Bombenstimmung am Möhnesee: „Hier gibt's keine Schätze" 

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Diese Seemine tauchte kürzlich auf. Sie war ungefährlich und der Einsatz des Kampfmittelbeseitigungsdienstes vergebens, aber nicht umsonst.

Möhnesee - Immerhin hat das bisschen Niederschlag der vergangenen Tage dafür gesorgt, dass der See nicht mehr zum Spaziergang in den Stauraum einlädt. Und Ludger Harder vom Ruhrverband ist nicht der einzige, der hofft, dass möglichst schnell möglichst viel Wasser zu einem still ruhenden See führt.

„Das erhöhte Besucheraufkommen in den vergangenen Wochen hat für einige Unruhe gesorgt“, sagt der Betriebsleiter des Talsperrenbetriebs Nord, der beim besten Willen kein Verständnis für diejenigen aufbringen kann, die – teilweise sogar mit Metalldetektoren ausgerüstet – nach vermeintlichen Schätzen gesucht haben oder suchen wollen. 

Lebensgefährliche Situation im Stauraum

„Ich weiß nicht, wie oft wir auf die lebensgefährliche Situation hingewiesen haben“, wird Harder trotzdem nicht müde, immer wieder davor zu warnen, mit Kind und Kegel in den Stauraum zu laufen. Wer stecken bleibt, muss möglicherweise von der Feuerwehr gerettet werden. Wird ein großes Stück Metall gefunden, wird nicht selten der Kampfmittelbeseitigungsdienst auf den Plan gerufen.

„Gefährlich nur, wenn jemand danach gräbt"

 „Der Fund der beiden großen Seeminen hat mich schon gewundert“, sagt Harder, „ich weiß, dass nach den Aufräumarbeiten direkt nach dem Krieg 25 Stück vermisst wurden. Inzwischen müssten sie alle aufgetaucht sein.“ Die Suche danach lohne sich nicht. Im übrigen gehe von Munition, die seit Jahrzehnten unter Wasser liege, keine Gefahr aus: „Nur, wenn einer beim Graben darauf stößt.“

Entschärfte Munition

Statt nach alter Munition zu buddeln oder gar auf den Fund eines „Goldschatzes“ zu hoffen, sollten Möhnesee-Besucher ganz einfach den Anblick und die Natur genießen. Karl-Heinz Wilmes, Zeitzeuge, als ehemaliger Ortsvorsteher von Günne geschichtssicher und nicht nur auf die eigene Erinnerung angewiesen, sagt zu den Munitionsfunden: „Nach dem Krieg wurden Zeugenaussagen und zahlreiche Dokumente ausgewertet, um sicherzustellen, dass weder von deutscher noch von britischer Munition eine Gefahr für die Bevölkerung ausgehen kann. Sonst hätte man die Möhne doch gar nicht voll laufen lassen.“ 

Zeitzeuge war Flakhelfer

Auch sein Namesvetter Franz Wilmes macht sich keine Sorgen. Der inzwischen 90-Jährige war nach der Möhnesee-Katastrophe als Flakhelfer zunächst bei den Aufräumarbeiten im Einsatz und dann zum Schutz der Sperrmauer abkommandiert. „Das Loch in der Mauer war ja relativ schnell wieder geschlossen“, erinnert er sich. Mangelhafte Absicherung hatte es den englischen Fliegern möglich gemacht, die Staumauer zu treffen. Nach der Katastrophe herrschte höchste Sicherheitsstufe. 

Erfolgreiche Sicherung

Zwischen Nord- und Südufer waren hoch in der Luft und unter Wasser Netze gespannt, die das Tieffliegen und das Aufprallen von Bomben auf die Mauer verhindern sollten. Fesselballone, die an Seilen befestigt waren, künstlicher Nebel und Flakgeschütze sollten Angriffe abwehren. „Mit Erfolg. Es wurden nie wieder Angriffe geflogen. Das war aussichtslos“, erklärt Franz Wilmes. Ebenso aussichtslos ist auch die Suche nach wie auch immer gearteten „Schätzen“. Sämtliche Munition, die direkt nach dem Krieg am Möhnesee sicher gestellt wurde, wurde unbrauchbar gemacht. 

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