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Mit Gleichstrom „marsch“ ab 2030

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Von: Michael Dülberg

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Das Umspannwerk nahe des Dreiländerecks Hamm/Welver/Lippetal ist das Ziel der künftigen Stromtrasse aus dem hohen Norden.
Das Umspannwerk nahe des Dreiländerecks Hamm/Welver/Lippetal ist das Ziel der künftigen Stromtrasse aus dem hohen Norden. © Dülberg, Michael

Die Energiewende könnte in den kommenden Jahren auch die Gemeinde Lippetal tangieren, dann nämlich, wenn eine der beiden möglichen östlichen Trassen für Stromkabel aus dem Bereich zwischen Ahlen und Beckum zum Anknüpfungspunkt am Umspannwerk Lippborg führen sollten. Eine dritte zurzeit ebenfalls in der Überprüfung befindliche Trasse führt von Norden kommend westlich um Ahlen herum und ebenfalls westlich der Autobahn 2 nach Uentrop. Die Firma Amprion GmbH aus Dortmund ist mit der Umsetzung des vom Gesetzgeber beauftragten Projektes betraut und hat jetzt in einer öffentlichen Online-Veranstaltung über den Status Quo des Projektes informiert.

Lippetal - Es geht um eine 270 Kilometer lange Stromleitung von Offshore-Windkraft-Anlagen aus Wilhelmshaven an der Nordsee nach Nordrhein-Westfalen in den Bereich um das Kraftwerk-Westfalen an der Lippe am sogenannten „Dreiländereck“ Welver-Hamm-Lippetal. Strom vom Meer in den Westen Deutschland zu transportieren, wo er von Industrie, Gewerbe, Kommunen und Bürgern gebraucht wird, das ist das Ziel.

Gewaltige Kabel

Wo Kohlestrom abgeschaltet wird, wie zuletzt am Kraftwerk „Westfalen“ bei Uentrop, so dass die Schornsteine irgendwann nicht mehr „rauchen“, muss die bereitzustellende Energie ersetzt und wegen der steigenden Nachfrage nach Strom zum Beispiel durch die Zunahme der Elektrofahrzeuge auch ganz erheblich gesteigert werden.

In diesem Fall sind vier Gigawatt-Leistung bei 525000 Volt Spannung durch klimaneutralen Öko-Strom geplant, das entspricht laut Projektsprecher Tobias Schmidt von Amprion der Leistung von fünf modernen Kohlekraftwerksblöcken, wie zuletzt zwei davon in Uentrop gebaut worden waren. Das Kraftwerk wurde Ende 2020 weitgehend abgeschaltet. Einer der Blöcke war wegen eines Baufehlers im Kühlturm gar nicht ans Netz gegangen.

Die gewaltigen Kupferkabel für Gleichstromleitungen mit einem Durchmesser von 15 bis 20 Zentimetern enden demnächst an einem Konverter, der den Gleichstrom aus dem Kabel wieder in Wechselstrom umwandelt. Dieser Umwandler wird in einer Industriehalle mit erheblichen Ausmaßen eingebaut.

Die Größe der Anlage hängt von der Anordnung der benötigten Komponenten ab. Der Standort dafür liegt im Bereich eines Umkreises von 10 Kilometern Durchmesser (auf der Karte der schraffierte Bereich) zwischen Hamm-Werries im Westen, Beckum im Norden, Lippborg im Osten und Welver im Süden. Der Bauplatz soll samt Umgebung rund acht Hektar groß sein und möglichst nahe am Umspannwerk Lippborg liegen, in das der Strom eingespeist werden wird. Für den Landerwerb wird derzeit ein Eigentümer gesucht, der die benötigten Flächen abgeben könnte und möchte.

Bis zu 40 Meter breit

Die jetzt in der Planung befindlichen Trassenkorridore haben eine Breite von je einem Kilometer, die ausgebaggerten Kabelgräben werden dann 30 bis 40 Meter breit offengelegt. Wegen des Gewichts der Kabelrollen kann maximal eine Länge von 1,2 Kilometern pro Kabelstrang transportiert werden und dann an einem Strang etwa 1,50 bis 1,80 Meter tief verlegt werden. Daran werden weiterführende Kabel mit Muffen unterirdisch verbunden. Die zwei für den Gleichstrom notwendigen Hochleistungskabel werden in einer Wanne aus Spezialbeton verlegt, sodass die entstehende Wärme absorbiert wird.

Baubeginn 2027

Laut Tobias Schmidt von Amprion wird sich die unterirdische Leitung an der Oberfläche auch mit ihrem magnetischen Feld rund um die Kabelstränge an der Oberfläche kaum bemerkbar machen, gesetzliche Grenzwerte würden deutlich unterschritten. Landwirte könnten dort bis zum 15 bis 20 Meter breiten Schutzstreifen, in dem keine Bäume wachsen dürfen, ungehindert ackern und pflügen.

Die weitere Bundesfachplanungen mit den Planfeststellungsverfahren für die genauen Kabeltrassen und Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Anwohner beginnen im kommenden Jahr. Danach wird das Vorhaben nach und nach umgesetzt. Baubeginn soll 2027 sein. Mit dem ersten Strom, der von Wilhelmshaven nach Uentrop fließen wird, rechnet Amprion voraussichtlich im Jahr 2030. Die mögliche Betriebsdauer wird erst einmal auf 40 Jahre geschätzt.

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