Rundgang mit Obstbauer Christoph Abel

Apfelernte läuft auf Hochtouren

Christoph Abel inmitteln seiner Obstplantage zum Selberpflücken in Körbecke. Dort pflanzte er 1991 die ersten Reihen Elstar.
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Christoph Abel inmitteln seiner Obstplantage zum Selberpflücken in Körbecke. Dort pflanzte er 1991 die ersten Reihen Elstar.

Auf den Plantagen von Obstbauer Christoph Abel herrscht Hochbetrieb: Es ist Erntezeit für viele der knackigen Apfel- und Birnensorten. Die golden-rötlichen Äpfel strahlen mit der Sonne um die Wette, als wir zum Spaziergang durch die Plantage aufbrechen.

Möhnesee - Der Weg führt uns zunächst zur Plantage für Selbstpflücker in Körbecke, die von Ende August bis Mitte / Ende Oktober täglich von 14 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet ist.

1991 pflanzte Abel dort die ersten vier Reihen Elstar-Apfelbäume, das war der Grundstock der Plantage –- drei Jahre später konnten die ersten Selbstpflücker begrüßt werden. „Damals war ich mit diesem Angebot noch ein Exot und wurde von vielen belächelt. Denn die traditionellen Obstanbauflächen befinden sich im Rheinland“, erzählt Christoph Abel.

Heute verfügt sein Betrieb über 16 Hektar Obstbaumplantagen und neun Hektar Obstbaumschule. Ganz bewusst hat der Obstbauer auf verschiedene Standorte der Obstplantagen in der Gemeinde gesetzt: Seine Plantagen gibt es in Büecke, Wamel, Delecke, Körbecke und Wippringsen. „Das Wetter kann hinter der Haar ganz anders sein. Hagelschauern oder Starkregen sind oft regional begrenzt“, sagt Abel, der so seine Gesamternte schützt.


Wetterbedingungen: Am Möhnesee ist das Klima anders als im Rheinland

Am Möhnesee und den Hängen der Haar herrschen oft andere Wetterbedingungen als etwa im Rheinland. „Wir sind meistens etwas später dran.“ Die Intensität der Ereignisse, etwa Starkregen, habe zugenommen in der letzten Zeit. „Das Wetter hat sich verändert. Im Schnitt sind wir mit der Ernte rund zehn Tage früher dran als noch vor zehn Jahren“, erklärt der Fachmann.

Abel ist mit der Apfelernte bis jetzt zufrieden – anders als in den Jahren zuvor musste in diesem Jahr wegen des vielen Regens nicht bewässert werden. Seit dem vergangenen Wochenende hat auch die Ernte des Apfels Elstar begonnen, die bis Ende Oktober geht. Für die Ernte beschäftigt Abel zahlreiche Saisonkräfte.

Der Obstbauer verkauft Frühsorten wie Delbarestivale und Alkmene, Barbarossa und Rubinette, Jona Gold, Elstar, Boskoop, Topaz und mehr. Weil man einige Äpfel – wie zum Beispiel den Elstar – gut lagern könne, gibt es in Abels Hofladen von September bis zum Frühjahr des Folgejahres durchlaufend Äpfel zu kaufen. „Gute Äpfel kann man auch gut lagern“, sagt Abel. Er verfügt über mehrere Kühlhallen, in denen die Äpfel unter Entzug von Sauerstoff lagern. Sein Tipp an die Verbraucher, die Äpfel einlagern wollen: Äpfel vorsichtig in einer Kiste stapeln, eine Plastikfolie darum ziehen und diese mehrmals einstechen. Äpfel kühl lagern.

Wir wandern durch die vielen Reihen von Obstbäumen mit Hoch- und Halbstamm, manche Apfelbäume hängen prall voll, andere sind so gut wie leer. „Ein Baum bringt nur etwa jedes zweite Jahr Vollertrag, vor allem, wenn er im Vorjahr gut getragen hat“, erklärt Abel.

Abel baut 16 Apfelsorten an. Weil die Äpfel zu verschiedenen Zeiten reif werden, hat er in seinem Hofladen fast immer vier bis fünf Sorten im Verkauf. Im Trend seiner Kunden liegen die Apfelsorten Elstar und Topaz, der Elstar, auch ein sehr guter Lagerapfel, wird auch von Abel selber gerne gegessen. Auch Hund Bruno, der beim Spaziergang dabei ist, hat ein Faible für das süß-säuerliche Obst und frisst gerne auch mal einen Apfel.

Weil ein Apfelbaum nur etwa 18 bis 20 Jahre alt wird, muss Abel laufend neue Bäume anpflanzen. Und auch in der Welt der Äpfel und Birnen gibt es Trends und Hipes: „Der Apfel Jona Gold zum Beispiel wird immer weniger nachgefragt und von anderen Sorten verdrängt“, weiß Abel. Auch die neue Apfelsorte Wellant aus Holland könnte den Elstar verdrängen. „Er hat ihm schon etwas den Rang abgelaufen“, meint Abel. So sei zum Beispiel auch der Golden Delicious verdrängt worden.

Abel sagt, dass manche Apfelsorten immer früher auf den Markt gebracht würden, obwohl sie zum Teil noch gar nicht reif seien. „Dadurch schmeckt er natürlich auch nicht so gut und wird weniger gekauft.“

Den Reifegrad seiner Äpfel überprüft Abel regelmäßig. Auch bei unserem Spaziergang. Er pflückt eine der Früchte, schneidet sie auf und schaut sich die Kerne ganz genau an. Fangen sie an, braun zu werden, sind sie reif. Der Zuckergehalt der Früchte wird mithilfe eines Refaktometers gemessen.

Zum Selbstpflücken kommen heutzutage gerne Familien, die ihren Kindern zeigen wollen, wo und wie heimische Früchte wachsen. „Große Mengen etwa zum Einmachen werden immer weniger verkauft“, erklärt Abel. Manche Kunden kommen einmal die Woche, um sich mit frischem Obst direkt vom Baum zu versorgen und sich so bewusst regional zu ernähren.

Die Qualität seiner Produkte wird regelmäßig alle drei Jahre von außen überprüft, denn der Betrieb ist dem Landesverband Obstbau Westfalen-Lippe angeschlossen.

Wer meint, im Winter könne der Obstbauer sich zurücklehnen und die Füße hochlegen, irrt. Denn von Dezember bis Februar werden die Bäume beschnitten. Das schafft Christoph Abel nicht allein, ein ganzes Team ist unterwegs, beschneidet die Bäume, damit sie in der kommenden Saison wieder kräftig sind und gesunde Früchte tragen.

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