Arnsberger Waldforum: Suche nach dem klimastabilen Wald

+
Viel wird nicht übrig bleiben vom Fichtenwald, hier eine Fläche im Hevetal nach der Rodung. Braun verfärbte Fichtenbäume wie im Hintergrund rechts zeigen an, dass ein Ende noch nicht in Sicht ist.

Möhnesee – Herbstwald mit Edeltannen, Esskastanien, Küstenmammutbäumen – nein, nach dem heimischen Arnsberger Wald klingt die Aufzählung dieser Baumarten nicht. Ob sie und wie sie womöglich beim Waldumbau und der Wiederaufforstung nach Sturm, zwei Dürrejahren und der Borkenkäferkalamität eine Rolle spielen können, ist derzeit die Frage. Zum Programm des zehnten Arnsberger Waldforums zum Thema „Wald der Zukunft“ gehörte daher auch eine Exkursion in das Arboretum, die Baumsammlung im Waldpädagogischen Zentrum Burgholz des Landesbetriebs Wald und Holz. Hier nahmen die Teilnehmer auf den Versuchsflächen verschiedene Waldbilder mit fremdländischen Baumarten in den Blick, dies vor allem bezogen auf den anstehenden Klimawandel.

Angesichts von nahezu 100 Prozent Totalverlust bei den heimischen Fichtenbeständen südlich des Möhnesees und der Zunahme der jährlichen Durchschnittstemperaturen stellt sich den Forstexperten die Frage, welche Baumarten in den nächsten Jahrzehnten am ehesten in Frage kommen. Die Waldbesitzer stünden vor großen Aufgaben, berichtet der Landesbetrieb in einer Pressemitteilung zum Waldforum. 

Die aktuelle Krise der Großkalamität biete aber auch Chancen für einen neuen, klimastabilen Wald, der zukünftig die vielfältigen Waldfunktionen ebenso erfüllen kann. Dazu soll das Walbaukonzept des Landes für Waldbesitzer entsprechende Empfehlungen geben, so werden die Douglasie oder die Weißtanne als besonders abgesicherte eingeführte Baumarten aus anderen Regionen Deutschlands oder der Erde als Beimischungen empfohlen. 

Dieser Kartenausschnitt, Stand September 2019, zeigt: Es gibt so gut wie keine Fichtenbestände (normalerweise dunkelgrün dargestellt), die von leicht bis schwer (hellrosa bis dunkelrot) nicht geschädigt sind.

Außerdem soll die forstliche Standortkarte den Waldbesitzern in digitaler Form wichtige Daten zur Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit für die Waldbäume liefern. Das Arnsberger Waldforum, das auf Einladung von Wald und Holz jetzt mit 140 Experten an zwei Tagen in Arnsberg stattgefunden hat, behandelte dazu wichtige theoretische Grundlagen. 

Die Themen Waldbau und Generhaltung angesichts des Klimawandels waren wichtige Themen. Letztlich ging es hier um Lösungen zur Gestaltung eines zukunftsfähigen Waldes. Dass die Instrumente zur Bewältigung die Waldbewirtschaftung im Klimawandel da sind, bekräftigte Dr. Thorsten Mrosek vom Landwirtschaftsministerium des Landes und verwies auf das Waldbaukonzept als praktische Hilfe. 

Bedeutung der Genvielfalt 

Wegen der Anpassungsfähigkeit an verschiedene Entwicklungen betonte Professor Dr. Oliver Gailing von der Georg-August-Universität in Göttingen die Bedeutung der Genvielfalt bei der Forstpflanzenzüchtung. Es sei wichtig, die Varianz innerhalb der Arten zu erhalten und zum Beispiel die südlichen Herkünfte einer Baumart den nördlichen beizumischen. 

Um den Dialog zwischen den Akteuren zu befördern, wird Wald und Holz zukünftig über das neue „Zentrum für Wald- und Holzwirtschaft“ verfügen. Dessen Leiter Dr. Bertram Leder benannte als zentrale Aufgabe den Wissenstransfer und die angewandte Forschung, so wie den Ausbau der Kommunikation zwischen Grundlagenforschung, forstlicher Praxis und angewandter Forschung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare