Arbeitskreis erforscht Familienwurzeln

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Hans-Georg Eich (Zweiter von rechts) leitet den Arbeitskreis „Familienforschung“ und lädt alle ein, sich ebenfalls auf die Reise zu den eigenen Wurzeln zu machen – „weil das spannend ist!“. Beim Anzeiger-Besuch waren gerade mit im Gemeindearchiv: Georg Palmüller, Robert Rienhoff, Karl-Heinz Wilmes, Gerd Freisen und Bärbel Wortmann (von links).

Körbecke – Er hat über 33 Generationen hinweg Karl den Großen mitgeheiratet, das weiß er seit einiger Zeit. Was macht das mit einem Menschen? „Och ja“, lächelt Hans-Georg Eich und klappt den Dokumentenscanner zu.

„Ich darf meine Frau immer noch duzen.“ Ein „echt kölscher Jung“ ist der pensionierte Oberstabsfeldwebel der Luftwaffe. Verliebt hat er sich im Sauerland, erzählt er – und in Arnsberg habe er auch begonnen, sich für Familiengeschichten zu interessieren, für Stammbäume und alles Drumherum. Nun „wühlt“ er im Archiv in Körbecke, und er zeigt im „Arbeitskreis Familienforschung“ allen, wie man anfängt, wie man dranbleibt und wie man weiterkommt. „Mit ganz kleinen Geschichten fängt es meistens an, dann beginnt man, alte Fotos und Dokumente anzuschauen, fragt hier, hört da, stößt zufällig auf besondere Begebenheiten – und schon hat es einen gepackt“, so beschreibt Eich, wie er selber vor Jahren beim Schwiegervater Dr. Hermann Stegers begann, vom Lungenfacharzt aus Neheim mit seinen elf Kindern nach viel Fleißarbeit schließlich bei Karl dem Großen anlangte.

Ein Glücksfall sei so ein Ergebnis, denn sauber Buch geführt haben bei den Standesämtern erst die Franzosen und die Preußen, davor helfen Kirchenbücher und aus den unruhigen Zeiten die, die das viele Morden und Brandschatzen in der Welt überstanden hatten. Nach und nach haben inzwischen die großen Kirchen begonnen, ihren Bestand zu digitalisieren und alles ins Netz zu stellen. Hilfe gibt es auch in Dortmund, bei einer Kontaktstelle der „Heiligen der Letzten Tage“. Die sammeln seit 1894 und haben am Stammsitz in Salt Lake City (USA) auf fünf Etagen das wohl größte Register der Welt und das Angebot an alle, alte Urkunden ausgedruckt zu bekommen. Dort stöbern kann man auch von Möhnesee aus am Rechner: „Familysearch.org“ heißt das kostenfreie Online-Portal, das in die Tiefe gräbt und alle freigegebenen Dokumente gleich mit anzeigt. 

„Für mich ein mächtiges Hilfsmittel“, sagt Robert Rienhoff und zeigt gleich, was er auf seinem Klapprechner alles sieht: Er sucht gerade nach den Vorfahren einer Anna Sybilla Romberg aus Attendorn. Von 1700 bis 1750 hat sie gelebt, wo sie herkam, das steht nicht in den Aufzeichnungen, und ab hier beginnt die Detektivarbeit. Was sagt der Datenschutz? „Greift bei Verstorbenen nicht“, sagt Rienhoff. Wer nicht aus wohlhabenden oder gar adeligen Familien stammt, dürfte meistens nur ein paar Generationen weit zurück in Richtung Mittelalter gelangen, das weiß nicht nur Hans-Georg Eich, der in Möhnesee den „Arbeitskreis Familienforschung“ leitet. 

In der Familie seines Vaters ist vorerst bei 1628 Schluss mit der Reise an die Wurzeln: Johannes Eich war Tagelöhner in Dankerath in Ahrweiler. Seit Anfang des Jahres treffen sich alle immer jeden ersten Samstag im Monat von 14 bis 19 Uhr im Gemeinde-Archiv. Auch absolute Neulinge sind willkommen, und niemand muss sich sorgen, auf verstockte Besserwisser zu treffen. Ganz im Gegenteil: „Hier braucht jeder jeden, damit er weiterkommt, niemand ist allwissend“, das unterstreicht auch Karl-Heinz Wilmes, den beim Anzeiger-Besuch gerade das Gerücht um ein womögliches 13. Kind von Oma Maria Theresia (1869-1947) umtreibt, alle anderen hat er schon in den Stammbaum eingetragen und zumindest ein, zwei Sätze zur Lebensgeschichte zusammentragen können. „Dranbleiben muss man“, weiß Wilmes. 

„Und manchmal weite Wege machen.“ Bärbel Wortmann aus Neheim kennt das: Bis 1745 ist sie gekommen beim Vater mit seinen Vorfahren aus Eisleben – jetzt braucht sie Tipps vom Rest der Gruppe. Warum man nach den Ahnen forscht? Weil es wohl grundsätzlich alle interessiert, wo die Wurzeln liegen, davon sind die Familienforscher überzeugt. „Wir machen das ja auch für unsere Nachkommen“, sagt Hans-Georg Eich und zeigt ein dickes Werk, das in der Familie dankbare Abnehmer fand. 

„Wir forschen nicht nur nach den reinen Datumsangaben, uns interessieren dabei natürlich auch die Geschichten und Lebensumstände, soweit sich das noch in Erfahrung bringen lässt.“

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