Verkehr am Möhnesee

Mit dem Ordnungsamt auf Kontrolltour

Die Ordnungsamtsmitarbeiter Jörg Eberl (von links), Praktikant Andre Dietrich, Rolf Bell und Alen Kretonic starteten ihre Kontrolltour am Samstagmorgen vor dem Rathaus in Körbecke.
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Die Ordnungsamtsmitarbeiter Jörg Eberl (von links), Praktikant Andre Dietrich, Rolf Bell und Alen Kretonic starteten ihre Kontrolltour am Samstagmorgen vor dem Rathaus in Körbecke.

Samstagmorgen, zehn Uhr: Jörg Eberl, Rolf Bell und Alen Kretonic vom Ordnungsdienst der Gemeinde stellen sich einmal kurz für ein Gruppenbild zusammen vor dem Rathaus, dann soll es auf Tour gehen rund um den See. Andre Dietrich ist zum ersten Mal in die blaue Uniform geschlüpft – er ist Praktikant, möchte beim Ordnungsdienst eingestellt werden. Warum? „Ich finde das eine spannende Aufgabe, ich habe gerne mit Menschen zu tun“, sagt er. Rolf Bell nimmt den Anzeiger mit auf Tour.

Möhnesee - Wie das Wochenende werden könne, ob tatsächlich zig Ausflügler von außerhalb die Straßen in der Gemeinde verstopfen werden, um hier am See durch den tiefen Schnee zu stapfen oder um im Arnsberger Wald die weiße Idylle zu genießen? Wird es Bilder geben wie in Winterberg, wo die Straßen verstopft waren, wo Auto an Auto stand, nichts mehr ging und wo der Bürgermeister sich vor laufenden Kameras die Haare raufte, warum die Leute unbedingt jetzt in Scharen das Sauerland fluten, auf der Suche nach Abwechslung und Gelegenheit für ein bisschen Wintersport? „Ich weiß es nicht“, sagt Bell und pappt die Magnetschilder „Ordnungsamt“ ans Auto der Gemeinde. „Ich selber glaube ja, dass Möhnesee nicht unbedingt der Ort für Wintersport ist, aber warten wir es mal ab.“ Der Blick auf die Straße zeigt schon früh am Morgen: Tief verschneit sieht anders aus, der Schnee ist eigentlich schon ein bisschen matschig geworden, knackig kalt ist es nicht. Was Bells Aufgabe ist, wenn er auf Tour ist? „Wir kontrollieren den ruhenden Verkehr, wir achten auf Besonderheiten, wir greifen ein, wenn wir angerufen werden – wir reden mit den Leuten, wir ermahnen, wo jemand sich nicht an die Regeln hält, wir geben Tipps und erklären. Immer alles ganz höflich und mit Respekt.“

Was man da so erleben kann? „Alles“, sagt Bell – es komme immer auf die Leute an, aber er selber habe bislang durchweg positive Erfahrungen gemacht: Ein ruhiges Gespräch helfe in den meisten Fällen. Traurig sei, dass der Ton bei manchen ruppiger geworden sei, dass heute sogar Rettungssanitäter bei der Arbeit angemault und sogar körperlich angegriffen würden. Die Parkplätze sind leer um diese Zeit, kaum ein Fahrzeug ist gebührenpflichtig abgestellt, drei, vier Knöllchen gibt es trotzdem. Die Arbeit ist stets die gleiche bei allen Parkautomaten: Kontrollmünze einwerfen, dann gibt es einen Ausdruck mit Zeitstempel – so lässt sich prüfen, welcher Automat wann funktioniert hat. Bell erklärt: Parkscheine ziehen müssen alle das ganze Jahr über, und wenn mal ein Automat kaputt ist, in der Nähe aber weitere stehen, dann ist man verpflichtet, zu schauen, welcher Automat funktioniert und dort dann seinen Parkschein ziehen: Parkscheinpflicht ist immer von morgens um neun bis abends um acht, ein Tagesticket gibt’s für fünf Euro, ein Jahresticket für 60. Es gibt auch Park-Apps fürs Handy – der Bezahlvorgang landet „in der Cloud“ und kann vom Ordnungsdienst über das Kennzeichen abgefragt werden. Bell: „Wir sind mit dem Ordnungsdienst jeden Tag unterwegs, immer zu unterschiedlichen Zeiten. Es ist einfach günstiger, einen Parkschein zu ziehen.“ Das Wagnis: Wer lange ohne parkt, riskiert, mehrfach kontrolliert zu werden – das erhöht das Bußgeld auf aktuell bis zu 30 Euro an einem Tag.

Kein Verständnis hat Bell für solche Autofahrer, wie er sie regelmäßig etwa im Bereich der Kanzelbrücke antrifft. Dort endet die Kontrolltour nach fast zwei Stunden: Bell erkennt sofort einen „Pappenheimer“ vom Vortag wieder – da hatte der mit seinem Wagen den Weg zu den Wohnhäusern als Parkplatz auserkoren. Bell: „Selbst, wenn er da am Rand parkt – ein Rettungswagen, ein Feuerwehrauto im Einsatz, das passt da nicht mehr durch, und darum geht es: Um die Sicherheit der Menschen, die hier wohnen. Da denken viele nicht dran, wenn sie hier parken. Es hat doch seinen Grund, dass hier Boxen fürs Parken auf den Asphalt aufgemalt sind.“ Sein „Kunde“ vom Vortag bekommt das nächste Knöllchen: Er steht neben den Boxen auf verbotenem Gelände.

Am Südufer kontrolliert ein anderes Team – und dort ist die Situation häufig haarig: Geparkt wird nach Lust und Laune rechts und links der Straße, rücksichtslos auf jedem freien Flecken. Das soll ein Ende haben, sagt die neue Bürgermeisterin Maria Moritz. Sie will konsequent abschleppen lassen. In ihrem Fazit zum Wochenende sagte sie gestern noch einmal: „Wir haben Glück gehabt mit dem Wetter, aber wir waren vorbereitet. Besucher sind willkommen, wenn sie sich an die Regeln halten. Wir werden auch in Zukunft deutlich ein Auge darauf haben, wo die Leute parken. Die Rettungswege müssen frei bleiben.“

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