Bevor es „übergriffig“ wird: Konzept der Pfarrei Zum Guten Hirten gegen Missbrauch

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Wenn Erwachsene sich Kindern nähern, führen sie nicht immer Gutes im Schilde. Dem will die Pfarrei mit ihrem Schutzkonzept vorbeugen.

Möhnesee - Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und Schutzbefohlenen ist kein Thema, das beiseite gelegt werden kann. Um Übergriffen vorzubeugen, wurden die Pfarreien vom Erzbistum Paderborn aufgefordert, entsprechende Schutzkonzepte zu entwickeln. Wie das vor Ort umgesetzt werden soll, erläuterten jetzt Vertreter der Pfarrei Zum Guten Hirten Möhnesee.

„Institutionelles Schutzkonzept von sexualisierter Gewalt an Minderjährigen und schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen“: Unter dieser Überschrift haben die Verantwortlichen verschiedene Maßnahmen zusammengefasst. 

Ganz wichtig ist ihnen mehr Achtsamkeit. „Wir möchten niemanden unter Generalverdacht stellen“, verdeutlicht Hubertus Feldmann, Gemeindereferent der Pfarrei Zum Guten Hirten und Präventionsfachkraft. 

Aber die Problematik des sexuellen Missbrauchs an Schutzbefohlenen dürfe kein Tabuthema sein, es müsse darüber gesprochen werden, damit die Leute sensibilisiert werden. 

In dem Konzept wird aufgezeigt, wie sich Mitarbeiter der verschiedenen Einrichtungen in bestimmten Situationen verhalten müssen. Darunter fallen Punkte wie die Angemessenheit von Körperkontakt, das Verhalten auf Freizeitreisen oder die Beachtung der Intimsphäre. 

Damit dieses Verhalten verinnerlicht wird, sollen die Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen geschult werden. Auch bei Bewerbungsgesprächen sind sowohl die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses als auch die Besprechung des Schutzkonzeptes ein fester Bestandteil; dies soll mögliche Täter abschrecken, erklärt Feldmann. 

Ferdinand Giese, erster stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Pfarrei, erwartet von dem Konzept eine höhere Wahrscheinlichkeit, entsprechende Fälle aufzudecken: „Kriminelle Energie findet immer ihren Weg. Wir müssen es solchen Leuten so schwer wie möglich machen und weiterhin versuchen, gegen sie vorzugehen.“ 

Die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden, sei nicht immer ganz einfach. „Man soll liebevoll pflegen, aber nicht mit zu viel Liebe. Kleine Kinder brauchen häufig noch die Nähe, aber wann ist es zu nah? Die Opfer entscheiden selbst, was sie als übergriffig empfinden, und das muss man akzeptieren“, erklärt Ursula Koneczny, Präventionsfachkraft des Hospitalverbundes Hellweg. 

„Wir müssen Kinder, aber auch Erwachsene darin bestärken, sich zu äußern, sollte etwas vorgefallen sein“, fügt Simone Bergner, Leiterin der Pfadfinder, hinzu. Sollte es doch zu einer ungewollten Situation kommen, finden die Betroffenen in dem Konzept Handlungsleitfäden, nach denen sie sich richten können. 

Der nächste große Schritt ist nun die Umsetzung und die Überprüfung, um mögliche Lücken zu finden und Fehler auszubessern. Erarbeitet wurde das Schutzkonzept von den bereits genannten Personen sowie von Sabine Düser, Schulungsreferentin vom Erzbistum Paderborn, Hermann Josef Dregger, bisheriger Vertreter der Messdiener, und Marion Teck, Vertreterin des Kindergarten St. Pankratius in Körbecke.

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