Windstrom fließt unter der Lippe hinweg nach Schmehausen

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Im Schatten des RWE-Kraftwerks in Schmehausen verlegten Mitarbeiter einer Baufirma Leerohre.

Lippetal – Von der Bauerschaft Elker in Beckum zum Umspannwerk in Schmehausen führt der direkte Weg durch Lippetal, eine Trasse durch die Gemeinde wird daher für eine leistungsstarke Stromleitung genutzt. Der Grund: In der Bauerschaft südlich von Beckum und nahe an der Grenze zur Gemeinde Lippetal errichtet die Firma Prowind GmbH mit Hauptsitz in Osnabrück drei Windkraftanlagen mit 161 Metern Nabenhöhe, jede der Anlagen kommt auf eine Leistung von bis zu 5,3 Megawatt, und diese Stromausbeute muss naturlich auch ins Netz.

Als nächstgelegene Möglichkeit erscheint vielleicht das Umspannwerk nördlich der Lippe an der Dolberger Straße in Lippetal. Aber diese Anlage ist ungeeignet, weil der Strom auf eine Höchstspannung von 380 Kilovolt umgewandelt wird. 

Diese Spannungsebene sei für Windparks wie in der geplanten Größenordnung jedoch ungeeignet und nicht wirtschaftlich, sagt Prowind-Bauleiterin Annabelle Werner. Laut Erneuerbare-Energien-Gesetz soll andererseits die geeignete Spannungsebene und der Netzanschluss mit den geringsten volkswirtschaftlichen Kosten gewählt werden. Daher wird der Windpark in Beckum an das Umspannwerk in Schmehausen angeschlossen, das auch Schaltstation für die Kraftwerksanlagen in Uentrop ist. 

Vorbote für die Stromtrasse sind die Leerrohre, die seit kurzem an der Lippestraße und dem Wirtschaftsweg Mersch gelagert wurden und auf den Einbau durch ein Fachunternehmen warteten. Dass die Stromkabel unter die Erde kommen, begründet Prowind mit dem höheren Wartungsaufwand, der für Überlandleitungen im Mittelspannungsbereich zu erwarten wäre. Zudem sei die Akzeptanz für Erdkabel gegenüber Überlandleitungen höher. 

Beim Einbau der Leerrohre kommt moderne Technik zum Einsatz. Durch die Verwendung eines Horizontalspülbohrverfahrens musste am Ende der Lippestraße/Ecke Vellinghauser Straße keine Fahrbahn aufgerissen werden. Rund 70 Meter lang war hier die Bohrung von einem Graben zum nächsten. 

In einem Rohr mit 20 Zentimeter Durchmesser werden künftig die stromführenden Kabel verlegt, in einem weiteren, fünf Zentimeter messenden Rohr liegt ein Glasfaserkabel, laut Prowind-Bauleiterin Werner sozusagen die Internetverbindung, über die die Anlagen künftig gesteuert werden. 

Bis zum Standort der Windkraftanlagen ist noch manche Hindernis zu überwinden, so die Bundesstraße 475 in Lippetal. Auch die Lippe muss unterquert werden, was technisch etwas anspruchsvoller wird. Die Leerrohre liegen bislang auf einer Länge von rund 700 Metern vom Umspannwerk bis zu einem Hof an der Straße Mersch. 

Weiter dürfen die Baufirmen nicht, wegen dem Landschafts- und Hochwasserschutzgebiet, sagt Bauleiterin Annabelle Werner. Die Lippe muss in diesem Bereich daher per Horizontalspülbohrverfahren auf einer Länge von 450 bis 470 Meter unterquert werden, entsprechende Gespräche laufen derzeit. Werner zufolge müssen die Rohre dort teils zwölf Meter tief verlegt werden, mindestens vier Meter unterhalb der Lippe-Sohle. 

So aufwendig der Anschluss der Windenergieanlagen auch scheint, außergewöhnlich ist er laut Annabelle Werner nicht: „Wir versuchen, die Leitungen möglichst kurz zu halten. Es kommt aber immer wieder mal vor, dass wir längere Strecken zurücklegen müssen.“ Eigene Umspannwerke zu bauen, sei allerdings teurer. 

Die Inbetriebnahme der drei neuen Windenergieanlagen bei Beckum ist für September geplant.

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