Grüne Decke

Ausbreitung besonders stark: Wasserlinsen reinigen das Wasser am Möhnesee

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Die Wasserlinsen können im Wameler Vorstaubecken super wachsen.

Was schwimmt denn da im Wameler Becken? Es ist winzig und grün, aber keine Alge. „Es handelt sich um sogenannte Wasserlinsen“, erklärt Anja Feige, Mitarbeiterin beim Landschafts-Informationszentrum (Liz) am Möhnesee.

Möhnesee-Wamel - Es gibt verschiedene Arten von Wasserlinsen, wahrscheinlich handele es sich im Wameler Becken um die kleine Wasserlinse. Eine ihrer stärksten Eigenschaften sei, dass sie sich rasant vermehrt. „Darin ist sie eine der schnellsten Pflanzen der Welt. Die Wasserlinse kann ihr Volumen innerhalb von ein bis drei Tagen verdoppeln. Außerdem ziert die Wasserlinse eine der kleinsten Blüten der Welt“, weiß Anja Feige. Wasservögel, einige Fischarten sowie Entenarten wie die Gründelente fressen auch Wasserlinsen. 

Warum die Wasserlinsen im Wameler Becken in diesem Jahr so stark auftreten, dazu könne man nur Vermutungen anstellen. „Mit zu wenig Sauerstoff im Wasser hat das verstärkte Auftreten der Wasserlinse nichts zu tun, vielmehr ist es ein Zeichen für einen hohen Nährstoffgehalt im Wasser.“ Der Phosphat- sowie der Nitratgehalt ist dort hoch, wo die Wasserlinse wächst. Wasserlinsen siedeln sich nur dort an, wo die Fließgeschwindigkeit des Wassers gering ist oder das Gewässer steht. Die Pflanze zieht einen windgeschützten Standort vor. 

Die kleinen Pflanzen kann man theoretisch sogar essen – empfohlen wird das aber nicht.

Das Wameler Becken ist ein Vorstaubecken der Möhnetalsperre. Es habe Studien gegeben, die zeigen, dass in verschiedenen Vorstaubecken, in die Flüsse münden, erhöhte Phosphatwerte gemessen werden. Der Regen wäscht die Phosphate und Nitrate von den Feldern, so gelangen sie über die Flüsse in die Vorstaubecken – wie auch im Wameler Becken. Die Wasserlinse braucht unter anderem Phosphat und Nitrat, um zu wachsen. „Die Wasserlinsen können dort super wachsen, es geht sogar noch weiter: Sie nehmen Phosphat und Nitrat auf und verstoffwechseln sie. Mit Hilfe dieser Pflanzen wird das Gewässer gereinigt. In Entwicklungsländern nutzt man die Wasserlinse, um zum Beispiel Schwermetalle aus dem Gewässer zu filtern“, erklärt Anja Feige. 

Transport durch Wasservögel

 Doch wie kommt die Wasserlinse überhaupt ins Wameler Becken? In der Möhneaue sei sie schon seit Langem zahlreich vertreten, so Feige. Wasservögel transportieren die kleinen Pflanzen am Bauch oder an den Füßen schließlich ins Wameler Becken, wo sich die Wasserlinse rasch vermehren kann. „Wo genau die kleine Pflanze herkommt, kann ich nicht genau sagen, sie kann auch aus einem Gartenteich stammen.“ Sehr wahrscheinlich sei aber auch, dass sie von außen ins Wameler Becken gebracht wurde. 

Die Wasserlinse wächst nur im Frühling und Sommer. Im Winter sinkt sie auf den Grund, wo sie den Winter über überdauert. „Wenn es wieder wärmer wird, kommt sie wieder nach oben.“ 

Grüne Oberfläche: Was auf den ersten Blick aussieht wie Algen, ist in Wahrheit eine teils dichte Decke von Wasserlinsen.

Und noch einen Clou hält diese Pflanze bereit: Man kann sie sogar essen – obwohl Anja Feige davon abrät, die Wasserlinsen aus dem Möhnesee zu essen. „Die Wasserlinse gilt zum Beispiel in den Niederlanden als so etwas wie das Superfood von morgen. Sie gilt als gesund und ist leicht anzubauen. Außerdem erforscht man ihre Rolle als Biokraftstoff.“ 

Alles in allem sei die Wasserlinse eine willkommene Pflanze, weil sie Gewässer reinigt. Der Nachteil: Unter ihrem „Teppich“ bekommen darunter liegende Wasserpflanzen kaum noch Licht. 

In den vergangenen zwei Jahren habe sich die Wasserlinse nicht so stark ausgebreitet wie in diesem Jahr. Anja Feige: „Das geschieht mal mehr und mal weniger.“

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