Unterfliegen von Bäumen ermöglicht.

In dem hohen Gras ist das Kitz kaum zu sehen.
In dem hohen Gras ist das Kitz kaum zu sehen. © Verein Wildtierrettung

Neben Hilfsangeboten haben sich für die Tierretter aufgrund des Artikels auch Aufträge zum Überfliegen von Maisfeldern ergeben. Das dient, neben der Schadensermittlung, der Kontrolle des Wildbestands.

In Deutschland sind Landwirte dazu verpflichtet, alles zu tun, um unnötiges Leid von den Tieren abzuwenden. „Die meisten von ihnen sind aber schon aus eigenem Antrieb heraus sehr gerne bereit dazu, gehen die Felder teilweise selbst ab“, beschreibt Schulte das Interesse der Wiesenbesitzer. Früher wurden am Feldrand raschelnde Tüten aufgestellt, oder die Helfer gingen am Tag vor der Mahd schon durch die Wiese und machten Lärm. Oftmals kamen so vertriebene Ricken mit ihren Kitzen während der Nacht jedoch zurück. Hat der Wildtierrettungs-Verein ein Gelände überflogen und abgesucht, wird dem betreffenden Bauern eine Bescheinigung ausgestellt.

Kontakt

Erreichbar ist der Verein telefonisch bei Moritz Schulte unter 02924/2067 oder per Mail an info@wildtierrettung-moehnesee.de

Über den regen Zuspruch freuen sich die Vereinsgründer nun sehr. Gleichzeitig bittet Moritz Schulte aber auch gerade deshalb um Geduld: „Wir melden uns auf jeden Fall zurück, nehmen uns für jede Anfrage Zeit und sprechen ausführlich mit den Leuten.“

Gleichzeitig dürfen sich weiterhin Freiwillige bei ihnen melden. Neben Drohnenführern werden auch Helfer am Boden gesucht, die bei einer Meldung des Suchgeräts das Kitz aus der Wiese holen. Eine Arbeit, die Schulte und Kenter, die beide unter Heuschnupfen leiden, gerne abgeben.

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