Fortsetzung im Möhneseer Totschlag-Prozess

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Strafverteidiger Cramer hat beantragt, den Haftbefehl gegen seinen Mandanten Stephan G. außer Kraft zu setzen.

ARNSBERG/KÖRBECKE - Überraschender Vorstoß von Strafverteidiger Volker Cramer: Vor dem Schwurgericht beantragte er am Freitag am Ende der Verhandlung, den Haftbefehl gegen den Angeklagten Stephan G. außer Vollzug zu setzen. Offensichtlich weil er der Auffassung ist, dass der Prozessverlauf seinen Mandanten eher von dem Vorwurf des Totschlags entlastet.

Er soll in Körbecke die 57-jährige Gaby L. im März diesen Jahres schwer verletzt und damit deren Tod billigend in Kauf genommen haben.

Laut Verteidiger soll außerdem ein Hämatologe (Blutspezialist) als Gutachter in dem Verfahren hinzugezogen werden, weil die Blutgerinnungsstörung mit möglichen Spontanblutungen von den bisherigen Medizinern nicht ausreichend betrachtet worden sei.

Richterin Dorina Henkel erklärte, dass vom Gericht als minder schwerer Tatvorwurf zukünftig auch Körperverletzung mit Todesfolge in Betracht gezogen werde. Sie will über die Anträge der Verteidigung in Ruhe entscheiden, ehe es in der kommenden Woche vor dem Landgericht Arnsberg in dem Verfahren mit einer weiteren Zeugin und dem forensisch-psychiatrischen Gutachten von Dr. Sylvia Leupold aus Warstein weiter geht.

Am kommenden Dienstag ab 9 Uhr ist eine weitere Sitzung des Schwurgerichts anberaumt. Dann werden die Anträge des Strafverteidigers beschieden und es kann das Urteil erwartet werden.

Das Schwurgericht hörte am Freitag den Bericht des Soester Rechtsmediziners Dr. Ralf Zweihoff, der gemeinsam mit einer Ärztin in Dortmund die Obduktion von Gaby L. einen Tag nach deren Tod vorgenommen hatte. Zweihoff beschrieb vor dem Schwurgericht Blutergüsse vom Schädel von Gaby L. über das Gesicht und Arme, Beine, Bauch und Rücken. Lediglich am Genitalbereich sei das Opfer unversehrt gewesen.

Der Rechtsmediziner nannte die Kopfverletzung an der rechten Schläfe auf Scheitelhöhe und ein daraus folgendes schweres Schädel-Hirn Trauma als vermutliche Todesursache. Aufgrund der Verstreutheit der Verletzungen schloss er aus, dass es sich bei den Ursachen allein um Stürze handeln könne. Er vermutete hingegen Schläge mit der Faust oder Tritte als Gründe der Blutergüsse an unterschiedlichsten Körperstellen. Ein Tatwerkzeug sei nicht zu erkennen. Die eigentlich tödliche Verletzung sei aufgrund der Vielzahl der Einblutungen ins Gewebe und der Blutgerinnungsstörung nicht eindeutig lokalisierbar.

Verteidiger Cramer sieht beim Gericht ein Vorurteil wegen vermuteter häuslicher Gewalt Er will hingegen darauf hinaus, dass Gaby L. sich die Verletzungen bei Stürzen im Bad mit Aufschlagen an den Rand der Badewanne, an Waschbecken oder Duscharmaturen zugezogen haben könnte.

„Könnte es sein, dass die Kopfverletzung auch beim Aufstehen und dabei Anstoßen an ein Waschbecken oder einen Tisch entstanden sind?“, fragte er den Gerichtsmediziner, der diese Frage nicht definitiv Verneinen konnte. - dümi

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