Kaum Chancen auf Bauplatz

Fremd in der eigenen Heimat: Ur-Körbecker darf nicht zurück

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Sebastian Sprenger ist eigentlich „Vollblut-Körbecker“, spielt unter anderem als Torwart bei der SpVg Möhnesee, wird aber offiziell als Auswärtiger angesehen.

Möhnesee-Körbecke - Sebastian Sprenger kommt aus Körbecke, ist dort aufgewachsen und noch immer zahlreichen Vereinen treu. Doch weil er vor ein paar Jahren nach Soest gezogen ist, kann er nun nicht mehr zurück.

Der Mann ist als Torwart der ersten Mannschaft ein echter Rückhalt der SpVg Möhnesee; gemeinsam mit seinen Brüdern spielte er viele Jahre Eishockey in Echtrop, baute auch organisatorisch mit am Erfolg auf dem Eis; als Schütze marschiert er ebenso regelmäßig wie gerne in Uniform durch die Straßen Körbeckes; und als Karnevalist ist sein Auftritt vor zwei Jahren als Mitglied der Band „Queen“ bei der Prinzessinnenproklamation und später vor großem Publikum in der Möhneseehalle unvergessen. Sebastian Sprenger ist Ur-Körbecker – und als solcher auf vielfache Weise mit seinem Ort verbunden. 

Das möchte er auch in Zukunft sein. „Wenn ich nächstes Jahr in der ersten Mannschaft aufhöre, dann würde ich gerne als Trainer eine Jugendmannschaft übernehmen“, sagt der 34-Jährige. Allerdings nur dann, wenn er auch in Körbecke wohnen kann. Das aber ist ein Problem. Denn zwar haben Sprenger und seine Lebensgefährtin Helena Busch große Lust, im neuen Baugebiet West oberhalb der Klinik ein schönes Haus zu bauen. 

Paar wohnt seit 2016 in Soest

Doch die Chancen auf einen Bauplatz stehen schlecht. Der Grund: Weil das Paar seit 2016 in Soest wohnt, gelten die beiden als Auswärtige. Und die haben grundsätzlich schlechte Karten bei der Vergabe. Denn nach einem Ratsbeschluss sind Bewerber zu bevorzugen, die ihren Wohnsitz in der Gemeinde haben: Zunächst solche mit Kindern, dann die ohne Nachwuchs. Erst danach folgen Auswärtige zunächst mit, dann ohne Kinder. 

Nach diesen Kriterien rangiert Sebastian Sprenger ganz hinten auf der Liste. Geheiratet wird nämlich erst im November. Und was den Nachwuchs angeht meint er: „Ich möchte zuerst ein Haus bauen und dann Kinder bekommen.“ 

Als er 2016 in Körbecke keine passende Wohnung gefunden habe, sei er erstmals in seinem Leben aus Körbecke weggezogen und nach Soest ausgewichen, sagt Sebastian Sprenger. Doch dem Ort verbunden sei er immer geblieben. „Das ist über so eine Distanz natürlich nicht so einfach“, sagt er. Und erklärt, dass es mit seiner Idee der Jugendmannschaft schwer werden könne, wenn er nicht in der Nähe sei. 

Unzufrieden mit Auswahlkriterien

Überhaupt ist Sebastian Sprenger wenig zufrieden mit den Auswahlkriterien fürs Baugebiet. Schon im ersten Bauabschnitt war er nicht berücksichtigt worden. Und auch jetzt hat er keine realistischen Chancen. Das kann Möhnesees Beigeordneter Günter Wagner nur bestätigen. „Die meisten Grundstücke sind vielfach überzeichnet“, erklärte der auf Anzeiger-Nachfrage. Am Montag war die Bewerbungsfrist abgelaufen. Nun werde in der kommenden Woche nach dem Kriterienkatalog entschieden, wer den Zuschlag bekomme. „Und da hat jemand, der weder Kinder hat noch in der Gemeinde wohnt nun einmal keine guten Chancen“, so Wagner. Zwar könne er die Argumente von Sebastian Sprenger verstehen, doch die seien nun einmal nach dem Ratsbeschluss kein Kriterium für ein Baugrundstück. 

Für die Zukunft könnte allenfalls ein neuer Beschluss aus dem Rat für Abhilfe sorgen. So wie etwa in Bad Sassendorf, wo beispielsweise bei der Vergabe von Baugrundstücken in Ostinghausen auch das Wohnen eines Elternteils im Ort oder die „nachweisliche Verbundenheit zum Ort“ als Vergabekriterien wichtig sind. 

„Dass das woanders geht, nutzt mir natürlich nichts“, sagt Sebastian Sprenger. Angesichts der kommenden Kommunalwahl setzt er nun seine Hoffnung darauf, dass die Parteien und Bürgermeisterkandidaten dem Beispiel aus Bad Sassendorf folgen. Und sein Traum vom Hausbau in Körbecke doch noch wahr wird.

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