Widerstand gegen Windräder im Lippetaler Norden

Schon seit Längerem plant ein Investor, in Lippetal vier weitere Windräder zu errichten.

LIPPETAL - Weil einige Anwohner weiterhin Sturm gegen die geplanten Windkraft-Anlagen im nördlichen Gemeindegebiet laufen, hat sich der Bauausschuss noch einmal mit dem Thema beschäftigt. Die Entscheidung vom 20. März wurde dabei jedoch nicht zurückgenommen.

Einstimmig hatte der Gemeinderat im Frühjahr dafür gestimmt, die Höhenbeschränkung für Windräder in den Zonen nördlich von Herzfeld aufzuheben. Hintergrund ist der Plan eines Investors, vier Anlagen zu errichten, die aus heutiger Sicht eine durchaus gängige Höhe aufweisen, für den bis dahin geltenden Flächennutzungsplan jedoch zu groß sind.

Eine der Grundlagen für die Entscheidung im März war der „Landschaftspflegerische Begleitplan“ einer Aachener Umweltberatungsfirma gewesen, der die Baumaßnahme für artenschutzrechtlich unbedenklich erklärt hatte. Auch das Landschaftsbild sowie die Erholungsfunktion würden nicht signifikant herabgesetzt, weil bereits ähnliche „Vorbelastungen“ durch andere Windenergieanlagen, Hochspannungsleitungen und die Türme des Kraftwerks in Hamm-Uentrop bestünden.

An diesem Gutachten üben einige Anwohner jedoch deutliche Kritik. So seien bei Untersuchungen in den Gemeinden Beckum und Wadersloh, deren Potenzialgebiete in unmittelbarer Nähe zu den Lippetaler Windkraftzonen liegen, sehr wohl artenschutzrechtliche Bedenken ermittelt worden, unter anderem in Bezug auf Rotmilan, Kiebitz oder Uhu. Auch sei die Belastung des Landschaftsbildes wesentlich höher einzustufen.

Im Bauausschuss stellte sich nun vor allem die Frage, inwieweit sich trotz der neuerlichen Vorwürfe überhaupt Handlungsbedarf für die Gemeindepolitik ergibt. Denn zum einen seien die Windkraftzonen ein Thema, das bereits eingehend beraten worden sei, so Bürgermeister Matthias Lürbke: „Dabei haben wir viele der Argumente schon einmal abgewogen und zurückgewiesen.“

An den Konzentrations-Bereichen, die im übrigen bereits seit 14 Jahren feststünden und gegen die jahrelang keine Einsprüche gekommen seien, wolle man verwaltungsseitig weiter festhalten. Die Bezirksregierung habe hierzu auch eine positive Bescheinigung ausgestellt.

Zum anderen könnten die neuen Bedenken durchaus noch an anderer Stelle berücksichtigt werden: Beim Kreis Soest. Dort nämlich wird die eigentliche Baugenehmiggung erteilt. „Der Kreis prüft sehr penibel“, so Lürbke. Sicher werde in diesem Zusammenhang auch die Aachener Beratungsfirma mit der Kritik an ihren Ergebnissen konfrontiert. „Das ist ein Abwägungsprozess beim Kreis. Wenn sich dabei herausstellt, dass die Vorwürfe wahr sind, dann hat der Investor ein Problem, aber nicht wir.“ Mit der erneuten Diskussion wolle man nur den Bürgern signalisieren, dass ihre Bedenken ernst genommen würden.

Zumindest bei den Gästen, die der Ausschusssitzung beiwohnten, kam das nicht an: „Wir fühlen uns überhaupt nicht ernst genommen. Da gibt es neue Fakten und die Mehrheit reagiert einfach nicht darauf“, so Anwohner Ludger Ebel nach der Sitzung.

Deutliche Kritik an den Anwohnern übte Robert Schulze-Hönighaus (CDU). Er warf ihnen vor, nach dem Sankt-Florians-Prinzip zu handeln – also die Windkraft zu befürworten, aber dagegen zu sein, wenn man selbst von Nachteilen betroffen sei. „Sehr unfair fand ich den Vorwurf, der Gemeinderat gefährde die Gesundheit der Bürger. Wir haben uns mehr als einmal intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, müssen nun einmal die Belange aller berücksichtigen.“

In eine andere Richtung argumentierte SPD-Ausschussmitglied Reinhard Pals. Er fühle sich durch die Gutachter-Firma „hinters Licht geführt.“ Die BG um ihren Vorsitzenden Hans-Joachim Mengeler hatte gar einen Antrag gestellt, das Thema auf Gemeinde-Ebene noch einmal aufzurollen, der jedoch bei nur drei Ja-Stimmen mit Mehrheit abgelehnt wurde – ebenso wie der Einspruch der Anwohner gegen die Konzentrationszonen.

Bürgermeister Lürbke wollte weiterer Kritik vorbeugen, indem er betonte, dass der Gemeinde keine finanziellen Vorteile wie etwa Gewerbesteuer-Einnahmen aus dem Projekt erwachsen würden. Auch wagte er einen Blick in die Zukunft, in der noch deutlich mehr Windkraft-Diskussionen auch auf die Gemeinde Lippetal zukommen würden: „Es kann gut sein, dass die Gemeinde in Zukunft sowieso keine Planungshoheit mehr bei diesem Thema hat. Da tut sich in Nordrhein-Westfalen derzeit einiges.“ - tob

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