Zwischen Stockum und Neuhaus

Bürger warnt vor fallenden Fichten: "Wenn ich das zu bestimmen hätte..."

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Umfaller am Straßenrand: Diese Fichte ist zum Glück in den Wald und nicht auf ein vorbeifahrendes Auto gekracht. Borkenkäfer haben den einst stattlichen Riesen saft- und kraftlos gebohrt. Alles verdorrte, der flache Wurzelteller konnte sich nicht im Erdreich halten. Alois Mühlenberg aus Neuhaus warnt, dass jederzeit morsche Fichten auf die Straße kippen könnten.

Möhnesee-Neuhaus – Mittwochvormittag in einer Kurve auf halber Strecke zwischen Stockum und Neuhaus: Eine schief stehende Fichte direkt am Straßenrand schwankt gehörig im Wind. „Man müsste dringend was unternehmen und mit Erntemaschinen hier ran an den Waldrand, bevor wirklich noch was passiert“, sagt Alois Mühlenberg.

„Das muss man sich einfach mal aus der Nähe ansehen, wie der Borkenkäfer überall in den Bäumen sitzt. Der steckt unter der Rinde, hat den Baum saft- und kraftlos gemacht. Alles braun und vertrocknet, wo man hinschaut, alles tot und morsch. Fichten wurzeln nicht tief in der Erde – sie haben einen flachen Teller an Wurzeln, die sich nach allen Seiten ausbreiten, aber eben nur dicht an der Oberfläche...“ 

Seine Sorge: Der nächste richtig kräftige Windstoß legt einen Baum oder gleich mehrere flach und lässt sie auf die Straße krachen. Nicht auszudenken, wenn dann Personen zu Schaden kommen. Mühlenberg: „War doch erst kürzlich in Dortmund, dass da so ein Ömmes umgekippt ist auf parkende Autos und Leute unter sich begraben hat!“ 

Bei der Gemeinde habe er schon im Herbst angerufen, die hätten ihm gesagt, man wolle das Forstamt informieren. Getan habe sich aber bislang nichts. „Wenn ich das zu bestimmen hätte, dann würde ich eher heute als morgen Harvester losschicken, die sollen die ganzen verseuchten Kiefern entlang der Straße kappen, dann sollen sie das gleich zusammenlegen und dann ab damit nach China – die sind doch im Moment ganz wild aufs Holz. Ist besser, als wenn Menschen erschlagen werden.“ 

Stürme und Käfer

Die Fichtenbestände haben schon durch das Sturmtief Kyrill und jüngst wieder durch „Friederike“ arg gelitten. Danach die Käferplage: „Die Fichten sind beliebt beim Borkenkäfer, da kommt er schön unter die Rinde und kann bohren und bohren“, erzählt Alois Mühlenberg und zeigt in die Runde: „An die Buchen mit ihrer dicken, glatten Rinde, da gehen die nicht dran – die bleiben voll im Saft, und dazwischen diese Flecken mit kleinen Fichten, das sind Selbstaussaaten von den Tannenzapfen. Da geht der Käfer auch nicht dran – ein bestimmtes Alter muss die Fichte haben, dann ist der Käfer nicht mehr zu halten...“

 Sein ganzes Leben wohne er jetzt in Neuhaus, werde bald 70 Jahre alt – so eine Plage habe er dort noch nie erlebt. Auch nicht, dass es so lebensgefährlich sei, den Weg nach Stockum und zurück zu fahren.

Das sagt die Försterin

Diana Göke ist zuständige Försterin und kann die Sorgen von Alois Mühlenberg verstehen. „Wir haben die Brisanz im Blick und wir können uns vor Arbeit kaum retten, das überrennt uns“, sagt sie. „Wir planen für Februar, März eine Holzernte-Maßnahme mit großen Geräten und mit Forstwirten mit Motorsägen – ganz so wie der besorgte Bürger das vorschlägt. Das wird eine große, aufwändige Maßnahme – wir haben mit Bedacht einen Zeitraum gewählt, wo weniger Touristen unterwegs sind.“ 

Zur Gefahrenlage erklärt Göke: „Grundsätzlich bieten die befallenen Fichten weniger Angriffsfläche für den Wind, weil sie keine Nadelmasse mehr haben. Das ist Physik, oder besser noch wie das Bild von einem Boot ohne Segel – da pfeift der Wind am Masten vorbei. Natürlich gibt es keine Garantie: Vereinzelt kann immer ein Baum fallen, auch ein gesunder, auch eine Buche. Es ist aber wohl keine Gefahr im Verzug, denn an sich sind die Bäume, die im vergangenen Jahr vom Borkenkäfer befallen wurden, noch nicht von innen faul und dürften noch stehen bleiben, bis im Februar oder März dann die Arbeiter anrücken.“

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