Verdacht der Urkundenfälschung

Razzia im Kreis Soest: Bundespolizei hebt Pass-Fälscherring aus

Razzia im Kreis Soest: Bundespolizei hebt Pass-Fälscherring aus
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Razzia im Kreis Soest: Bundespolizei hebt Pass-Fälscherring aus

Möhnesee - Die Bundespolizei hat bei einer Razzia am frühen Mittwochmorgen einen Fälscherring ausgehoben. Neben den Städten Berlin, Essen, Stralsund und sogar Athen kam es auch in der Gemeinde Möhnesee zu einer Durchsuchung. 

Im Fokus der Ermittler stand eine Bande von Fälschern und Schleusern in vier Bundesländern. Im Auftrag der Staatsanwaltschaften Berlin und Leipzig durchsuchte die Bundespolizei mehrere Wohn- und Geschäftsräume wegen Verdachts auf Urkundenfälschung - auch am Möhnesee.

Den Drahtzieher konnten die Einsatzkräfte in Berlin festnehmen. Ersten Informationen zufolge handelt es sich um einen Libanesen, der vor ein paar Jahren nach Deutschland gekommen ist. Der Vorwurf: Er soll sich gefälschte Dokumente über Griechenland herstellen sowie liefern lassen und diese dann an Migranten verkauft haben, die sich illegal in Deutschland aufhalten.

Möhneseer soll bestellt haben

Im Westen von Möhnesee-Körbecke kam es gegen 6 Uhr zur Untersuchung der Wohnung eines Möhneseers türkischer Herkunft. Er wurde für die Dauer der Maßnahme festgenommen, anschließend aber wieder frei gelassen.

Wie Polizeihauptkommissar Maik Fischer, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung in Halle, auf Anzeiger-Anfrage bestätigte, soll er unter anderem einen Führerschein bei dem Fälscherring bestellt haben.

Gut 267 Polizisten kamen zum Einsatz.

Die Wohnung wurde mit etwa einem Dutzend Bundespolizisten gestürmt. Die Spezialeinheit trug Augenzeugen zufolge mehrere Aktenordner aus dem Haus.

Die Kontakte des Hauptbeschuldigten aus der Hauptstadt, der jetzt dem Haftrichter vorgeführt wird, sollen bis nach Athen gereicht haben. Daher koordinierte Europol (Polizeibehörde der Europäischen Union) den zeitgleichen Zugriff griechischer Polizeibehörden in der ermittelten Fälscherwerkstatt.

Ausgangspunkt der Ermittlungen

Der Bundespolizei lagen Erkenntnisse vor, dass ge- und verfälschte Dokumente nach Deutschland geschmuggelt werden, "um den illegalen Aufenthalt von Drittstaatlern in der Bundesrepublik zu scheinlegalisieren". Bei den Dokumenten handelte es sich um europäische Identitätsdokumente und Führerscheine. Damit wurde über die Staatsangehörigkeit beziehungsweise über das Vorhandensein einer Fahrerlaubnis getäuscht, heißt es in einer Mitteilung. 

Die Dokumente wurden in mindestens vier Fällen zum Einschleusen von Personen nach Deutschland und ins europäische Ausland benutzt. Bei intensiven Ermittlungen wurden die Verantwortlichen identifiziert und es konnte die Fälscherwerkstatt in Athen lokalisiert werden.

Die Bundespolizei und Europol haben am Mittwochmorgen vier Personen festgenommen.

Nach ersten Hinweisen auf die Tätergruppe und einem Bezug nach Griechenland erfolgte über Europol der Erkenntnisaustausch mit der griechischen Polizeibehörde "Aliens Division of Attica". In enger Zusammenarbeit zwischen Europol und der Bundespolizei wurden die erforderlichen Maßnahmen in Deutschland und Griechenland abgestimmt.

In den frühen Morgenstunden wurden ein Untersuchungshaftbefehl und insgesamt elf Durchsuchungsbeschlüsse in Berlin, Essen, Stralsund, Altenbeken (NRW), Genthin und eben Möhnesee vollstreckt. Zeitgleich durchsuchten griechische Behörden mehrere Objekte in Athen. Dabei konnten gefälschte Dokumente aufgefunden werden.

Elf Beschuldigte

Der Untersuchungshaftbefehl richtete sich gegen eine männliche Person ungeklärter Staatsangehörigkeit libanesischer Herkunft in Berlin. Die Person konnte angetroffen und festgenommen werden. Aufgrund der engen Beziehungen ins Ausland bestehe gegen die Person der begründete Verdacht der Fluchtgefahr.

Die Durchsuchungsbeschlüsse richteten sich gegen mehrere Beschuldigte, die am Handel mit den Dokumenten beteiligt waren. Sie zielen darauf ab, die Herkunft der Fake-Dokumente zu ermitteln, die Bestellwege aufzudecken und organisierte Flugschleusungen nachzuweisen.

Dazu wurden Smartphones, Notebooks, externe Speichermedien und Schriftstücke sichergestellt. Es konnten verschiedene ge- und verfälschte Dokumente aufgefunden und beschlagnahmt werden. Die Herkunft der Dokumente ist Gegenstand der weiteren Ermittlungen. Die Beweismittel müssen im weiteren Verfahren ausgewertet werden.

Ermittlungsverfahren in Berlin

In einer Wohnung in Berlin wurden darüber hinaus noch drei Personen vietnamesischer Staatsangehörigkeit angetroffen, die sich illegal in Deutschland aufhalten. Insgesamt kamen bei den Maßnahmen 267 Einsatzkräfte der Bundespolizei zum Einsatz.

Das laufende Ermittlungsverfahren wird von der Staatsanwaltschaft Berlin geführt. Das Verfahren ist von enger, vertrauensvoller und professioneller Zusammenarbeit zwischen der Bundespolizei und Europol sowie zwischen der Bundespolizei und der Staatsanwaltschaft Berlin geprägt.

Fischer: "Die Feststellung ge- und verfälschter Dokumente stellt einen Schwerpunkt in der täglichen Arbeit der Bundespolizei dar. Die Nutzung solcher Dokumente zur irregulären Migration nach Deutschland und ins europäische Ausland floriert. Durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung weltweit, wird der Zugang Krimineller zu solchen Dokumenten erleichtert." 

Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit der europäischen Staaten unter der Koordination des "European Migrant Smuggling Center" von Europol mache es möglich, dem Phänomen grenzüberschreitend wirksam begegnen zu können, "wie heute beispielgebend gezeigt werden konnte".

Erst im März vergangenen Jahres gab es im Kreis Soest einen Großeinsatz aufgrund von Haftbefehlen zur Abschiebung.

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