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Verlorene Dinge landen immer öfter auf Facebook statt im Fundbüro

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Von: Gabi Bender

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Christina Razem zeigt die gefundenen Fahrräder. Die Rahmennummern werden an die Polizei weitergegeben, daher lohnt es sich immer, bei einem Diebstahl die Rahmennummer des gestohlenen Fahrrades anzugeben.
Christina Razem zeigt die gefundenen Fahrräder. Die Rahmennummern werden an die Polizei weitergegeben, daher lohnt es sich immer, bei einem Diebstahl die Rahmennummer des gestohlenen Fahrrades anzugeben. © Bender

Ein Autoschlüssel für einen Van, ein Steckschlüsselaufsatz für ein Felgenschloss und ein Portemonnaie aus braunem Leder – allein von Freitag bis Sonntag sind diese drei Dinge in Körbecke gefunden worden. So kann man es zumindest beim Sozialen Mediendienst Facebook lesen. Ob sie ihren Weg ins Fundbüro finden, ist allerdings fraglich.

Möhnesee – „Bis jetzt ist bei uns leider noch keiner der drei Funde gemeldet worden“, sagt Gabriele Thomas. Die Sachbearbeiterin arbeitet unter anderem im Fundbüro der Gemeinde Möhnesee und ist immer wieder verwundert, dass nur wenige Dinge, die Menschen in Möhnesee finden, im Fundbüro abgegeben werden. Und das, obwohl sie die Facebook-Funde schon oft mit dem Hinweis kommentiert hat, die Sachen bitte im Fundbüro abzugeben.

„Die meisten Sachen werden bei Facebook gepostet und die Finder schreiben auch immer mal wieder, dass sie es nach einigen Tagen zum Fundbüro bringen, aber hier kommen sie definitiv nicht an“, berichtet Gabi Thomas. „Ich fasse es mal ganz drastisch zusammen: Der größte Feind des Fundbüros sind die sozialen Netzwerke wie Facebook und Co.“

Wobei das nicht bedeutet, dass sie dagegen ist, die Sachen bei Facebook zu posten. „Wenn sie dadurch wieder zu ihrem Eigentümer kommen, ist das natürlich gut.“ Wobei Facebook immer nur als ergänzende Maßnahme gesehen werden solle. Die Ausrede, man müsse zu den Öffnungszeiten des Fundbüros arbeiten und könne deshalb nicht vorbeikommen, lässt sie nicht gelten. „Uns und vor allem demjenigen, der eine Sache verloren hat und bei uns anruft, würde es sehr helfen, wenn sich der Finder telefonisch bei uns meldet und Bescheid sagt, was er wo und wann gefunden hat.“

Seinen Fund ordnungsgemäß beim Fundbüro zu melden, kann sich für den Finder sogar im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen, denn nicht alle Funde werden abgeholt. „Im vergangenen Jahr hatte jemand ein altes Herrenportemonnaie mit einem hohen vierstelligen Geldbetrag auf einem Parkplatz gefunden und abgegeben“, erinnert sich Gabi Thomas. Ein Eigentümer war allerdings nicht zu ermitteln. „Wir haben sogar bei den Banken im Umkreis angefragt, ob sich der Betrag einer Abhebung zuordnen lässt – aber ohne Ergebnis.“ Nach Ablauf eines halben Jahres ist das Geld daher abzüglich der Verwaltungsgebühren rechtmäßig an den Finder übergegangen, der sich direkt am Stichtag gemeldet hat. Auch bei dem Finder eines fast neuen E-Bikes war die Freude groß, als er das Fahrrad nach der Frist und dem Bezahlen der Verwaltungsgebühren in Besitz nehmen durfte.

Zu den kuriosen Funden im vergangenen Jahr zählt ein Kinderwagen, der einem Körbecker auffiel, weil er mehrere Tage vor der Volksbank gestanden hat – komplett ausgestattet mit Bekleidung, Windeln und angebrochener Kekspackung. „Nach drei Tagen hat uns den jemand ins Rathaus geschoben, aber es hat niemand nach einem Kinderwagen gefragt, obwohl es ein guter war“, sagt Gabi Thomas. Auch in diesem Fall konnte der Eigentümer nicht ermittelt werden.

Fundunterschlagung ist strafbar

Wer einen Gegenstand mit einem Wert von mindestens zehn Euro findet und nicht im Fundbüro abgibt, begeht eine so genannte Fundunterschlagung und diese ist strafbar. Nachzulesen ist das Fundrecht in den Paragraphen 965 bis 984 des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Eine Fundunterschlagung liegt auch dann vor, wenn die Fundstücke ab zehn Euro in den sozialen Medien gepostet werden, aber eben nicht beim Fundbüro angezeigt werden. Denn maßgeblich ist die Meldung beim Fundbüro als zuständige Behörde.

Das Fundstück kann nach Absprache mit dem Team des Fundbüros vorläufig beim Finder bleiben, es muss aber angezeigt werden.

Aber es gibt auch viele positive Beispiele, bei denen Finder und Fundstück wieder zusammengefunden haben. „Ich erinnere mich an einen Niederländer, der seinen Schlüssel am vorletzten Tag seines Urlaubs verloren und sich mit uns in Verbindung gesetzt hat.“ Als dieser gefunden wurde, war der Urlauber schon wieder in seiner Heimat. „Er wollte den Schlüssel aber dennoch haben und nachdem er nachgewiesen hat, dass es sein Schlüssel ist, haben wir ihm diesen per Post geschickt.“

„In diesem Jahr sind bisher erst 18 Fundstücke gemeldet und bei uns abgegeben worden“, sagt Christina Razem, die bei der Gemeinde Möhnesee ebenfalls unter anderem für Fundsachen zuständig ist. „Das ist im Vergleich zu anderen Jahren eher wenig.“ Dem stehen 30 Dinge gegenüber, die von Bürgern als verloren gemeldet wurden. „Vier der gefundenen Gegenstände haben wir bereits den Besitzern zurückgegeben.“ Bei den übrigen gibt es keine Übereinstimmungen von Fundstücken und verlorenen Gegenständen.

Zu den häufigsten Fundstücken gehören Schlüssel. „Wobei es eigentlich kaum etwas gibt, was nicht gefunden wird“, erklärt Gabi Thomas. Unter anderem wurden schon Drohnen, Kleinkrafträder, Hörgeräte, Schmuck, Handys sowie Jacken und andere Kleidung im Fundbüro abgegeben.

„Zu Karneval hatten wir in diesem Jahr gleich mehrere Anrufe pro Tag“, erinnert sich Gabi Thomas. „Vermisst wurden unter anderem Jacken, Schlüssel, Portemonnaies und Handys.“ Darunter auch ein fast neues iPhone, das seinem Eigentümer dank der Mitarbeiterinnen vom Fundbüro schon nach kurzer Zeit wieder übergeben werden konnte. Gabi Thomas: „Das hatte ein ehrlicher Bürger bei einer Bank im Seepark entdeckt und bei uns abgegeben.“

„Für die Zukunft wünschen wir uns, dass jeder, der etwas findet, dieses Fundstück bei uns meldet“, resümiert Gabi Thomas. „Denn zum einen ist nicht jeder bei Facebook und schon gar nicht in den jeweiligen Gruppen und zum anderen kommen auch viele Suchende nicht unbedingt von hier.“

Gabriele Thomas schiebt regelmäßig Personalausweise, EC-Karten, Fahrkarten, Führerscheine und andere Dokumente in den Schredder, wenn die Eigentümer diese nicht mehr abholen möchten.
Gabriele Thomas schiebt regelmäßig Personalausweise, EC-Karten, Fahrkarten, Führerscheine und andere Dokumente in den Schredder, wenn die Eigentümer diese nicht mehr abholen möchten. © Bender

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