Beschwerdeliste lang

Bürgerstammtisch am Möhnesee: Partys, Parken und Lärm nerven Anwohner

In einem Stall auf dem Hof Eickhoff fand der erste Bürger-Stammtisch statt, zu dem Bürgermeisterin Maria Moritz (rechts am Tisch) eingeladen hatte. Weitere Interessierte schauten bei leichtem Nieselregen vom Hof aus durch die Stalltüre zu.
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In einem Stall auf dem Hof Eickhoff fand der erste Bürger-Stammtisch statt, zu dem Bürgermeisterin Maria Moritz (rechts am Tisch) eingeladen hatte. Weitere Interessierte schauten bei leichtem Nieselregen vom Hof aus durch die Stalltüre zu.

Partys Parken und Lärm nerven Anwohner am Möhnesee. Beim Bürgerstammtisch jedenfalls war die Beschwerdeliste lang. Bürgermeisterin Maria Moritz will zur Lösung der Probleme ein will Gesamtkonzept.

Körbecke - Am schönsten ist es, wenn es regnet am Wochenende“, sagte schließlich jemand in der Runde. Bis dahin hatten die knapp 40 Gäste schon ordentlich Dampf abgelassen: Es sei zu laut im Ort, eine „Katzenkirmes“ nach der anderen gebe es an der Seetreppe. Die Leute, die da spätabends noch feiern, sie würden immer dreister, und es sei auch nicht die Klientel, die man gerne im Ort haben wolle.

Die Liste an Beschwerden war lang, die Bürgermeisterin Maria Moritz am Montagabend (21. März) notierte beim ersten Bürgerstammtisch für alle – eigentlich zum Thema Parken in den Seitenstraßen. Aber es wurde eine Generalabrechnung mit Politik und Verwaltung. Von den Teilnehmern der Runde mochte niemand verstehen, warum der Rat die Einführung eines Park-Leit-Systems abgelehnt hat, warum das Ordnungsamt das Personal nicht aufstocken darf – und warum die Polizei nicht häufiger konsequent kontrolliert, „am besten mal mit einer halben Hundertschaft“, denn damit ließen sich Krachschläger und Tuning-Freunde wirksamer vertreiben als mit unbewaffneten Doppelstreifen vom Ordnungsamt, „die dann doch nur im Auto sitzen bleiben, weil sie Sorge haben müssen, was auf die Nase zu bekommen.“

Bürgerstammtisch: Seepark um 22 dicht machen

Es sei allerhöchste Zeit, im Seepark mal aufzuräumen, und es sei Zeit, dort und an der Seetreppe abends um 22 Uhr dichtzumachen. Anderswo sei das doch auch problemlos möglich. „Die Leute wollen und sollen sich hier erholen“, sagte ein Seepark-Anwohner. „Das ist aber mit dem ganzen Party-Volk und den Ghetto-Blastern und Grills überhaupt nicht möglich. Die Leute hauen wieder ab und lassen kein Geld hier. Dafür haben wir jede Menge mitgebrachten Müll von diesen Feier-Meiern. Und den darf unser Bauhof dann wegmachen, dafür müssen Mitarbeiter auch am Wochenende raus zur Extra-Schicht.“

Jemand anderes klinkte sich ein: „Für diese Partys den ganzen Tag und bis spät in die Nacht war die Seetreppe nicht geplant. Dort läuft gehörig was aus dem Ruder, und dieses Party, Party, das hört man überall, das liest man auch im Netz, da müssen wir gegensteuern. Dieser Klientel müssen wir den Zugang verwehren.“ Ein Dritter ergänzte: „Das Brückenfest ist ja schon eine Belastung für das Dorf. Aber jede Woche irgendeine Katzenkirmes an der Seetreppe – muss das sein? Da bleibt nichts hängen für die Gastronomie, da hat niemand was von: Die Leute kommen, parken alles zu, müllen alles zu – und sind wieder weg.“

Das Parken nervt die Anwohner ebenso: „Die Leute wollen am liebsten direkt in den See fahren“, lautete die einhellige Kritik an rücksichtslosen Besuchern: „Die haben das Auto voll beladen, die wollen keinen Meter schleppen.“ Die Forderung: Es müsse konsequent abgeschleppt werden, und davon ab sei es an der Zeit für ein stimmiges Gesamtkonzept, das den Verkehr frühzeitig vom See fernhält, auf freie Parkplätze verweist und all diejenigen spürbar abstraft, die sich nicht an Regeln halten.

Es könne nicht sein, dass man als Anwohner nicht mehr aus der eigenen Haustüre könne, weil Fremde alles zugeparkt hätten und dann auch noch schnippisch würden: Fährenweg, Leopoldstraße, Linnenbrai, Kurköllner Straße, Sommerfeld, Brückenstraße und selbst die Hauptstraße seien betroffen. „Mit dem Rettungswagen, mit der Feuerwehr kommst du da nirgends mehr durch“, beschwerte sich jemand.

Bürgerstammtisch: Motorradgruppen laut

Jemand anderes wiederrum berichtete von Motorradgruppen mit bis zu 70 Fahrzeugen, die sich lautstark durch Nebenstraßen zwängen. Der Grund: Der Kurs um die Möhne sei bei Google falsch beschrieben, und jedes Navi halte sich dran. Beschwerde aus dem „Schlaan“ und anderen Straßen außerhalb des Ortskerns: Wohnmobile und Campingbusse parken dort alles zu.

„Da geht abends die Post ab, und geh‘ mal hin als genervter Anwohner und beschwer‘ dich, da bekommst du aber ganz komische Antworten“, erzählte jemand: „Ich sage schon nichts mehr, man weiß ja wie die Leute reagieren.“

„Eine erschreckende Bilanz. Es muss sich jetzt was tun“, fasste jemand zusammen. Der Notizblock der Bürgermeisterin war voll – wobei die meisten Probleme sattsam bekannt sind: „Hausgemachte Probleme, da haben Politik und Verwaltung gepennt“, der Vorwurf kam mehr als einmal aus der Runde der Teilnehmer.

„Es sind viele alte Probleme, die immer noch ungelöst sind, das weiß ich aus eigener Erfahrung“, sagte Bürgermeisterin Maria Moritz dazu: „Wir sind dankbar für Kritik und Anregungen, und wir werden uns im Rathaus jetzt daran machen, Punkt für Punkt meine vielen Notizen durchzuarbeiten. Wir müssen schauen, dass wir eine gute Lösung für die Tagestouristen hinbekommen, um die geht es ja hauptsächlich. Hier brauchen wir Lösungen zur Verkehrslenkung und zum Parken. Wir nehmen den Vorschlag auf, Parkflächen einzuzeichnen, das besonders auszuschildern, vielleicht sehen die Leute dann besser, wo man parken kann, wo nicht. Im Daiwesweg können wir damit starten und dann weitere Straßen prüfen – das ist erst einmal ein Test. Ansonsten bleibt es, wie ich es schon angekündigt habe: Wir brauchen ein Gesamt-Entwicklungskonzept, das Verkehr, Wohnen, Touristik und Industrie berücksichtigt – da arbeite ich dran. Es geht um die Frage, wo wir in 20 Jahren stehen wollen, wo die Reise hingehen soll.“

Bürgerstammtisch: Verwaltung will Verkehrszählung

Zum Verkehrsaufkommen laufe noch die Untersuchung der Fachhochschule aus Dortmund. „Wir haben jetzt eine Ausarbeitung der Studenten vorliegen, die ist aber nur für den internen Gebrauch, gibt aber schon einmal Hinweise zu bestimmten Bereichen. Mehr dazu erfahren wir später, die Zusammenarbeit mit der Uni ist ja noch im Gange. Und wir wollen noch eine eigene Verkehrszählung organisieren. Laute Motorräder, auch das habe ich noch auf der Liste, da sind wir im Gespräch mit den Motorradfreunden Sauerland. Und die wollen in Stockum und in Delecke Info-Tage ausrichten, mit den Bikern ins Gespräch kommen. Das Thema Lärm-Displays werde ich auch aufgreifen. Ich bin da schon mit Leuten aus dem Naturpark Eiffel im Gespräch, die Erfahrungen zu den Kosten, zum Betrieb und zur Frage haben, ob die Leute vom Gas gehen, wenn sie sehen, wie laut sie sind. Ich werde da später noch mehr zu erzählen.“

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