Zeichen jüdischer Vergangenheit

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In der Flur „Heidebrügge“ östlich vor Herzfeld liegt der Herzfelder Judenfriedhof. Seit 2007 steht er wie die anderen in Lippetal unter Denkmalschutz. Die Gemeinde ließ damals den neuen Gedenkstein aufstellen und mäht regelmäßig den Rasen.

Lippetal – Stolpersteine erinnern demnächst in Hovestadt und Oestinghausen an jüdisches Leben in Lippetal. Das hat der Verein für Brauchtum und Heimat aus Oestinghausen initiiert und ist vom Rat beschlossen.

Auch die Messingtafeln warnen vor dem neu aufkeimenden Antisemitismus in Deutschland. „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“, dieser Satz aus der Parabel „Der aufhaltsame Aufsteig des Arturo Ui“ von Berthold Brecht enthält scheinbar auch heute noch eine Menge Wahrheit.

Vom jüdischen Leben in Lippetal zeugen auch vier Friedhöfe. Es sind kleine Judenfriedhöfe in Herzfeld, Hovestadt, Schoneberg und Oestinghausen, die auf abgelegenen Wegen liegen. In Lippetal findet sich an erster Stelle der etwa einen Morgen Fläche große Judenfriedhof am Postweg im Bereich von Schoneberg. 

49 Grabsteine am alten Postweg

Hier stehen teils aufrecht, teils vornüber gebeugt insgesamt 49 gut erhaltene Grabsteine aus Grünsandstein in Reihe, mit einigen hebräischen Inschriften. Der Friedhof wird von Vereinsmitgliedern aus der Umgebung gepflegt. Offenbar gibt es sogar noch Beziehungen von Lebenden mit den hier Bestatteten, denn immer wieder finden sich Blumenschmuck oder Kerzen auf den Grabstätten. Der Friedhof Schoneberg wurde 1830 an der damaligen „Alten Poststraße“ zwischen Wesel und Berlin angelegt. Die Erstbestattung 1831 war Ester Joseph, die Witwe des Kaufmann Daniel Berliner. 

Drei Grabsteine im Krähenbrink

Der Vorgänger dieses Friedhofs befindet sich östlich von Schloss Hovestadt im Wäldchen „Krähenbrink“, östlich vom „Althoff“ das dem Grundbesitz der gräflichen Familie von Plettenberg zählt. Der Friedhof besteht heute aus drei Grabsteinen, von denen zwei noch als solche erkennbar sind. Der Friedhof Krähenbrink wurde schon vor dem Jahre 1830 von der Synagogengemeinschaft Hovestadt aufgegeben. Zur Gemeinschaft gehörten übrigens damals weiterhin die Dörfer Oestinghausen, Weslarn, Dinker, Vellinghausen-Eilmsen und Herzfeld.

Gemeinde Lippetal stiftet neuen Gedenkstein

In Herzfeld gibt es am östlichen Ortsrand den Judenfriedhof „Heidebrügge“. Die Herzfelder Juden gehörten einst zur Synagogen-Gemeinschaft Hovestadt, beerdigten aber auch hier. Heute existiert nur noch ein Grabstein-Fragment des alten Friedhofs, weil angeblich ein Bombeneinschlag den Friedhof komplett zerstört hat. Den neuen Gedenkstein hat 2007 die Gemeinde Lippetal hier aufgestellt. Die Gemeinde pflegt auch das kleine Grundstück. Der vierte Judenfriedhof liegt am „Stahlberg“ und „Behrensberg““ in Oestinghausen. Der dreieckige Gottesacker ist 480 Quadratmeter groß. Die ersten Bestattungen fanden 1832 statt, die letzten waren Therese und Nathan Neukircher, die neben dem heutigen Kindergarten an der Hovestädter Straße gewohnt hatten.

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