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„Archemed“ wagt es und schickt Hilfsmittel für Kinderkrankenhaus in Kabul

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Von: Achim Kienbaum

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Hilfstransport von Archemed nach Afghanistan
Peter Schwidtal, Vorsitzender des Vereins „Archemed“, freut sich über das mediale Interesse an dem Hilfstransport nach Kabul. Er hofft, dass das dazu beitragen wird, auch andere Hilfsorganisationen zu derartigen Aktionen zu ermutigen. © Archemed

Der Möhneseer Verein „Archemed“ ist besonders für den Aufbau einer Klinik für Säuglinge und ihre Mütter im ostafrikanischen Eritrea bekannt. Die blanke Not an einem anderen Krisenherd hat jetzt zu einem neuen Projek geführt.

Möhnesee – Es waren dramatische TV-Bilder, die um die Welt gingen, als die Taliban mit der Hauptstadt endgültig auch die Macht in Afghanistan übernahmen und viele Menschen verzweifelt versuchten, sich vor ihnen in Sicherheit zu bringen. Seitdem sind diese Bilder bei vielen, die sie gesehen haben, verblasst. Nicht aber bei Mitarbeitern der Möhneseer Hilfsorganisation „Archemed“: Unter dem Eindruck einer bewegenden ZDF-Reportage beschlossen sie, dort zu helfen, wo es besonders dringend nötig ist: auf der Kinder- und Säuglingsstation eines Krankenhauses in Kabul.

Dort, so hatte es die ZDF-Mitarbeiterin Katrin Eigendorf eindrücklich dokumentiert, fehlte es an allen Ecken und Enden: Antibiotika, Schmerzmittel, Sauerstoff und vieles mehr. „Wir waren uns sofort einig, dass wir etwas tun wollten und kontaktierten die Redaktion des Heute Journals“, erinnert sich Cordula Hölting von Archemed.

Die Reaktion war mehr als positiv – inklusive des Angebots zu helfen, wo immer es möglich und nötig sei und des Wunsches, über die Realisierung des Hilfstransports zu berichten. Bei aller Routine, die die Archemed-Mitarbeiter im Umgang mit Bürokratien durch ihre Projekte im ostafrikanischen Eritrea bereits gesammelt haben, erwiesen sich die obligatorischen Ausfuhrgenehmigungen für den Transport von Echtrop nach Kabul doch als besonders hoch.

Gemeistert werden konnten sie dennoch, und das sogar recht zügig, mit Hilfe von Jörg Christ, einem ZDF-Mitarbeiter mit hervorragenden und sehr hilfreichen Kontakten und einem regionalen Netzwerk in der afghanischen Hauptstadt.

Das ZDF vermittelte auch den Kontakt zu einem Kinderarzt in Kabul, mit dem sich Dr. Martin Röbbelen von Archemed in Verbindung setzte, um den genauen Bedarf vor Ort für die nächsten Monate zu besprechen.

Vier Paletten versandfertig gemacht

Diese Liste war Grundlage für die Materialien, die jetzt in Echtrop gesammelt und auf vier Paletten versandfertig verpackt wurden – in bewegten Bildern festgehalten von einem Kamerateam des ZDF-Landesstudios in Düsseldorf.

Die dort gedrehten Bilder von dem Beginn des Transportes, der per Frachtflugzeug über einen Zwischenstopp in Abu Dhabi bis nach Kabul erfolgen wird, sollen Teil eines Beitrag im heute Journal sein, der den Weg der Lieferung bis an sein Ziel im Indira-Gandhi-Kinderkrankenhaus in Kabul nachzeichnet.

Wann genau der Beitrag gesendet wird, stand aber zunächst nicht fest. Am Donnerstag saß der Transport noch in Abu Dhabi fest, die Abwicklung von Zollformalitäten verhinderte zunächst den Weitertransport.

Cordula Hölting hoffte aber, dass die Probleme zügig gelöst und die Materialien ihren Bestimmungsort möglichst schon am Freitag erreichen würden. Ihre Hoffnung erfüllte sich am Freitag, da war der Transport bereits am Flughafen von Kabul eingetroffen. Die Auslieferung ans Kinderkrankenhaus soll zeitnah erfolgen, der TV-Beitrag über die gesamte Aktion am Sonntagabend im Heute Journal des ZDF gesendet werden.

„Wenn das so klappt, wie wir hoffen, können wir uns auch vorstellen, im nächsten Jahr weitere Materialien nach Afghanistan zu schicken“, erklärt Dr. Peter Schwidtal, Vorsitzender von Archemed.

Und er hofft noch etwas anderes: Dass ein gelungener Transport wie dieser von rund zwei Tonnen Hilfsmitteln auch andere Organisationen ermutigen wird, schon bald viele weitere Sendungen auf den langen und mühseligen Weg nach Afghanistan zu bringen.

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