DORV-Laden läuft schlechter als erhofft

VÖLLINGHAUSEN ▪ Beim Essen wird gespart – auch in Völlinghausen. „Die Geiz-ist-Geil-Welle ist bis aufs Dorf geschwappt“, sagt Rainer Norbisrath. Zwei Jahre nach der Eröffnung des DORV-Ladens in Völlinghausen ist der ehrenamtliche Geschäftsführer der GmbH etwas desillusioniert.

Von Andreas Sträter

„Es läuft durchwachsen, wir müssen jeden Tag kämpfen“, erklärt Norbisrath gestern Nachmittag anlässlich einer kleinen Geburtstagsfeier.

Es sei nicht der Umsatz da, den sich die Initiatoren erhofft haben. Zehn bis 15 Porzent mehr Umsatz wären gut, meint Norbisrath. Das eigentliche Plus des Geschäftes im Tante-Emma-Stil sei ohnehin Gewinn an Lebensqualität für die Einwohner, die Festigung des Gemeinschaftsgefühls und die Aufwertung des Dorfes. Nur: unterm Strich bleibt, anders als zunächst erhofft, kein Geld übrig. „Wir sind nicht auf Gewinnmaximierung aus, wir müssen nur überleben.“ Für die praktische Umsetzung wurde vor drei Jahren der Verein „DORV-Gemeinschaft“ gegründet. 220 von 400 Haushalten des Dorfes wurden Mitglied und beteiligten sich mit Einlagen von mindestens 100 Euro, durch die das Grundkapital für den Umbau der Gaststätte, die Einrichtung des Ladens und die Erstausstattung der Waren gedeckt werden konnte.

Geführt wird der Laden von der „DORV-Zentrum Völlinghausen GmbH“, deren Gesellschafter wiederum der Verein ist. Zuschüsse oder Fördermittel flossen keine und so sind die Völlinghauser um so mehr stolz auf das, was sie erreicht haben. „Sicherlich habe ich es schon mal bereut, aber das hört man aus allen DORV-Läden“, sagt Norbisrath. Doch unter den DORV-Läden gilt der Völlinghauser Laden als umsatzschwach. Was könnten denn mögliche Gründe dafür sein? „Vielleicht liegt es auch einem guten Schuss Bequemlichkeit“, mutmaßt der ehrenamtliche Geschäftsführer, der mehr auf den dörflichen Zusammenhalt gehofft hatte.

Im kleinen DORV-Laden arbeiten derzeit eine Vollzeitkraft und fünf Aushilfskräfte, hinzu kommen viele Ehrenamtliche, die die Waren ein- und ausräumen. Im Monat kommen etwa 4500 Kunden in den Laden. Freitags und samstags kann es dabei schon mal etwas voller werden, wenn bis zu 220 Kunden kämen. „Wenn dann 15 Leute an der Frischetheke stehen, dann kann es schon mal länger dauern, aber das gehört dazu.“ Sonntags würden durchschnittlich bis zu 100 Völlinghauser ihre Brötchen im Laden an der Syringerstraße kaufen. „Positiv ist, dass wir überhaupt noch existieren“, bilanziert Norbisrath. Während das Stehcafé langsam „in die Puschen“ komme, habe sich der Hol- und Bringdienst als veritabler Flop erwiesen. „Der wird gar nicht genutzt.“ Gerade vor dem Hintergrund immenser Benzinkosten von bis 1,71 für den Liter Super wundert es Norbisrath, dass nicht mehr Menschen die Gelegenheit nutzen im Laden einzukaufen. „Wer nicht kommt, ist blöd“, findet Norbisrath.

Die nächsten Supermärkte und Discountmärkte sind etwa sieben Kilometer entfernt in Körbecke und in Warstein-Sichtigvor.

Noch in diesem Jahr will die DORV-Gemeinschaft ihre Warenpalette um Tiernahrung und Zigaretten erweitern, um neue Kunden zu akquirieren. Besonders gut laufen Drogieartikel und Getränke. Eine Befragung im Vorfeld der Eröffnung hatte ergeben, dass sich die Völlinghauser vor allem Frischeartikel wünschen. Im DORV-Laden gibt es 2000 Artikel. „Das sind mehr als bei Aldi“, sagt Friedhelm Linnhoff vom DORV-Laden. Alle zwei Tage gibt es frisches Obst und Gemüse.

Immerhin: Gestern gab es zum DORV-Geburtstag für jeden Einkauf in Höhe von fünf Euro eine Wertmarke für eine Wurst oder für Getränke. In einem Zelt vergnügten sich die Besucher bei Kaffee, Kuchen und guten Gesprächen über das Leben im Dorf, außerdem gab es Handwerkskunst und einen Bierwagen.

Die Öffnungszeiten sind montags bis samstags 6.30 Uhr bis 12 Uhr, außerdem montags, mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr; sonntags ist der DORV-Laden von 8 bis 11 Uhr geöffnet.

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