Bürgerinitiativen bündeln Kräfte

Möhnesee ist den Krach leid: Runder Tisch soll Verkehrslärm beenden - Antrag im Rat

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Fast bis zum Haus Delecke parkten die Autos am vergangenen Wochenende – alles wollte zum Strandbad.

Möhnesee – Zwei Bürger-Gruppen machen weiter Druck auf den Kessel: Die Initiative „Verkehrsberuhigung“ um Alfred Glaremin und Andreas Rohe hat sich auf Vermittlung durch Maria Moritz zusammengesetzt mit der Initiative „Zukunft Möhnesee“ um Helmut Schulte und weitere Anwohner am Südufer.

Beide Initiativen wollen ihre Kräfte bündeln und haben jetzt einen Antrag an den Bürgermeister geschickt: Der soll für die nächste Ratssitzung am 20. August eine Abstimmung auf die Tagesordnung setzen, damit der Rat beschließt, einen runden Tisch zum Dauer-Aufreger Verkehrslärm und Sicherheit einzurichten – alle sollen dabei sein, die für die Gespräche wichtig sind: Gemeinde, Kreis, Straßen-NRW als Landesbetrieb, Fraktionen und eben die Bürger-Initiativen. Einzelaktionen und das ständige „Klein-Klein“ sollen damit künftig vermieden werden, und niemand muss dann alles doppelt und dreifach erklären. So zumindest die Idee hinter dem Antrag. 

„Na klar setze ich das auf die Tagesordnung“, erklärte Hans Dicke gestern auf Nachfrage: „Für einen runden Tisch habe ich durchaus Sympathien. Wir sind im Moment dabei, mit vielen Behördenvertretern nochmals Gespräche zu führen, um uns zur Problematik auszutauschen.“ Dicke weiter: „Die Landrätin hat ja auch bereits Unterstützung zugesagt. Nach den Vorgesprächen können wir dann über konkrete Möglichkeiten sprechen, und das könnte dann durchaus in größerem Rahmen sein.“ Ein runder Tisch soll genau dieser Rahmen sein, so stellen es sich die Initiativen vor, und sie wünschen sich, dass diese Runde auch nach den Kommunalwahlen und dem anstehenden Bürgermeister-Wechsel erhalten bleibt. Zeit ist noch: Hans Dicke ist offiziell bis zum 31. Oktober im Amt, und er wird auch den runden Tisch dann mit übergeben, davon ist fest auszugehen. Für Straßen-NRW hatte Oscar Santos schon vor Wochen gesagt: „Gespräche? Gerne – man muss uns nur einladen...“ 

Die Nerven lagen schon ein wenig blank bei Alfred Glaremin: „Keine Ausflüchte bitte, und keine Verschieberitis – der Verkehrslärm muss endlich aufhören, und wir müssen alle Leute jetzt einmal beim Wort nehmen, dass es Gespräche gibt.“ Der Bürgermeister habe schon vor der ersten Fahrrad-Demo Ende Juni Unterstützung zugesichert – seither rührte sich aber nichts. „Wir bringen uns deshalb mit unserem Antrag noch einmal deutlich in Erinnerung.“

 „Gemeinde muss organisieren“ 

Für Alfred Glaremin und Helmut Schulte steht fest: „Die Gemeinde muss als Schirmherr die Organisation des von uns geforderten Runden Tisches übernehmen – die Gemeinde hat die passenden Räumlichkeiten für solche Gespräche und auch die passenden Kontakte.“ Glaremin darf sich entspannt zurücklehnen: Hans Dicke war nach eigenen Worten in der Zwischenzeit nicht untätig. Die Initiative lädt auch zum Mitmachen ein, will ein Sprachrohr für alle sein, die am Möhnesee wohnen und ebenso für alle, die hier in Ruhe ihren Urlaub genießen wollen, „denn auch unsere Touristen werden vom Lärm gestört, wenn sie gemütlich auf den Terrassen sitzen und das eigene Wort nicht verstehen können“. 

250 Radfahrer am Möhnesee protestieren gegen Lärm und Raser

250 Radfahrer am Möhnesee protestieren gegen Lärm und Raser

Die Einrichtung eines runden Tisches würde wohl ein jahrelanges Gezerre und einen für viele unverständlichen Stillstand beenden. „Seit Jahren, wenn nicht sogar seit Jahrzehnten, ist Verkehrslärm ein Dauer-Aufreger am See und bei den Anwohnern bestimmter Straßen“, das hatte Bürgermeister Hans Dicke immer wieder betont. Ihm als Bürgermeister stehe aber nicht viel Entscheidungsspielraum zu: Der Kreis und das Land haben rund um den See das meiste Sagen über die Straßen. Seit Jahren habe er immer wieder versucht, Gesprächsrunden zu organisieren, „leider ohne Erfolg“, sagt Dicke zu Vorwürfen der Untätigkeit und des Weghörens. 

Die Berichte über die schnell wachsende Aktiven-Gruppe und bestimmt auch die Empörung der Leute im Netz, all das könnte mit dazu beigetragen haben, dass jetzt ein Silberstreif am Horizont erscheint: Die Entscheider sind gesprächsbereit – alle an einem runden Tisch, das könnte was werden...

Rückblick

Ende Juni hatten sich mehr als 200 Möhneseer aufs Rad gesetzt zu einer Verkehrsberuhigung der besonderen Art und tourten mit Polizeibegleitung auf der Straße rund um den See. Autos und Motorräder mussten wegen der Aktion runter vom Gas. 

„Wir machen weiter mit diesen Aktionen, denn noch macht der Verkehrslärm die Leute weiter krank, noch sind unsere Forderungen nach mehr Sicherheit für alle nicht von den wesentlichen Leuten durchdiskutiert, noch haben wir keine verlässlichen Beschlüsse oder verbindliche Anordnungen“, sagt Alfred Glaremin. „Wir haben das erste Wochenende nach den Sommerferien im Blick, fest ist dieser Termin aber noch nicht.“

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