Lippewiesen locken zum Eislaufen

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Eislaufen auf den Lippewiesen ist nicht nur ganz umsonst, sondern auch ein Riesenspaß. Die Messdiener von St. Ida jedenfalls nahmen die unverhoffte Gelegenheit dieses rutschigen Frischluftvergnügens gerne wahr.

Lippetal – Eine Horde wild gewordener Messdiener schlittert juchzend übers Eis; ein Mädchen wagt sich mit Schlittschuhen auf die glattglitzerne Oberfläche; zwei Jungs auf Fahrrädern versuchen bei eindeutiger Eisglätte das Gleichgewicht zu bewahren; ein kleiner Junger weint, er ist eingebrochen, hingefallen und hat sich an einer Kante wehgetan; bei blauem Himmel und Sonnenschein knirscht das Eis, klingt lautes Lachen über die freie Fläche – und die Szenerie erinnert an Urlaubsidylle. So sieht er aus, ein Winternachmittag auf den Lippewiesen zwischen Herzfeld und Hovestadt.

Das Freiluftvergnügen auf der Wiese lockt bis zu 100 Eisliebhaber auf die Fläche, deren gefrorene Decke immer wieder von einzelnen Grashalmen durchbrochen wird. „Das ist ganz toll hier. Und passieren kann ja auch nichts“, schwärmt Daniela Schmidt vom eiskalten Vergnügen mit einer maximalen Einbruchtiefe von 20 Zentimetern. Die Hovestädterin ist mit Sohn Louis (4) das erste Mal da. Die letzten Winter seien ja eher ins Wasser gefallen, meint sie lachend – während Louis mit viel Schwung übers Eis schlittert. 

Ein paar Meter weiter steht „Eis zertreten“ auf dem Programm. Julius Gutsmann (6) ist mit Papa Frank da. „Ist doch klar, dass wir das ausnutzen“, sagt Frank. Überhaupt sei dieses unverhoffte Angebot ideal für Kinder, so der Hovestädter.

Lina (7) kommt direkt aus der Schule. Gemeinsam mit Mama Ines Kümer stellt sie Weitrutschrekorde auf der noch intakten Eisfläche auf. Das sei eine willkommene Unterbrechung des eigentlich vorgesehenen Spaziergangs – da sind sich beide sicher. 

Durch einen Aufruf in ihrer Whatsapp-Gruppe ist Silvana Asseburg aufmerksam geworden auf die rutschige Chance in den Lippewiesen. „Da haben wir uns sofort auf den Weg gemacht“, sagt sie. Tochter Antonia (8) hat gleich die Schlittschuhe mitgebracht, zieht vorsichtig ihre Runden. Dabei kommt ihr Simon Fischer in die Quere. Fast. Gerade noch rechtzeitig kann er sein Fahrrad im Zaum halten, mit dem er sich todesmutig in die Rutschzone begeben hat.

Weiter hinten in Richtung Hovestadt ist die Winterfreude nicht zu überhören. Messdiener-Leiter Bernd Voschepoth hat kurzfristig entschieden, den Beginn der Messdiener-Stunde „auf Eis zu legen“. „Die Sonne scheint noch so schön, das wollen wir ausnutzen“, meint er. Später dann wolle er mit den Kindern in die Kirche, da sei es dann schön warm. 

Vor dem „Später“ kommt die eiskalte Freude der Kinder. Die nutzen die Gelegenheit, um auf die gute Stimung ihrer St. Ida-Truppe aufmerksam zu machen – und die Bodenhaftung einmal ganz bewusst zu verlieren. „Da könnte doch die Feuerwehr kommen und noch mal richtig nachwässern“, meint Bernd Voschepoth noch. So könnten die zerbrochenen Eisstücke ersetzt und die Fläche vergrößert werden. 

Ein guter Plan. Schließlich soll es noch bis Anfang Februar frostig bleiben auf den Lippewiesen.

Eislaufen mit behördlichem Segen

„Auf keinen Fall eingreifen“ will Ludger Schenkel als Leiter des Lippetaler Ordnungsamtes in das rutschige Geschehen zwischen Herzfeld und Hovestadt. Das kann er von Amtswegen auch gar nicht. Denn weil die Lippewiesen als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind, ist die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Soest zuständig. Dort gibt man sich ebenfalls entspannt. Pressesprecher Matthias Keller: „Eigentlich sagt der Landschaftsplan, dass man die Wege in den Naturschutzgebieten nicht verlassen darf. Doch das Eislaufen bleibt davon unberührt.“ Im Klartext: Die Behörde hat nichts einzuwenden gegen das Wintervergnügen.

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