Appell aus dem Rathaus

Trotz Beschwerden: Gemeinde will Tourismus-Sperre am Möhnesee vermeiden

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Mopeds, Roller, fette Bikes: Motorisierte Zweiräder waren zu Hunderten rund um den See unterwegs, gelegentlich auch in kleinen Pulks.

Bombe! So soll das Wetter am nächsten Wochenende werden, und der Möhnesee und die Sperrmauer sind beliebte Ziele im ganzen Land. Wie viele Ausflügler werden es dann und in den Osterferien sein, die spazieren gehen wollen, radeln, skaten, paddeln, segeln, das schicke Auto oder röhrende Motorräder vorführen?

Möhnesee - „Hoffentlich nicht viele“, sagt Günter Wagner, Allgemeiner Vertreter von Bürgermeister Hans Dicke, dazu. „Es ist überhaupt nicht die Zeit für Party. Jeder sollte sich jetzt ganz genau überlegen, ob Ausflüge wirklich sein müssen!“Allerdings werde es vorläufig keine Sperrungen geben – die Seetreppe bleibe geöffnet, der Möhnesee-Turm sei weiter zugänglich und auch die Sperrmauer soll für Besuch geöffnet bleiben. Das bestätigt auch Ordnungsamtsleiter Hansfriedrich Winter.

Dass Schleswig-Holstein ganz hart durchgreift, den Tourismus auf Null herunterfährt und alle nach Hause schickt, die Kennzeichen aus Weitweg haben, das hat man im Rathaus durchaus zur Kenntnis genommen. „Soweit sind wir hier in Nordrhein-Westfalen aber noch nicht“, erklärt Wagner: „Wir haben Kontaktbeschränkungen, sollen Abstand voneinander halten, damit wir uns nicht anstecken, damit wir nicht unwissend andere anstecken. Diese Entscheidung ist sorgsam abgewogen worden, und als Gemeinde werden wir ohne Not nicht mehr verfügen, als das Land uns vorgibt – es geht ja um Eingriffe in die Freiheiten der Menschen.“

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Für ihn folgt daraus aber auch dies: „Ich würde mir, und gerade als jemand von außerhalb jetzt zweimal ganz genau überlegen, wie weit ich mich von der eigenen Wohnung entferne. Vor die Türe, frische Luft, Beine vertreten, mal was von draußen sehen? Gerne, aber eigentlich sind Ausflüge im Moment nicht drin. Und wenn ich sehe, dass irgendwo schon viele Leute unterwegs sind, dann steige ich nicht ausgerechnet da aus und setze mich dazu oder gehe dort spazieren. Ich kann doch bei vielen Leuten den geforderten Mindestabstand von zwei Metern gar nicht einhalten...“ Auch wenn Möhnesee eine beliebte Tourismus-Gegend sei, gehe zurzeit die Gesundheit eindeutig vor. Wagner: „Deshalb ist auch der deutliche Appell an die Ausflügler aus der Region, auch an die Möhneseer: Bleiben Sie bitte möglichst zuhause, halten Sie Abstand!“

Der Seepark ist bei gutem Wetter nach wie vor ein beliebtes Ausflugsziel – für Familien und Touristen.

Schon am Samstag hatten viele Gäste vor allem von außerhalb das gute Wetter für einen Trip an den See genutzt. Wobei das Wort „Gast“ gar nicht gut passen will, denn alles hat geschlossen wegen der Ansteckungsgefahren, so sieht es auch Günter Wagner. „Wir werden als Kommune die Dinge genau beobachten“, sagt er zur Frage von Sperrungen. Polizei und Ordnungsämter hätten überall kontrolliert, Verstöße hätte es kreisweit knapp 50 gegeben. „Wir werden je nach aktueller Lage kurzfristig entscheiden, bis dahin bleibt es bei den bekannten Kontaktbeschränkungen.“

Coronavirus im Kreis Soest: "Wir haben das im Blick"

Die Runde um den See zeigte am Samstag: Es war nirgends „überlaufen“, aber es waren viele Menschen unterwegs. So berichtet Peter Zurawski aus Möhnesee von seinem Besuch an der Sperrmauer: „Ich war am Samstagnachmittag mit meiner Frau dort unterwegs, um vier Uhr am Nachmittag. Sehr viele Spaziergänger hielten keinen Mindestabstand, und auch sehr viele Radfahrer fuhren nur zwanzig, dreißig Zentimeter an einem vorbei – obwohl das Radfahren auf der Sperrmauer gar nicht gestattet ist.“ Zurawski fragt: „Will denn in Corona-Zeiten niemand etwas dagegen unternehmen?“ Wagner antwortet: „Es wird kontrolliert. Wir haben das im Blick, und wir werden eingreifen, wenn das nötig ist – die Gesundheit der Menschen geht vor.“

Der Möhnesee-Turm soll weiterhin geöffnet bleiben.

Ein gefährlicher Viren-Umschlagplatz könnte auch der Möhnesee-Turm im Wald am Südufer sein: Zwar mahnt ein Schild am Zugang zur besonderen Achtsamkeit in Corona-Zeiten, aber in der Praxis marschierten dann doch zu viele auf einmal die Treppe hoch, und da ist es ohnehin schwierig, zwei Meter Abstand zu halten. 

Auch ohne Sperrungen: Zunächst hängt alles an der Einsicht und Rücksichtnahme der Menschen an Möhnesees beliebtesten Ausflugszielen und Treffpunkten.

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