Coffee to go: Gastronomen am Möhnesee erörtern Pfandsystem

+
„Pfandbecher für Möhnesee“ steht auf dem T-Shirt von Sonja Hengsbach (links): Jetzt stellte sie ihre Mehrweg-Idee im Ratssaal heimischen Gastronomen und Bürgermeister Hans Dicke vor.

Möhnesee - Wer im nächsten Jahr einen „Coffee to go“ am Möhnesee trinkt, soll sich einen Mehrwegbecher kaufen. Doch das umweltfreundliche Modell aus Keramik ist ziemlich teuer. Nun geht die Diskussion los, ob nicht ein  Plastikbecher reicht. Initiiert wurde das Thema von Sonja Hengsbach.

Wer künftig am Möhnesee einen Kaffee für unterwegs kauft, bekommt den in einem formschönen Becher aus Keramik. Ein schönes Möhnesee-Motiv und ein Gemeindelogo zieren den Becher, der von den Besuchern gegen einen Pfand von fünf Euro erworben werden muss. Geht der Kaffee zur Neige, lockt schon das Hinweisschild eines der vielen Lokale, die beim Mehrweg-System mitmachen. 

Da geht die Tasse dann zurück – und der Kunde bekommt sein Pfandgeld ausgezahlt. „Ich finde es in der heutigen Zeit – wo so viel über Klimaschutz und Vermeidung von Abfall gesprochen wird – ganz selbstverständlich, dass wir auch hier am Möhnesee ein Zeichen setzen“, sagt die Günnerin. 

Weil die resolute Dame nicht so schnell locker lässt, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, hat sie jetzt über Monate recherchiert und verglichen, Kontakte gesucht und schließlich ein Konzept erstellt. Eben dieses Konzept stellte sie jetzt den Möhnesee-Gastronomen im Ratssaal in Körbecke vor. Mit einer ganzen Palette von Vorteilen sahen die sich konfrontiert: Der Keramikbecher schließe im Gegensatz zur Plastikvarinate jede Gesundheitsgefährdung aus; die Modelle seinen spülmaschinenfest, von der Höhe her ideal für die Maschinen und nicht zuletzt wegen eines schönen Motivs eine tolle Werbung für die Gemeinde; und weil es für das Projekt eine LEADER-Förderung geben könnte, seien die Anschaffungskosten für die ersten Becher überaus moderat, gleichzeitig werde eine Lagermöglichkeit für Becher und eine Hotline für Nachbestellungen garantiert. 

Bürgermeister Hans Dicke legte in seiner Einführung die Marschrichtung der Gemeinde offen, meinte: „Wo wir als Gemeinde das Sagen haben, wünschen wir uns schon seit vielen Jahren, dass auf Einweg verzichtet wird. Und dieser Wunsch ist eigentlich ein Gebot.“ Von solch einem Gebot auch bei den Kaffeebechern für unterwegs wollte Dicke aber nichts wissen. „Da hoffen wir auf Ihr Verständnis, denn irgendwer muss ja irgendwo anfangen“, meinte er in Richtung der anwesenden (und auch abwesenden) Gastronomen. 

Die Anwesenden nahmen die Idee von Sonja Hengsbach positiv auf. Zunächst. Dann aber äußerten sie auch Bedenken. So wie Rocco Pietrovicci. Der meinte: „Ich weiß nicht, ob Kunden bereit sind, fünf Euro für einen Becher zu bezahlen. Und was passiert, wenn meine Becher ausgehen?“ Auch Anja Hermann vom Kiosk Körbecke hatte Bedenken: „Was passiert, wenn die Tassen beschädigt sind, dann haben wir die Diskussion mit den Kunden, die sie trotzdem zurückgeben wollen.“ Zudem sei der geplante Gummiring beim Spülen in der Maschine schwer zu handhaben. Und nicht zuletzt sei es eine Herausforderung, sämtliche Mitarbeiter auf das neue System einzuschwören. 

Faruk Fejzaj von der Pfeffermühle hätte bei Großveranstaltungen keine Bedenken wegen des hohen Pfandbetrags. „Die Idee ist super. Aber bei einem Pfandsystem mit diesem Preis für den täglichen Betrieb tue ich mich schwer.“ Wenn etwa ein Handwerker mal eben einen Kaffee wolle, dann sei er womöglich nicht bereit, einen Pfandbetrag in dieser Höhe zu bezahlen. 

Adolf Schulte vom Gasthof Schulte in Theinigsen sieht die Idee grundsätzlich positiv, wünscht sich aber einen umfassenderen Ansatz: „Wenn in der EU ab 2021 sowieso viele Einwegverpackungen verboten werden, dann müssen wir doch auch über Pappteller und Plastikbesteck nachdenken.“ 

Vera van Sloten von der Tourist-Info plädierte für ein Modell, bei dem möglichst viele heimische Gastronomen mitmachen: „Wir müssen eine gute Abdeckung rund um den See hinbekommen, damit das für die Kunden attraktiv wird.“ Offen blieb am Ende, ob denn nun eine teure, dafür aber überaus werbewirksame Insellösung nur für die Gemeinde Möhnesee ein guter Weg wäre – oder womöglich doch eine günstigere Plastik-Variante, die dann auch im Verbund mit anderen Städten und Gemeinden umsetzbar wäre. 

LEADER-Managerin Dr. Christina Steinbicker betonte, dass nur eine nachhaltige Lösung, bei der viele Mitwirkende mit Engagement am Start seien, eine gute Chance auf die Förderung mit EU-Mitteln habe. „Ob das aber mit Keramik nur hier am See ist oder als Plastikvariante in einem größeren Umfeld, das hängt ganz von den Akteuren vor Ort ab.“ Wie es nun weiter geht? In den nächsten Woche wird Sonja Hengsbach noch viele Gespräche mit vielen Gastronomen rund um den See führen. Ergibt sich ein gemeinsames Meinungsbild, dann wird sie einen Antrag zur LEADER-Förderung einreichen. Und dann könnten schon im nächsten Jahr überquellende Mülleimer mit hunderten Wegwerfbechern ein Bild aus der Vergangenheit sein.

Weitere Informationen gibt es bei Vera van Sloten, Tel. 02924/981 391.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare