Gedenkstätte an der Sperrmauer eingeweiht

GÜNNE - Am Samstag vor genau 72 Jahren barst die Mauer. Britische Bomber sprengten mit Rollbomben ein Loch in das Bauwerk. Ein drei Meter hoher, drei Tonnen schwerer naturbelassener Anröchter Dolomit ragt jetzt als Erinnerung unterhalb des Zugangs zur Sperrmauer in die Höhe. Die Gedenkstätte wurde jetzt eingeweiht. 

Viele Günner verfolgten das, dazu Ausflügler und auch Gäste, die von weit her angereist waren. Eine Gruppe aus England war darunter, legte kurz zuvor einen Kranz aus Papierblumen nieder.

Professor Dr. Wilfried Stichmann gab den Anstoß, eine solche Gedenkstätte zu schaffen. Direkt an der Mauer sollte sie sein, das schien ihm immer der passendste Ort. Der Heimatverein Möhnesee, zu dem Zeitpunkt unter Vorsitz von Norbert von Tolkacz und Cornelia Lahme, suchte Helfer, Geldgeber, Unterstützer, sammelte Ideen und fand schnell einen Gestalter für eine Arbeit, die erinnern, mahnen, ein wenig trösten und vor allem Hoffnung machen will.

Der Bildhauer Christoph Winkelmann hieb aus dem Stein, worum es geht: In der Mitte der Stele ist die geborstene Mauer zu sehen. Die Kreuze in den herausströmenden Fluten erinnern an die zahlreichen Menschen, die ertranken. „Ein besonderes Anliegen war mir, die Erinnerung an die vielen Zwangsarbeiter wachzuhalten. Man sieht rechts ein Relief, das an die 600 osteuropäischen Zwangsarbeiterinnen in Neheim erinnert, die hinter Stacheldraht eingesperrt in den Fluten umkamen“, erläuterte Winkelmann sein Werk.

Auf der linken Seite sind Arbeiter zu sehen, die zum Wiederaufbau der Mauer gezwungen wurden. Auch unter ihnen gab es Tote, weil die Menschen an Schwäche starben. Weil sie bei Unfällen umkamen. Rechts oben am Stein ist eine Frau mit Kindern dargestellt. Die Gruppe ist auf der Flucht – in eine bessere Zukunft. Über ihnen ist eine Taube zu sehen, Sinnbild des Friedens, Symbol neuen Anfangs. „Die Gedenkstätte soll dazu beitragen, den Schrecken der Möhnekatastrophe in Erinnerung zu behalten“, schloss Winkelmann.

Gedenkstein Möhnekatastrophe

Karl-Heinz Wilmes, ehemaliger Günner Ortsvorsteher, ist Zeitzeuge. „Für Überlebende ist das Geschehen bis heute gegenwärtig“, sagte er vor den Gästen der Einweihung der Gedenkstätte: „Wenn sich der 17. Mai jährt, kommen die Erlebniss in den Gedanken zurück, eine innere Unruhe wird lebendig.“ Wilmes sagte auch: „Der Frieden, in dem wir leben, ist kein Geschenk. Der Frieden in Europa ist das Ergebnis jahrelanger Bemühungen, Kriege auf Dauer zu verhindern.“

Cornelia Lahme, inzwischen Vorsitzende des Heimatvereins, zitierte Roman Herzog, den ehemaligen Bundespräsidenten: „Die Erinnerung darf nicht enden, sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.“ Cornelia Lahme ergänzte: „Heute möchten wir allen Opfern, die durch die Flut ums Leben kamen, einen Ort des Gedenkens geben und gleichzeitig die vielen Besucher der Sperrmauer die bitteren Erfahrungen von Krieg und Gewalt erkennen lassen.“ Erinnern sei ebenso ein Auftrag für die Zukunft, so Lahme weiter: „Die Gedenkstätte soll ebenso dem Frieden dienen und ein Bewusstsein für die Bedeutung von Demokratie und Menschenrechten schaffen.“

Für den Ruhrverband lobte Hermann Krotte, Leiter der Betriebsabteilung Talsperren und Stausee, die Idee für die Gedenkstätte: „Der Ruhrverband hat gerne das Gelände zur Verfügung gestellt, planiert, Sichtschneisen geschnitten und mit Hand- und Spanndiensten die Arbeit des Heimatvereins unterstützt.“

Es war kühl, aber sonnig. Wolfgang Bargel (Gitarre) und Kalman Olah (Violine) spielten dazu unter anderem Bachs Largo aus seinem Cembalokonzert. Kenner wissen: Es trägt die Nummer 1056 in seinem Werkeverzeichnis. Wer es nicht weiß und zuhörte, wird den Klang, diese Momente und die ganz besondere Atmosphäre loben. Auch nach der Einweihung dürfte es so etwas an genau dieser Stelle öfter geben. Weil es so schön und anrührend ist. Und passend. - brü

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