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Archemed schickt Notstromaggregate für Kinderkliniken ins ukrainische Kriegsgebiet

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Von: Achim Kienbaum

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Archemed schickt Transport in die Ukraine
Ein ganz schön dickes Ding, das Eckhard Wasel (links) und Günter Vogel da in Echtrop am Freitag auf einen Trailer packten und versandfertig machten. Mitte der Woche sollen zwei Gespanne aufbrechen. © Peter Dahm

Möhnesee – Wenn die Not besonders groß ist, wird Zeit oft besonders knapp. Hilfsorganisationen wie „Archemed“ müssen dann Projekte sehr schnell umsetzen, die sonst vielleicht über einen längeren Zeitraum hinweg hätten vorbereitet werden können. Hilfe für Kinderkrankenhäuser im ukrainischen Kriegsgebiet ist so ein Fall: Am Samstag wurde bereits der zweite Transport reisefertig gemacht, und der ist gleich in mehrfacher Hinsicht von besonderem Gewicht.

Vor zwei Wochen hatte Stefan Osterhage für den Verein vom Archemed-Lager in Echtrop aus den ersten Transporter mit medizinischen Hilfsmitteln und Medikamenten im Wert von rund 9000 Euro an die polnisch-ukrainische Grenze gebracht. Zusammengestellt worden war diese erste Liste von Ärzten in einem Kinderkrankenhaus in Lemberg – die wiederum in Kontakt mit Kollegen in mehreren Kinderkliniken in der schwer zerstörten Millionenstadt Charkiw im Osten des Landes sowie in der Hauptstadt Kiew stehen. Auch eine ukrainische Ärztin an der Berliner Charité koordinierte die Zusammenarbeit zwischen Archemed in Möhnesee und den Empfängern in ihrem Heimatland.

„Uns ist es besonders wichtig zu erfahren, was genau die Kollegen am dringend-sten benötigen“, erklärt Archemed-Gründer Dr. Peter Schwidtal.

Wenig verwunderlich, ist der Bedarf an medizinischer Ausrüstung angesichts der schweren Zerstörungen in Charkiw, die auch Krankenhäuser betrafen, und der großen Zahl von Opfern immens. Vor eine besondere Herausforderung stellte den Verein jedoch die Bitte der Ärzte in Charkiw, zwei leistungsstarke, und damit auch sehr voluminöse, Notstromaggregate zu schicken.

„In der gewünschten Größe sind die derzeit nirgendwo in Deutschland verfügbar“, mussten Peter Schwidtal und seine Mitstreiter erkennen. Es gelang ihnen aber, zwei kleinere Aggregate in Norddeutschland aufzutreiben und schließlich auch samt Trailer zu kaufen, die am Freitag in Echtrop vom Zoll abgenommen und versandfertig gemacht wurden.

„Auf diese Weise können die jeweils rund 1,4 Tonnen schweren Aggregate bis zur Grenze mit der Ukraine gebracht und dort übernommen werden, ohne dass schweres Gerät für das Umheben auf ein anderes Fahrzeug benötigt wird“, erklärt Richard Genähr, der eins der beiden Gespanne steuern wird, die voraussichtlich Mitte der Woche ihre lange Reise ins Kriegsgebiet antreten werden.

Das hat Archemed in der Pipeline

In den kommenden Tagen wird ein weiterer Transport nach Lwiw auf die Reise gehen mit insgesamt 30 Paletten Medikamenten und medizinischem Material. Diese Hilfslieferung ist eine Kooperation mit „Action Medeor“. Der „Archemed-Anteil an dieser Lieferung liegt bei rund 4000 Euro. Ebenfalls weitgehend transportfertig ist auch eine weitere Medikamenten-Lieferung im Wert von rund 35 000 Euro für mehrere Krankenhäuser in der Ukraine. Gesammelt werden derzeit auch Inkubatoren für Neugeborene – auch sie werden dringend benötigt.

Dass die auch finanziell wertvolle Ladung – jedes der Aggregate kostet rund 25 000 Euro – auf den Trailern lediglich „umgehängt“ werden muss, hat einen weiteren Vorteil: Für den Fall, dass die Ausrüstung aus dem Kriegsgebiet möglichst schnell abtransportiert werden muss, wäre auf diese Weise vorgesorgt – ein Szenario, das angesichts der Brutalität der Angriffe leider alles andere als unwahrscheinlich ist.

Die beiden Zugfahrzeuge wurden bis unters Dach beladen mit Lebensmitteln und Bettzeug, ebenfalls dringend benötigt in den Kinderkliniken in Lwiw, Kiew und Charkiw. Und das wird noch längst nicht alles an Hilfe gewesen sein: Weitere Projekte sind bereits in der konkreten Planung.

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