Wenn die Politik es will:

Gräber in Möhnesee werden günstiger

In der „Welle der Erinnerung“ auf dem neuen Körbecker Friedhof konnten die Bestattungsstellen für Urnen reserviert werden. Alle 15 Plätze sind vergeben.
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In der „Welle der Erinnerung“ auf dem neuen Körbecker Friedhof konnten die Bestattungsstellen für Urnen reserviert werden. Alle 15 Plätze sind vergeben.

Möhnesee – “Umsonst ist nicht einmal der Tod“, heißt es. Stimmt. Aber in Möhnesee werden zumindest die Gräber billiger.

Dort wurde in den vergangenen drei Jahren gerade so gelebt und gestorben, dass die Gebührenkasse für sechs Gemeindefriedhöfe immer einen kleinen Überschuss aufwies. Das zahlt sich jetzt aus. Die Ruhestätten werden nächstes Jahr billiger - jedenfalls dann, wenn der Haupt- und Finanzausschuss dem Rat am Donnerstag, 26. November 2020, eine entsprechende Vorlage empfiehlt.

Beispielsweise soll nächstes Jahr ein neues Reihengrab 1967,00 Euro kosten, nach der aktuellen Satzung kostet es 2075 Euro inklusive Erdarbeiten.

Als Spekulationsobjekte taugen die Gräber jedoch nicht. Verkauft werden die Stellen nämlich nur, „wenn tatsächlich ein Todesfall vorliegt“, sagt Ulrike Münstermann, die sich im Rathaus schon seit Jahren mit dem Thema beschäftigt. Ausnahmen sind die Urnenstellen in der „Welle der Erinnerung“ auf dem neuen Körbecker Friedhof. Dort kann man sich eine Stelle im Voraus reservieren lassen. Da aber alle 15 Plätze schon vergeben sind, wird auf dem alten Körbecker Friedhof eine ähnliche künstlerische Anlage gebaut, der „Fluss des Lebens“.

„Das Sterbeverhalten kann man nicht bestimmen“, sagt die Fachfrau. Ohnehin ist die Gebührenkalkulation für Friedhöfe in kompliziertes Geflecht aus Erfahrungswerten und Schätzungen, von Umschichtungen im Haushalt und Zuschüssen aus unterschiedlichen Töpfen. Beispielsweise wird die Unterhaltung eines Friedhofs auch als Pflege einer Park- oder Erholungsanlage gewertet, weil die Ruhe und das viele Grün dort auf viele Menschen anziehend wirken. Entsprechend gibt es Zuschüsse.

In Möhnesee kommt zur Kalkulation erschwerend hinzu, dass die Bestattungen im Friedwald eine Rolle spielen. Der Friedwald wird nicht von der Gemeinde betreut, sondern von einer Gesellschaft, die anteilig an die Gemeinde zahlt. Urnenbestattungen unter Bäumen lagen zwar zuletzt im Trend. Den hat Ulrike Münstermann auch in ihre Überlegungen einbezogen. Aber ob der Trend anhält, kann niemand voraussehen: „Das kann sich ändern. Womöglich gibt‘s dieses Jahr wieder mehr Erdbestattungen auf unseren Friedhöfen.“

Seit 2020 kümmern sich Mitarbeiter des Bauhofes um die Friedhöfe. Zuvor hatten Fachfirmen die Arbeiten übernommen und mussten bezahlt werden.

Am Ende jeden Jahres wird Kassensturz gemacht. Passten die Kalkulation? Wurde so bestattet, wie geplant? Völlig unvorhersehbar war Anfang 2020 die Pandemie und damit das Bestattungsverhalten. Geschlossene Trauerhallen, keine Aufbahrungen in Leichenzellen, wenige Menschen an Gräbern – das alles wird Spuren hinterlassen, vor allem finanzielle. Entsprechend gespannt warten alle auf die Endabrechnung.

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