Daniela Kotewitsch schreibt Schützengeschichte

Königin in Wamel: Die erste Frau, die den Vogel abschießt

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Daniela Kotewitsch ist die erste Schützenkönigin in Möhnesee, die selber den Holzadler abgeschossen hat. Sie regiert jetzt die Sankt-Hubertus-Schützen in Wamel und hat damit ganz selbstverständlich auch für ein Jahr Sitz und Stimme im Vorstand. Mit ihr freut sich die ganze Familie: hinten von links: Matthias Kotewitsch, die Töchter Leonie, Lisa und Lina (vorne).

Dass es Zeit wurde für Frauen, das bejaht sie sofort. „Aber ich hab’s erst registriert, als ich beim Frisör gesessen habe“, sagt Daniela Kotewitsch zu ihrem beherzten Schuss, der für ganz Möhnesee Schützengeschichte schreibt: Sie ist Schützenkönigin in Wamel, die erste Frau in der Bruderschaft, am See und an der Haar, die selber den Vogel abgeschossen hat – passend zur Premiere: Erstmals überhaupt durften Frauen mitschießen.

Möhnesee - Es war spannend, weil gleich ein halbes Dutzend Leute den Titel haben wollten – Männer wie Frauen. Und für den Bruchteil einer Sekunde glaubte sogar ihr Mann Matthias, der Oberst der Bruderschaft ist, er sei König geworden und reckte die Arme in die Höhe. 

Zu früh gefreut: Das letze Fitzelchen erwischte dann Daniela Kotewitsch. Wie schön und aufregend das alles war, davon erzählte „Ela“, wie sie die Freunde nennen, ein paar Tage nach dem Fest zusammen mit der Familie.

Zu dritt sind sie in die Schützenbruderschaft Sankt Hubertus Wamel eingetreten vor zwei Jahren: Simone Gerke, Sabine Kotewitsch und dann Daniela Kotewitsch. Beim Schützenfest im letzten Jahr standen dann 14 Frauen zur Vereidigung an der Fahne. „Ein schönes Zeichen“, so erinnert sich der Oberst. 

Daniela Kotewitsch: „Wir Frauen haben uns vorgenommen, dass wir alle fleißig auf die Insignien schießen, Krone, Zepter und Apfel erbeuten. Hat aber nicht geklappt: Die Männer haben uns alles vor der Nase weggeschossen. 

Da haben wir uns gesagt: Jetzt erst recht. Ich habe einfach mitgemacht, und wir haben reihum geschossen…“ Dass eine Frau den Vogel abgeschossen hatte, das bejubelten alle sofort lautstark – und es brachte den Terminplan durcheinander: „Die Königin kann ja sonst mit ihren Hofstaatdamen durchstarten, um nach Kleidern zu schauen“, erinnert sich Daniela Kotewitsch: „Mich haben sie aber erst einmal zur Proklamation in die Halle geleitet, und dann gab es Glückwünsche. Um halb drei bin ich dann endlich losgekommen – und zum Frisör musste ich ja auch noch.

Zurück kam sie in einem Traum aus Tüll, lachsfarben, mit schönen Stickereien und einem Raum greifenden Reifrock. „Ging schnell“, erzählt die Königin: „War das vierte Kleid…“. Mit eineinhalb Stunden Verspätung haben Schützen und Gäste dann die neue Königin und den Hofstaat begrüßt. 

Der Oberst sitzt jetzt mit auf dem Thron. „König“ nennt er sich in diesem Fall, und das soll auch künftig so bleiben: „So Verschraubungen wie Prinzgemahl oder so, das wollen wir nicht“, sagt Matthias Kotewitsch. „Man sieht’s ja an der Amtskette, wer abgeschossen hat“. Aber so schwer tragen wie die Männer wird Daniela Kotewitsch nicht tragen müssen, sie bekommt die kleine Amtskette, damit man vom schönen Kleid auch noch was sieht.

Was bedeutet es, dass Mama jetzt richtige Königin ist? Tochter Lisa (9) sagt: „Ich habe Däumchen gedrückt, dass sie es wird!“ Lina (4) strahlt glücklich: „Ich find‘ das toll!“ Leonie (16) strahlt ebenfalls: Sie kam mit in den Hofstaat. Daniela Kotewitsch: „Ob’s normal ist, Königin zu sein? Ich find’s schon. Ich bin auf jeden Fall stolz drauf. Denn das ich treffe, das hätte ich nie gedacht.“ Oberst Matthias Kotewitsch: „Was das bedeutet, eine Königin zu haben? Für mich ist das absolut nichts anderes – ist ein Schützenbruder wie alle anderen, also eine Schwester.“

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