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Vermessungsschiff der Bezirksregierung in Lippetal unterwegs

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„Die Lippe, ein Fluss, den zu entdecken es sich lohnt“, schrien unser Leser Lothar Gottwald, der uns dieses Foto schickte. Es zeigt ein Vermessungsboot der Bezirksregierung.
„Die Lippe, ein Fluss, den zu entdecken es sich lohnt“, schrien unser Leser Lothar Gottwald, der uns dieses Foto schickte. Es zeigt ein Vermessungsboot der Bezirksregierung.

LIPPETAL - Schiffe sind in Lippetal eher eine Seltenheit. Ab und an können aufmerksame Beobachten jedoch ein Boot sichten, dass über die Lippe schippert. Es ist aber kein Ausflugsdampfer, der Lippe-Touristen durchs „natürliche“ Lippetal befördert...

Früher wurde getreidelt, Pferde zogen die Schiffe auf der Lippe schon für die alten Römer gegen den Strom nach Osten. Später gab es auch Motorkähne, die Sand und andere Lasten über den Fluss schipperten. Heute gibt es eigentlich nur noch Kanuten, die den Fluss befahren – doch manchmal begegnet dem Lippetaler auch ein Schiff. Es ist aber kein Ausflugsdampfer, der Lippe-Touristen durchs „natürliche“ Lippetal schippert.

Es handelt sich bei dem Boot „Alveus“ mit Honda-Außenbordmotor um ein Vermessungsboot der Bezirksregierung in Arnsberg. Was aber hat es mit dem Schiffchen auf sich?

Jahrzehnte war die Lippe in ein enges und tiefes Bett aus Steinwällen eingekesselt. Das Wasser floss schnell, hatte zeitweise schlechte Qualität und die Artenvielfalt war damit bedroht. So fanden heimische Fischarten gar keine Flachzonen vor, in denen sie hätten Laich ablegen können.

Doch dann wendete sich das Blatt, nachdem Grüne immer mehr Umweltbewusstsein in die Politik eingeführt hatten. Schon im vorigen Jahrhundert begann mit der Entfesselung des Flussbettes die Kehrtwende.

Inzwischen sind weite Strecken der Lippe zwischen der Quelle in Bad Lippspringe und der Mündung in den Rhein bei Wesel renaturiert. Die Naturschutzgebiete Klostermersch, Disselmersch und Wulf-Anepoth sind Beispiele dafür in Lippetal.

Überprüfung der Ablauf-Funktion

Und diese Renaturierung muss in einer besiedelten Kulturlandschaft genau beobachtet werden, einerseits um die Renaturierung zu dokumentieren und zum anderen, um schädliche Entwicklungen zu erkennen, die die Entwässerungsfunktion des Flusses beeinträchtigen könnten. So sind zum Beispiel Kläranlagen und Landwirtschaft darauf angewiesen, dass der Fluss diese Ablauf-Funktionen erfüllt und Hochwässer nicht zu großen Schaden anrichten.

Ulrich Detering, Dezernent für Wasserwirtschaft von der Umweltbehörde der Bezirksregierung, erläuterte dazu, dass es Absicht sei, die dynamische Veränderung des renaturierten Lippeflusses weitgehend zuzulassen. Dazu sei es wichtig, die Veränderungen am Ufer und im Flussbett genau zu beobachten. Zu diesem Zweck bedient sich die Umweltbehörde einer teuren und modernen Messtechnik, nämlich so genannter „Fächer-Echolote“. Das sind zwei am Bug des Bootes befestigte „Radarscheiben“, die bei der Überfahrt Quadratzentimeter genaue Messdaten der Flusssohle abliefern.

Der Vorteil des Systems besteht in der schnellen und flächendeckenden Aufnahme der Gewässersohle in einer Messfahrt. Durch die in 30˚ von der Horizontalen geneigten Messköpfe wird die komplette Morphologie (Struktur und Form) des „Flussschlauches“ in einem Arbeitsgang erfasst.

Messdaten helfen, den Fluss zu verstehen

Später werden die Messdaten in dreidimensionale Bilder verwandelt, welche wiederum in Luftbilder der jeweiligen Region einmontiert werden.

So lässt sich der Fluss in der Landschaft in allen Details abbilden. Wenn regelmäßig gemessen wird, können die Experten die Bilder vergleichen und Entwicklungen schon im Zentimeter-Bereich abbilden und erkennen. So wird es möglich, den Fluss zu verstehen, Prognosen zu erstellen, gegebenenfalls einzugreifen und schädliche Entwicklungen abzuwenden.

„Alveus“ hat ein breites Einsatzgebiet

Das Messboot „Alveus“ ist in Lippstadt stationiert, wo es seine Messfahrten in Richtung Lippesee-Paderborn nach Osten und in Richtung Hamm-Wesel bis zum Rhein nach Westen startet. Ulrich Detering berichtet, dass die teure Technik auch schon in anderen Regierungsbezirken eingesetzt worden ist.

So wurden die Ems für die Bezirksregierung Münster und die Ruhr sowie auch die Sieg-Sohle an der Mündung in den Rhein aufgezeichnet. Auch in Zukunft werden diese Gewässer und ihre Entwicklung im Sinne der erfolgreichen Renaturierung und der erwünschten Entwässerungsfunktion weiter genau beobachtet. - dümi

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