„Wir können das Verschweigen nicht tolerieren“

Kandidat mit NPD-Vergangenheit tritt aus der BG aus / Kandidatur für den Rat lässt sich nicht mehr stoppen 

+
Auf den Wahlplakaten wirbt die BG mit dem Slogan: Frei von extremem Gedankengut.

Die Bürgergemeinschaft Lippetal hat am Donnerstag – nicht zuletzt auf Druck des Kreisverbandes der BG – versucht, das Kapitel Patrick Bronk-Schüßler zu beenden. Am Abend dann die Einigung: Bronk-Schüßler tritt aus der BG aus.

Update, 3. September, 18 Uhr:  Nach offenbar schwierigen Gesprächen um die genauen Formulierungen einer gemeinsamen Erklärung und auf Druck des Kreisverbands haben am späten Donnerstagnachmittag Bronk-Schüßler und die BG erklärt: Der 34-Jährige Ex-NPDler tritt aus der BG Lippetal aus. Somit soll weiterer Schaden von der BG, aber auch der Familie, seinem Unternehmen und seiner Person abgewendet werden. 

Bronk-Schüßler will zudem kein Ratsmandat annehmen, falls es dazu kommen sollte. Die Kandidatur freilich lässt sich nicht mehr stoppen-

BG-Geschäftsführer Werner Sander hatte vorab am Nachmittag bereits das Aus signalisiert. Es gehe in den Gesprächen mit anwaltlicher Hilfe nur noch um Formulierungen.

Der 34-jährige Lippetaler Unternehmer Bronk kandidiert für den Gemeinderat, hat aber seine frühere Mitgliedschaft in der NPD offenbar verschwiegen. „Wir können das Verschweigen nicht tolerieren“, sagt Robert Bigge, der Vorsitzende der Kreis-Bürgergemeinschaft, die sich inzwischen in den Fall eingeschaltet hat. 

Sie hat auch bereits erste Konsequenzen aus dem Fall gezogen. Alle 13 Ortsvereine der BG im Kreis Soest sollen ihre Satzung ändern und von neuen Mitgliedern „die Offenlegung einfordern“, in welcher Partei sie bereits aktiv waren. Bigge: „Unsere Unabhängigkeit, Freiheit und Neutralität ist den Wählergemeinschaften heilig.“ 

Wenn es nach Bigge gegangen wäre, hätte das Kapitel Bronk längst geschlossen gehört. Doch die Lippetaler Parteifreunde hätten sich anders besonnen und erst noch auf (weitere) Gespräche mit Bronk gesetzt. „Der Schaden ist schon längst da“ 

„Unser Ziel ist ein gemeinsames Statement“, sagt Werner Sander von der Lippetaler BG. „Die sauberste Lösung wäre, er tritt freiwillig ab.“ Sollte das nicht passieren, bliebe nur der „Rausschmiss“. So oder so: „Der Schaden ist jetzt schon da.“ Auf die Frage, wie hoch er den Schaden beziffere, sagte Sander: „Das werden wir am 13. September sehen“ – am Tag der Wahl. Bronk kann zwar seine Mitgliedschaft bei der Bürgergemeinschaft stornieren, als Kandidat für die Ratswahl aber gibt es für ihn kein Zurück. 

Ganz abgesehen davon, dass die Briefwahl seit zwei Wochen läuft und viele hundert Lippetaler bereits ihren Stimmzettel ausgefüllt und abgeschickt haben. 

Bronk-Schüßler selber sieht nicht sich als Verursacher des Schadens, sondern die Medien, die durch ihre „reißerische Berichterstattung“ den Fall aufgebauscht hätten. „Das hat der BG geschadet.“ Das Kapital NPD sei für ihn seit Jahren abgeschlossen. Er habe sich einfach „nur mal anschauen wollen“, was da läuft, und habe deshalb auch Demonstrationen besucht. 

Wie lange er genau bei der NPD gewesen ist? Mit 17 sei er eingetreten und Jahre später ausgetreten. Im ersten Gespräch mit dem Anzeiger in dieser Woche hatte Bronk erwähnt, der Austritt sei vor fünf Jahren erfolgt. Da wäre er dann 29 gewesen. Er sei entsetzt, dass ihm die Gesellschaft nicht gestatte, solche Erfahrungen zu sammeln, um daraus zu lernen. Dies umso mehr, als „sogar Kinderschänder resozialisiert werden“.




Update, 3. September, 15 Uhr: Soeben hat die Kreis-BG das geplante Pressegespräch abgesagt. Jedoch reicht der Vorsitzende, Robert Bigge, folgende Mitteilung rein. Der Wortlaut: „Wir drängen auf eine lückenlose Aufklärung, einen Rücktritt des Kandidaten und einen Vereinsausschluss aus der Bürgergemeinschaft“. 

Er macht deutlich, dass ungeachtet dessen, ob der Kandidat vor fünf Jahren aus der NPD ausgetreten und inzwischen ein engagiertes BG-Mitglied und zudem gestandener Unternehmer sei, die Wählergemeinschaft in Lippetal so handeln müsse. „Wir können das Verschweigen nicht tolerieren“, so Bigge. Alle Bürgergemeinschaften im Kreis würden ihre Satzungen ändern und künftig die Offenlegung früherer Mitgliedschaften in Vereinen, Parteien oder Verbänden verpflichtend einfordern. Der Vorsitzende betont, dass die in 13 Ortsvereinen tätigen Bürgergemeinschaften im Kreis Soest bei so einer Sachlage „keine Toleranz hätten“ und erklärt das mit dem ureigenen Zielen der Bürgergemeinschaften: „Unsere Unabhängigkeit, Freiheit und Neutralität zu den Themen ist den Wählergemeinschaften heilig. Offenheit und Ehrlichkeit gehören auch dazu.“ 

Am Mittwoch war vom Soester Anzeiger veröffentlicht worden, dass Patrick Bronk-Schüßler (34) aus Herzfeld, BG-Kandidat im Wahlkreis 3 in Lippetal, sich früher im Umfeld von Neonazis bewegt haben soll. Er selbst hat bestätigt, NPD-Mitglied gewesen und vor fünf Jahren aus der Partei ausgetreten zu sein. Seine Kollegen in der BG-Lippetal waren darüber angeblich nicht informiert und bemühen sich nun um Schadensbegrenzung."

BG-Kandidat mit NPD-Vergangenheit: Vorsitzender des Kreises entsetzt

Lippetal - Der Vorsitzende der Bürgergemeinschaft (BG) im Kreis Soest ist entsetzt über die Vorgänge in der Gemeinde Lippetal. Einser der BG-Direktkandidaten, Patrick Bronk-Schüßler, der im Wahlbezirk 3 kandidiert, hat eingeräumt, bis vor "etwa fünf Jahren" Mitglied der NPD gewesen zu sein.

Das Problem: Bronk-Schüßler hat die BG nicht im Vorfeld seiner Nominierung über seine problematische Vergangenheit informiert; die Vorgänge sind erst auf Nachfragen unsere Redaktion publik geworden.

Bisher hat sich die BG nicht von ihrem Kandidaten nicht distanziert, für den Nachmittag haben Robert Bigge und Werner Sander, BG Lippetal, zu einem gemeinsamen Gespräch eingeladen. Es wird eine eindeutige Stellungnahme der beiden erwartet. 

Wir selbst haben die Vorgänge in der BG kommentiert. Was meinen Sie?

"Die BG gibt ein schwaches Bild ab"

"Demokratie muss NPD aushalten"

Wir berichten weiter. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare