Friedwald bietet ein Grab in der Natur

Baumkletterer Jannis Böttcher von der Firma „Baumkauz“ schulte Forstwirt Henning Schröder (vorne von links) und einige seiner Kollegen vom Ruhrverband für den Einsatz in den Baumwipfeln. Die Vorbereitungen für den Friedwald erläuterten (hinten von links) stellvertretender Revierleiter Arne Heck vom Ruhrverband und Forstbetreuer Immo Schilling von der Friedwald GmbH.

MÖHNESEE -  Forstarbeiten der etwas ungewöhnlichen Art können Spaiziergänger auf der Delecker Halbinsel derzeit beobachten. Die Arbeiten in luftiger Höhe werden durchgeführt, damit der Aufenthalt unter den Bäumen am Boden gefahrlos möglich ist. Der Waldabschnitt, den die „Baumkletterer“ derzeit am Rennweg bearbeiten, ist nämlich Teil des Friedwaldes.

Nach dessen Eröffnung – aller Voraussicht nach am 6. Juni – können rund um die Stämme der ausgewählten Bäume die ersten Beisetzungen von Urnen stattfinden.

Seit der Vertragsunterzeichnung zwischen der Friedwald GmbH, dem Ruhrverband als Eigentümer der Fläche und der Gemeinde Möhnesee als Träger des Friedhofswesens laufen seit einigen Wochen die Vorbereitungen für die Einrichtung des Friedwaldes. Für das neue Angebot wird zunächst eine etwa fünf Hektar große Teilfläche des Gesamtareals von 30 Hektar hergerichtet. Dazu wurden 300 Bäume ausgewählt, die das Potenzial haben, die nächsten 99 Jahre gut zu überdauern. Bäume, die diese Exemplare im Wuchs behindern könnten, wurden entnommen, sagte Immo Schilling, der als Forstbetreuer der Friedwald GmbH für die Arbeiten zuständig ist. Die für den Friedwald ausgewählten Bäume werden ebenso wie später die Urnengrabstellen kartiert, damit eine eindeutige Zuordnung möglich ist.

Bei den aktuell laufenden Arbeiten werden die Friedwaldbäume von Totholz befreit, damit ein Aufenthalt unter den Baumkronen gefahrlos möglich ist. Schließlich wollen sich zum Beispiel trauernde Angehörige auch einmal längere Zeit an der Grabstelle des Verstorbenen aufhalten. Für die Baumpflegearbeiten hat der Ruhrverband eigens mehrere Mitarbeiter von der Firma „Baumkauz“ zu Baumkletterern ausbilden lassen. So können ergänzende Pflegemaßnahmen in den kommenden Jahren rasch durchgeführt werden, sagte Arne Heck, stellvertretender Forstrevierleiter des Ruhrverbands.

Zusätzlich zu den pflegerischen Maßnahmen wurde im Bereich des Friedwalds eine größere Fläche als Trauerplatz hergerichtet. Von hier aus werden einige Wege angelegt, von denen aus die Besucher die jeweiligen Begräbnisbäume aufsuchen können.

Führungen und die Beratung potenzieller Interessenten übernehmen Förster des Ruhrverbands. „Die Förster werden von der Friedwald GmbH begleitet“, erklärte Schilling, „gerade der Umgang mit Trauernden kann auch schwierig sein.“ Neben Einzel- oder Doppelgrabstellen am Baum der Wahl können auch mehrere Grabstellen für die ganze Familie erworben werden. Wer welchen Baum wählt, hängt ganz von individuellen Vorstellungen ab. „Der eine möchte die große stattliche Eiche, der andere lieber einen krumm gewachsenen, ungewöhnlichen Baum“, berichtete Schilling. Hinzu kommt als Besonderheit ein „Sternschnuppenbaum“ für Totgeburten und Kleinkinder. In diesen besonderen Fällen werden lediglich die Bestattungsgebühren von 275 Euro fällig. Ausgewählt wurde dafür ein besonders interessant gewachsener Baum. „Der sieht aus wie aus dem Märchenwald“, sagte Schilling.

Wichtig ist dem Betreiber ein naturnaher Wald mit heimischen Bäumen wie Eichen, Buchen, Wildkirchen oder Walnussbäumen. Grabschmuck ist nicht gestattet. Dass der Friedwald Möhnesee angenommen wird, davon ist Schilling überzeugt. Speziell die Lage am See sei etwas ganz Besonderes. Überzeugt vom Konzept ist auch Revierleiter Heck. Die Frage, ob er sich ebenfalls eine letzte Ruhestätte im Friedwald vorstellen könnte, beantwortete er mit einem klaren Ja: „Ich bin Förster mit all der Liebe zum Wald, und dann wäre ich da, wo ich mein Leben lang am liebsten war.“ - tbg

Infos im Internet unter www.friedwald.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare