Von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein

Der Lippe geht es schlecht: Zu viel Nitrat im Wasser

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Harald Gülz ow (links) und Milan Toups vom VSR-Gewässerschutz ziehen an der Lippe eine Wasserprobe. Foto: VSR-Gewässerschutz

Lippetal – „Die intensive Landwirtschaft im Einzugsgebiet führt dazu, dass die Lippe von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein eine zu hohe Nitratkonzentration aufweist.“ Das behauptet der Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebenflüsse (VSR-Gewässerschutz).

Er kommt nach der Auswertung einer Messfahrt vom Februar 2018 an der Lippe erneut zu dieser Interpretation. Die Messungen ergaben laut VSR an der gesamten Lippe und an den Mündungen der Nebenbächen unerwünscht hohe Werte. „Bei der Auswertung fiel uns auf, dass im Lippeeinzugsgebiet der ökologische Landbau gegenüber anderen Flusseinzugsgebieten eine sehr geringe Fläche ausweist.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. 

An der Quelle geht es los

Bereits die Karstquelle der Lippe in Bad Lippspringe sei hoch Nitrat belastet. Bis nach Paderborn bleibe die Belastung unverändert hoch. Nach dem Zufluss der Pader und der Alme steige die Nitratkonzentration in der Lippe weiter. Hier finde sich die höchste gemessene Belastung auf dieser Messfahrt. 

Erst nach dem Zufluss des Wassers aus dem Lippesee sinke die Konzentration. Durch Lippstadt und Lippetal bis Hamm bleibe die Nitratbelastung dann konstant. Durch den Zufluss der stark belasteten Ahse stiegen die Werte wieder deutlich an. Mit geringen Schwankungen durch den Zufluss der Seseke bleibe die Nitratbelastung in der Lippe bis Datteln auf diesem sehr hohen Niveau. 

Am Ende in die Nordsee

Ab hier fließt die Lippe am nördlichen Rand des Städtekomplexes Ruhrgebiet weiter. Der wasserreichste Nebenfluss, die mit Stever, senkt laut VSR den Nitratwert der Lippe. Im weiteren Verlauf verringert sich die Nitratkonzentration. Nach Passieren der Lippeauen im Mündungsraum, strömt die Lippe letztlich mit einem durchschnittlichen Nitratwert dem Rhein zu. Dieser transportiert die Nährstoffe in die Nordsee.

Andere Stimmmen

Dr. Harald Lopotz, Landwirtschaftskammer: Die Lippe weist keine Überschreitung des Aktionswertes in Höhe von 50 mg Nitrat/l auf, was auch die nicht amtlichen Messungen des VSR-Gewässerschutz e.V. bestätigen. Nach der obigen Herleitung ist der chemische Zustand der Lippe für den Umweltqualitätsparameter Nitrat als „gut“ einzustufen.

Anne-Kathrin Lappe, Lippeverband in Essen:„Die Nitratbelastung des Grundwasserkörpers ist in der Tat ein großes Problem“, Als Wasserwirtschaftsverband haben wir die Erwartung an die EU, dass im Rahmen der Neuverhandlungen zur gemeinsamen Agrarpolitik deutliche Impulse für eine nachhaltigere Landwirtschaft gesetzt werden. Eine Maßnahme könnte sein, Leistungen stärker zu prämieren, die dazu dienen, die landwirtschaftliche Produktion umweltverträglicher zu gestalten. Die Themen Gewässerschutz und Biodiversität müssen zukünftig in den Fokus rücken. 

Dr. Margret Bunzel-Drüke (ABU): „Es ist nicht alles ganz richtig bei Stickstoff und Nitraten und Grenzwerten, was der VSR so ausgerechnet hat. Diese erheblichen Belastungen aus Landwirtschaft und Kläranlagen sind lange bekannt und unerfreulich, es gibt aber Schlimmeres in der Lippe und zwar Mikroschadstoffe , Pflanzenschutzmittel, Phosphorverbindungen und Rückstände von Medikamenten wie den Wirkstoff Diclofenac sowie Salze, die mit Grubenwasser in die untere Lippe eingeleitet werden.

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