Gymnasiasten untersuchen Folgen des Klimawandels auf den Möhnesee

Möhnesee-Tiefstand inspiriert Schüler zu Höchstleistung

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Das Niedrigwasser von 2018 schrieb Geschichte – und zwei Schüler schrieben nun dazu einen langen Forschungsbericht, mit dem sie jetzt an „Jugend forscht“ teilnehmen.

Möhnesee/Soest –Hängt das Niedrigwasser des Möhnesee von 2018 mit dem Klimawandel zusammen? Zwei Gymnasiasten haben sich im Rahmen einer Projektarbeit eingehend damit beschäftigt - und kommen zu einem eindeutigen Ergebnis.

Irgendwo daheim bei Oliver Wendt und Finn Kortenbusch liegen jetzt noch jede Menge Heißklebestifte in allen möglichen Farben herum – außer in Blau. Mehrere gemischtfarbige Packungen mussten sie kaufen, um auch blaue Stifte zu bekommen. Denn die brauchten sie, um damit die Wasseroberfläche des Möhnesees für ihr Modell zu gestalten: „Wir haben mit verschiedenen Materialien experimentiert, aber mit den Heißklebestiften klappte es am besten.“

Die beiden Schüler des Conrad-von-Soest-Gymnasiums nehmen die feste und starre Plastik-Oberfläche des Sees ab, und schon blickt man in einen komplett leeren Schlund, ausgekleidet mit einer wasserdichten dunklen Folie. Er ist so maßstabgetreu wie möglich dem echten Gewässer nachempfunden: An einigen Stellen ist er tiefer als an anderen.

Ökosystem konnte sich erholen

Nun dreht Finn Kortenbusch einen Hahn auf. Langsam füllt sich der See mit echtem Wasser. Jederzeit kann er Flüssigkeit zu- oder ablassen, um unterschiedliche Füllstände zu zeigen. Man sieht somit direkt, wo der See bei Niedrigwasser zuerst trocken läuft – so wie es vor allem Ende 2018 der Fall war.

Die beiden Schüler haben sich im Rahmen eines Biologie-Projektkurses umfassend mit dem Niedrigwasser befasst, blicken dabei aber auch weit über den Tellerrand, oder vielmehr den Haarstrang hinaus: Sie haben erforscht, in wieweit solche Phänomene mit dem Klimawandel zusammenhängen. Kurz gefasst: „2018 war kein verheerendes Ereignis, weil sich das Ökosystem erholen konnte“, so Finn Kortenbusch. Dennoch: „Der Klimawandel ist da.“

Es ist ein Modell und es sieht gut aus – und seine Attraktivität wird sich in den kommenden Tagen noch steigern. Denn Oliver Wendt (links) und Finn Kortenbusch werden bis Mittwoch, wenn sie damit bei „Jugend forscht“ antreten, den Rahmen noch mit Fotos bekleben, die das Niedrigwasser von 2018 dokumentieren. Ihr Lehrer Ulrich Dellbrügger ist stolz auf den Einsatz seiner Schüler.

Biolehrer Ulrich Dellbrügger, der das Projekt begleitet, ist voll des Lobes: „Ich finde es deswegen höchst spannend, weil es eine globale Fragestellung anpackt, deren Auswirkungen wir auch hier erleben können. Der Klimawandel ist vor Ort sichtbar, wir können ihn einfach nicht leugnen. Von daher war ich hellauf begeistert, als die beiden vorschlugen, dieses Beispiel zu nehmen, das alle im Kreis Soest miterlebt haben.“

Für ihre Untersuchungen griffen die Schüler auf Messergebnisse und Informationen des Ruhrverbands sowie der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest (ABU) zurück, stellten eigene Untersuchungen an und die Ergebnisse grafisch dar. Vergleiche zwischen den vergangenen beiden Jahren zeigten: Zum Jahresende sackten die Stände zwar vergleichbar ab, aber im vergangenen Jahr nicht ganz so drastisch wie in dem zuvor. Eine wesentliche Frage bestand darin, ob die Tiefstände ökologische Schäden hinterließen. Oliver Wendt: „Wir haben aber unter anderem durch unsere eigenen Wasseranalysen sowohl an der Heve wie ihrem Nebenfluss, der Großen Schmalenau, wie an der Möhne selber festgestellt, dass dort zumindest kurzfristig keine großen Einbußen bei der Wasserqualität zu verzeichnen waren – was uns überrascht, aber auch beruhigt hat.“

Imposante Eindrücke: Der (fast) leere Möhnesee aus der Luft

Irreversible Schäden habe es nicht gegeben, auch wenn bei den Fischen und den Muscheln die Bestände zeitweise stark zurückgegangen seien. „Es hätte aber durchaus zu einem großen Fischsterben kommen können, wie es im Aasee bei Münster geschah, hätte der Ruhrverband nicht durch eine Tiefenbelüftung vor der Staumauer eingegriffen. Dadurch hat sich allerdings der ganze Fischbestand dort gesammelt, wodurch die Raubfische es sehr viel einfacher haben, Beute zu machen.“

Auswirkungen des Jetstreams

Durch das Muschelsterben im Uferbereich habe sich das Ökosystem einerseits erholt, da eine Muschelart sehr invasiv die anderen verdrängt, „aber zugleich leisten sie eine sehr hohe Filtrierleistung des Wassers. Dennoch konnten wir hier keine Beeinträchtigung feststellen.“

Und was hat nun der Klimawandel damit zu tun? Hier wird es kompliziert. Oliver Wendt sieht darin eine Auswirkung der Veränderung des Jetstreams: „Er wurde aufgrund der Erderwärmung abgeschwächt, weshalb die Wetterbedingungen nicht wie üblich weitergertragen wurden.“ Dadurch komme es weltweit zu Wetterextremen.

Mit ihrem Projekt treten die Schüler am kommenden Mittwoch auf der Regionalebene des Wettbewerbs „Jugend forscht“ an, und gerade ihr aufwendiges Modell dürfte ihnen dort Bonuspunkte bringen, „denn es hilft, die Sache zu veranschaulichen“, meint Finn Kortenbusch. Von Vorteil ist es da sicher auch, dass es vorwiegend aus Recycling-Material wie alten Paletten besteht. Zugleich achteten die beiden darauf, dass sie es so zerlegen können, dass es transportabel ist. Nach der Teilnahme am Wettbewerb soll es eine Weile im Ruhrverband ausgestellt werden. Die Schüler hoffen, dass das Modell danach dauerhaft im Landschaftsinformationszentrum einen Platz findet.

Ihren Projektbericht haben sie in zwei Fassungen aufgesetzt: Eine Kurzfassung für den Wettbewerb, und die ausführliche auf 60 Seiten und einem noch einmal ungefähr gleichlangen Anhang. Möglicherweise stellt die Schule den Bericht noch öffentlich auf ihrer Homepage zur Verfügung.

Das Fazit der beiden jugendlichen Forscher

Hier ein Auszug aus ihrem Bericht:

„Falls es zu einem wiederholten Rückgang des Wasserkörpers oder einer Intensivierung der meteorologischen Gegebenheiten kommen sollte, können langfristig irreversible Schäden am Ökosystem entstehen. Demnach könnte es zu einer Gefährdung von Menschen und Tieren kommen, welcher vorgebeugt werden muss. Der Erhaltung dieses einzigartigen Ökosystems muss unbedingt höchste Priorität gewidmet werden. Dabei kommt dem Ruhrverband eine tragende Rolle zu, welcher sich in der Bewirtschaftung der Talsperren und Bewahrung der Lebensgemeinschaften und Lebensräume bereits vielfach bewährt hat und in Zukunft diese Aufgabe weiterhin wahrnehmen wird. Doch nicht nur der Ruhrverband, sondern wir alle müssen uns unserer Verantwortung gegenüber unserem einzigartigen und facettenreichen Lebensraum, der Erde, bewusst werden und sind dazu verpflichtet, unseren Teil zur Erhaltung der Schönheit und Vielfalt des Planeten beizutragen.“

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