Verkehrsführung hat es in sich

Nach tödlichem Unfall: Anwohner sehen Gefahrenpotenzial am Kreisverkehr - Behörden haben andere Ansicht

Hier kam eine 65-jährige Frau zu Tode. Die Behörden sehen keinen Unfallschwerpunkt.
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Hier kam eine 65-jährige Frau zu Tode. Die Behörden sehen keinen Unfallschwerpunkt.

Ein Kreisverkehr in Lippetal-Herzfeld wird immer wieder zum Unfallschwerpunkt - das sagen auch Anwohner. Die Behörden haben eine andere Meinung.

Herzfeld - Der vielbefahrene Kreisverkehr, die abknickende Vorfahrt in Richtung Diestedde, der Abzweig in die Lippstädter Straße, dazu eine schmale Gasse, aus der viele Radfahrer Richtung Zentrum sausen: Diese Verkehrsführung mitten in Herzfeld hat es in sich, vor allem, wenn es zu den Stoßzeiten zum großen Verkehrsaufkommen kommt.

Die für die Verkehrsteilnehmer je nach Perspektive unübersichtliche Lage ist am Mittwochnachmittag einer Radfahrerin zum Verhängnis geworden. Nach einem Zusammenstoß mit einem Lastwagen wurde die 65-Jährige von der Zugmaschine überrollt. Die Frau starb noch an der Unfallstelle.

Der genaue Hergang soll durch ein Unfallgutachten ermittelt werden, das die Polizei in Auftrag gegeben hat. Klar ist, dass der Lkw in die Lippstädter Straße abgebogen ist. Im Einmündungsbereich kam es zu dem Unfall.

Eine Mitarbeiterin aus einem direkt benachbarten Geschäftshaus berichtete dem Anzeiger, dass der Lastwagen von Norden kommend auf der Diestedder Straße gewartet habe, um den bevorrechtigten Verkehr auf der abknickenden Vorfahrt vorbei zulassen.

Nach Zeugenaussagen, die der Polizei vorliegen, kam der Lkw dagegen aus dem Kreisverkehr, um von der Lippborger in die Lippstädter Straße abzubiegen, erläuterte Maike Wolf von der Pressestelle der Polizei. Übereinstimmend wird jedoch berichtet, dass der Lkw sehr langsam abgebogen sei und schnell zum Stehen kam. Die Radfahrerin kam demnach aus der Gasse vom Kirchplatz, die zwischen zwei Häusern auf die Lippstädter Straße mündete. „Wir wissen: Der Lkw war langsam unterwegs“, sagte Wolf. Dafür spreche auch der kurze Anhalteweg von etwa zehn Metern.

Dass in diesem Kreuzungsbereich nicht mehr an Unfällen passiert, sei bei der Verkehrsführung und dem zu Stoßzeiten hohen Verkehrsaufkommen ein Wunder, berichten Anlieger. Viele Autofahrer seien hier mit großer Geschwindigkeit unterwegs, diese gelte vor allem für diejenigen, die vom Kreisverkehr kommend Richtung Lippstädter Straße abbiegen, denn in diesem Verlauf haben sie Vorfahrt.

Vor allem mit Radfahrern, die dann aus der engen Gasse bei „Blatt und Blüte“ auf die Lippstädter Straße fahren, sei die Situation gefährlich. Wenn Radlergruppen vom Lippeauenweg durch die Gasse fahren und die ersten noch freie Fahrt haben, könne dies für die nachfolgenden Radler schon anders aussehen – und gefährlich werden.

Aus Behördensicht ist in diesem Bereich aber nicht von einem Unfallschwerpunkt auszugehen. Bei der Polizei und dem Straßenverkehrsdienst des Kreises sei für die vergangenen Jahre kein schwerer Unfall bekannt, erklärte Ordnungsamtsleiter Ludger Schenkel. Aus seiner persönlichen Einschätzung sei es kaum möglich, den Bereich mit erhöhter Geschwindigkeit zu durchfahren. Radfahrer, die durch die Gasse vom Kirchplatz kommen, könnten wegen des Gehwegs zudem ausreichend sehen, um den Querverkehr zu beachten.

Bei die Erstellung eines Verkehrskonzepts für die Lippstädter Straße, allerdings mit Fokus auf die Schulen und Kindergärten, war der Bereich Diestedder Straße/Lippstädter Straße zwar auch einbezogen. Dabei ging es aber um die Frage, ob eine zusätzliche Linksabbiegerspur möglich sei, um die Rückstaus zu vermeiden. Ergebnis: Dafür reicht der Platz nicht aus.

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