Ruhrverband äußert sich zu zwei Fällen

Die Gefahr lauert am Ufer: Menschen versinken im Matsch - Warnschilder sind weg

Von solchen Ausflügen auf den Uferbereich des Möhnesees rät die Feuerwehr dringend ab.
+
Von solchen Ausflügen auf den Uferbereich des Möhnesees rät die Feuerwehr dringend ab.

An der Seetreppe in Körbecke zogen die Freiwilligen der Feuerwehr in der vergangenen Woche ein Kind aus dem Ufermatsch. Zwei Tage später versank eine Frau an der Jugendherberge am Südufer bis zur Hüfte in dem Modder. Wieder rückte die Feuerwehr aus. Ist Schadenfreude angesagt? Müssen Warnschilder her, muss eine Absperrung sein?

Möhnesee - „Dummheit stirbt nicht aus – siehe Corona“, schrieb jemand unter den Bericht im Netz und meinte damit die Dame, nicht das Kind. „Es wurde mehrfach auf die Gefahren hingewiesen!“ Jemand anderes fordert, der Dame eine Rechnung zu schicken für den Einsatz der Feuerwehr: „Wenn ein spielendes Kind zu weit in die eigentliche Seefläche läuft, kann es eine Gefahr vielleicht noch nicht einschätzen. Eine erwachsene Person sollte jedoch etwas mehr Verstand besitzen. Außerdem schützt Dummheit vor Schaden nicht!“

„Häme und Spott sind fehl am Platz“, sagt hingegen Feuerwehrchef Christian Böddeker. Ludger Harder stimmt ihm zu – er ist Betriebsleiter beim Ruhrverband und erklärt, was passiert ist: „Der See ist viel leerer als sonst um diese Zeit, entsprechend mehr Land ist zu sehen.“

Gefahr am Möhnesee-Ufer: Trockene Fläche ist tückisch

„Die scheinbar trockene Fläche trägt aber nicht und ist tückisch: Der Boden ist eigentlich nur Matschepampe, und ruckzuck steckt man mit beiden Füßen fest, kommt nicht mehr frei und wird langsam nach unten gezogen. Vom Schlick an der Nordsee dürften viele diesen Saugeffekt kennen. Bei uns am Möhnesee ist das nicht anders: Feinster Sand und Ablagerungen, oben trocken, darunter vollgesogen mit Wasser. Das hält nicht, man bekommt kein Bein mehr hoch, man kann sich nirgends abstützen.“

Gefahr am Möhnesee-Ufer: „Passiert aus Unkenntnis“

Dass das nicht jeder Besucher auf dem Schirm hat, dass auch nicht jeder Besucher von außerhalb den Anzeiger oder Feuerwehrberichte durchliest, das kann sich Harder gut vorstellen: „Sowas passiert aus Unkenntnis, ich glaube nicht, dass sich jemand absichtlich in so eine Gefahr begibt. Ich kann nur raten, immer nah am Uferrand zu bleiben, nicht weit raus zu gehen und sich beim ersten unguten Gefühl auf sicheres Gelände zurückzuziehen.“

Der Betriebsleiter erzählt, der Ruhrverband habe auch schon einmal eine ganze Reihe von großen Warnhinweisen aufgestellt entlang des Ufers: „Die Schilder sind verschwunden, um nicht zu sagen: Man hat sie uns geklaut.“ Das Spielchen will man wohl nicht alle naselang mitmachen, deshalb gibt es keine neuen Warnschilder. Einen Zaun um den See könne man auch nicht bauen, sagt der Betriebsleiter: „Der Möhnesee ist frei für alle, und es gibt ja auch ein Recht, das Ufer zu betreten.“ Wie es mit der Haftung läuft? „Betreten auf eigene Gefahr, denke ich.“

Häme und Spott sind fehl am Platz.

Feuerwehrchef Christian Böddeker

Was ein Gericht entscheiden würde? Ludger Harder: „Ich weiß es nicht – ich hatte die Frage aber auch noch nicht. Ich bin jetzt seit mehr als 15 Jahren hier, ich habe ein paar Mal davon gehört, dass Hunde mit den Pfoten steckengeblieben sind, dass Leute mal kurz in Not waren. Da waren aber immer auch Leute mit dabei, die schnell helfen konnten.“ So dramatische Einsätze wie in der vergangenen Woche, dass die Feuerwehr ihren Eisbrecher zum Schlickrutscher umfunktionieren musste? Nein, an so etwas könne er sich nicht erinnern.

Seine Wünsche fürs neue Jahr: „Dass wir alle gesund bleiben – und dass wir wieder mehr Wasser in die Möhne bekommen. Es fehlt an Regen, und für die nächsten Tage sieht es laut Wetterbericht nicht danach aus...“

Erfahrungsbericht: Absacken „bei schönster Aussicht auf den See“

Unser Reporter Thomas Brüggestraße weiß selbst, wie es sich anfühlt, im Uferschlamm des Möhnesees zu versinken. Er ist versehentlich in ein Loch getreten, als er vor einigen Wochen mit den Seglern zum Aufräumen unterwegs war am Strand von „Porno Beach“.

„Ich habe einen großen Bogen um feuchte Flächen gemacht, aber versackt bin ich mitten auf scheinbar rappeltrockenem Gelände“, erklärt er. Er war der Letzte in der Gruppe, hatte Gegenwind. Seine Hilferufe haben die anderen eher durch Zufall gehört – nach „langen, bangen Minuten und aus einiger Entfernung“. Da steckte er schon bis zur Mitte des Schienbeins fest und kam nicht mehr los.

Das ganze Areal war frei zugänglich. „Wer da alleine absackt, ist verloren – bei schönster Aussicht auf den See...“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare