Einwohner auf sich gestellt

Ganzes Dorf am Möhnesee von der Außenwelt abgeschnitten 

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Ordnungskräfte sorgten dafür, dass die Forststraße nach und von Neuhaus wieder befahrbar wurde. 

Möhnesee – Sturmtief Sabine hat vor allem am Sonntagnachmittag bis zum frühen Abend zu zahlreichen Einsätzen der Feuerwehr geführt: 28 Mal waren die drei Möhneseer Züge im Einsatz, um umgestürzte Bäume von Straßen zu räumen – verletzt wurde zum Glück niemand, auch größere Sachschäden blieben aus.

Die B229 zwischen Hevebecken und Arnsberg war von Sonntag, 15 Uhr, bis Montagmittag, 13 Uhr, wegen Bäumen auf der Fahrbahn gesperrt. Die Ortschaft Neuhaus war von 17 Uhr am Sonntag bis 12 Uhr am Montag abgeschnitten. Beide Zufahrtsstraßen, die zu dem kleinen Ort mitten im Arnsberger Wald führen, waren durch umgestürzte Bäume blockiert.

 „Die Forststraße in Neuhaus wurde halbseitig gesperrt, so dass ein Abfluss gesichert war. Man konnte also raus-, aber nicht hineinfahren. Weil das Gebiet sehr bewaldet ist, haben wir vorsorglich die Straßen gesperrt“, berichtet Markus Paetzold, Sprecher der Feuerwehr. Nach 21 Uhr sei es in der Gemeinde Möhnesee ruhiger geworden, in der Nacht habe es keinen Einsatz mehr gegeben. 

Schwerpunkte seien die B229, die Forststraße und die Möhnestraße gewesen. Um 17.30 leistete die Feuerwehr am Torhaus Hilfe, weil ein Auto von umgestürzten Bäumen eingeschlossen war. Der Fahrer konnte nicht mehr wegfahren, die Wehr ermöglichte die Abfahrt. „Am Morgen hatten wir zunächst eine Lagebesprechung mit dem Bauhof und den Ordnungskräften aus Arnsberg. 

Es galt, mit dem Bauhof und Kräften von Straßen NRW die B229 mit schwerem Gerät freizuräumen. Dabei wurden aus Gründen der Verkehrssicherheit auch die Bäume vom Bauhof kontrolliert und gefällt, die auf die Straße zu fallen drohten. Deshalb hat die Räumung etwas länger gedauert“, erklärt Wehrführer Christian Böddeker. Die Gemengelage: Kranke Bäume, starker Regen und Sturm erfordert eine gründliche Beurteilung. Böddeker rät zur Vorsicht in bewaldeten Gebieten auch für die kommenden Tage.

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 „Die Wälder zu betreten, ist im Moment lebensgefährlich.“ „Mitarbeiter vom Bauhof, die in Neuhaus wohnen, sind am frühen Morgen auf dem Weg zur Arbeit in Eigenregie aktiv geworden und haben Bäume und Sträucher, die den Forstweg abriegelten, selber fortgeräumt, so dass viele aus Neuhaus am Morgen zur Arbeit fahren konnten“, berichtet Bauamtsleiter Burkhard Schulte. Der Bauhof frage: Wo ist das Gröbste zu tun? Nachdem die Feuerwehr Soforthilfe leistete, lösten die Mitarbeiter des Bauhofes im Laufe des Tages ab, damit der Autoverkehr sicher ist. Schon am Sonntag um 16 Uhr wurde aus Sicherheitsgründen die B229 zwischen Delecker Brücke und dem Abzweig nach Neuhaus gegen 16 Uhr dicht gemacht.

 „Die Sicherheitskräfte konnten nur ihre Köpfe schütteln, als sie im Bereich Kreuzeiche in Neuhaus nach 16 Uhr auf Leute trafen, die dort wandern wollten. Manche Leute sind unbelehrbar“, so der Bauamtsleiter. Die parkenden Autos wurden frei geschnitten. Sicherheitshalber habe man beim Gasthaus Tacke abgesperrt, so dass niemand mehr in Richtung B229 fahren konnte.

 „Da fielen die Bäume wie Midadostäbe. Die Sperrungen sind auch ein Schutz für die Feuerwehrleute, schließlich weiß man nie, wo der nächste Baum fällt“, so Schulte. Nachdem man aufs Hellwerden gewartet hatte, wurde zunächst der Forstweg bei Neuhaus, dann die B229 geräumt. Alles in allem sei Sabine noch glimpflich für die Gemeinde verlaufen. Bärbel Bootz wohnt im alten Forsthaus außerhalb der Ortschaft Neuhaus. Für sie und ihre Familie ist es nichts Neues, vorübergehend vom Rest der Welt abgeschnitten zu sein. „Strom und Telefon bekommen wir hier im Außenbereich des Dorfes noch über eine freie Überlandleitung, aber die hat diesmal dem Sturm standgehalten, und wir mussten auf Strom und Telefon nicht verzichten“, erzählt sie. Das war bei Sturm Kyrill im Januar 2007 ganz anders und viel drastischer. 

„Da ging bei uns drei Tage lang gar nichts, Strom und Telefon waren weg. Wir hatten sechs Wochen lang kein Telefon. Das war jetzt bei Sturm Sabine viel entspannter. Es fahren heute Morgen keine Autos hier in Neuhaus in Richtung B229, um uns herum sind viele Bäume und Sträucher stehen geblieben“, berichtet Bärbel Bootz. „Wir sind schmerzerprobt hier in unserer Alleinlage, und auch die Neuhäuser kennen die Situation.“ Im Dorf gebe es eine WhatsApp-Gruppe, über die Bärbel Bootz erfahren haben, dass die Straßen aus dem Dorf heraus gesperrt sind.

 „Wir sind entspannt, weil wir die Situation kennen, das passiert hier immer mal wieder.“ Wer morgens früh zur Arbeit musste, habe mit angepackt und sich einen Weg nach draußen verschafft. Bärbel Bootz sieht ihre Situation trotz allem positiv: „Dafür wohnen wir idyllisch.“ Ob Teile des Arnsberger Waldes, wie nach Kyrill und Friederike, abgesperrt werden, müsse noch geprüft werden, sogt Edgar Rüther vom Forstamt Rüthen. „Wir müssen uns die Lage vor Ort anschauen und dann mit den Kommunen abstimmen, ob kleinräumig gesperrt wird.“ Rüther warnt dringend davor, in den nächsten Tagen den Wald zu betreten, denn erstens soll es stürmisch bleiben und zweitens sind viele Bäume und Äste locker, die bei einer leichten Böe umfallen oder herunterfallen könnten.

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