Auch der Bürgermeister sitzt im Homeoffice: Matthias Lürbke  zur aktuellen Situation der Gemeinde

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Auch Bürgermeister Matthias Lürbke arbeitet derzeit von zu Hause.

Lippetal – Das Leben in der Gemeinde Lippetal steht derzeit still. Schulen und Kindertagesstätten, Restaurants, Geschäfte, das Rathaus sowie alle öffentlichen Einrichtungen sind geschlossen. Die Coronakrise ist auch in Lippetal angekommen und stellt die Gemeinde vor große Herausforderungen. Bürgermeister Matthias Lürbke, der zurzeit ebenfalls im Homeoffice zuhause arbeitet, beantwortet aktuelle Fragen von Michael Dülberg zu verschiedenen Lebensbereichen.

Was ist mit der ersten Abiturprüfung in der Gemeinde Lippetal? Gibt es die Prüfungen überhaupt? Kann gefeiert werden? 

Unsere Abiturienten stehen jetzt enorm unter Druck. Jeden Tag gibt es neue Meldungen zum Abitur. Stand heute finden die Prüfungen statt, werden nur verschoben. Dass es sich um den ersten Lippetaler Abi-Jahrgang handelt und dieser vermutlich nicht wie geplant in großem Rahmen gefeiert werden kann, ist unglaublich schade. Viel wichtiger ist aber, dass unsere Schüler/innen ihr verdientes Zeugnis bekommen. Und wir werden bestimmt Ideen haben, wie wir zum späteren Zeitpunkt gebührend feiern. 

Was findet in den Schulen derzeit statt? 

Dort wo sonst hunderte von Kindern lernen, spielen und toben, sind nun noch wenige Kinder in der Notbetreuung. Das ist schon bedrückend. Natürlich sind unsere Schulleitungen, Lehrkräfte, die Sekretariate und die Hausmeister zeitweise vor Ort. Unsere Gebäudewirtschaft nutzt die Zeit nun, um Reparaturen und Unterhaltungsarbeiten durchzuführen. Auch die Grundreinigungsarbeiten sollen womöglich vorgezogen werden. 

Stehen Beratungsangebote für Eltern und Kinder bereit? Gibt es da Ansprechpersonen vor Ort? 

Die Schulleitungen und das Kollegium sind für die Kinder und Eltern erreichbar. Da gibt es ganz kurze Wege. Aber auch die Schulsozialarbeiterinnen bieten wochentags von 8 bis 12 Uhr eine Telefonsprechstunde an. Kinder und Eltern können ihre Fragen und Sorgen mit den Schulen besprechen. 

Wie ist die Situation bei den Lippetaler Sportvereinen? 

Teilweise richtig dramatisch. Alle Sportstätten mussten gesperrt werden. Wettkämpfe und Training können nicht stattfinden. Einige Sportvereine müssen um ihre Existenz bangen. So mussten die Reitvereine ihren Reitschulbetrieb einstellen und haben keine Einnahmen, um die laufenden Kosten zu decken. Wir hoffen, dass von Bund und Ländern auch für solche Notlagen Hilfen bereitgestellt werden. Betroffene Vereine können sich bereits jetzt an den Kreissportbund Soest wenden, der sie berät bzw. an die zuständigen Stellen weitervermittelt. 

Kann ich mich sozial einbringen, wenn ja wo? 

Viele Menschen engagieren sich derzeit in der Nachbarschaft oder im Bekanntenkreis. Da ist ein ganz besonders starker Zusammenhalt, den ich in Lippetal erlebe. Über den Kreis Soest kann man sich als Nachbarschaftshelfer in eine Liste eintragen lassen. Wir bekommen darüber eine wachsende Anzahl an freiwilligen Helfern gemeldet. Das Lippetaler Kleeblatt vermittelt dann an diejenigen, die Hilfe benötigen. Von Lippetalern für Lippetaler – das ist großartig und dafür bin ich sehr dankbar. Ich kann nur an alle älteren und kranken Menschen in Lippetal appellieren: Nehmen Sie die Angebote an. Rufen Sie einfach beim Lippetaler Kleeblatt an, Telefon 02923/980264. Alternativ können Menschen, die anderen ihre Hilfe anbieten möchten, einfach bei uns im Rathaus anrufen, Telefon 02923/9800. 

Bleibt unsere Versorgung vor Ort ausreichend gesichert? 

Natürlich wurden auch in Lippetal Hamsterkäufer getätigt und manch ein Produkt steht nicht immer in den Regalen. Aber auch die Supermarktbetreiber und ihre Mitarbeiter machen einen tollen Job und arbeiten auf Hochtouren, um die Regale schnell wieder voll zu machen. Um die Versorgung mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs braucht sich in Lippetal zurzeit niemand Sorgen zu machen. 

Welche Angebote können die Lippetaler Gewerbetreibenden noch unterbreiten? Gibt es kreative Lösungen? 

Unsere Unternehmer und ihre Mitarbeiter sind ganz besonders hart von der Krise betroffen. Sie stehen vor existenziellen Herausforderungen. Umso mehr bin ich vom Ideenreichtum unserer Betriebe begeistert. In kürzester Zeit wurden hier Liefer- und Abholmöglichkeiten für die Versorgung der Bürger aus dem Boden gestampft. Ein toller Service, der nun hoffentlich von allen Lippetalern unterstützt und genutzt wird. 

Wie gestaltet sich der Alltag des Bürgermeisters? 

Total anders als vorher. Jeden Tag Telefon- oder Videokonferenzen, zum Beispiel mit den Bürgermeisterkollegen im Kreis oder unserem Krisenstab. Mir geht es da, wie vielen anderen auch. In einer Hand das Telefon, die andere am Computer und meist noch ein zweiter Bildschirm dazu. Auch bei uns mussten in den letzten Tagen die Pandemiepläne in Verwaltung, Schulen, Bauhof und Kläranlage umgesetzt werden. Dazu sind die vielen Kontrollgänge und ein einheitliches Vorgehen zu organisieren. Nach einer Woche mit Ausgangsbeschränkung merke ich, wie sehr mir der persönliche Kontakt fehlt. Der gehört zu meinem Beruf einfach dazu. Gerade jetzt würde ich gerne mit den besorgten Lippetalern persönlich sprechen. 

Besteht die Gefahr, dass Investitionen nicht getätigt werden können, weil Gewerbesteuereinnahmen wegbrechen? 

Die Gefahr sehe ich bislang nicht. Natürlich werden auch wir deutliche Einbußen haben wie bei der Gewerbesteuer. Unser Haushalt ist zwar sehr stabil aufgestellt, aber ohne finanzielle Unterstützungen von Bund und Ländern werden auch wir Probleme bekommen. Ich hoffe, dass es einen Rettungsschirm auch für die Städte und Gemeinden geben wird. 

Gibt es weiter standesamtliche Trauungen oder wird auf das Heiraten verzichtet? 

Paare, die einen festen Trautermin vereinbart hatten, werden auf Wunsch auch getraut. Hier kommt aber nur das Brautpaar mit dem Standesbeamten zusammen – ohne Trauzeugen, ohne Gäste. Das wird gerne angenommen, auch wenn sich alle Beteiligten die Zeremonie sicher anders vorgestellt haben. Ein kleiner Trost: Es sind die ersten Paare, die im neu eingerichteten Trauzimmer im Rathaus getraut wurden und das ist wirklich sehr schön geworden.

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