Unbekannte enthaupten Nepomuk-Statue

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Nepomuk soll bald wieder komplett sein. Unbekannte haben das Denkmal in Kesseler „enthauptet“.

Kesseler - Seit dem 17. Jahrhundert grüßt der Heilige Nepomuk an der Kesselerstraße die Vorbeifahrenden. Wind und Wetter haben Spuren hinterlassen, aber der betagte Herr aus Sandstein zeigte sich ansonsten gut in Schuss. Nun haben Unbekannte der mannshohen Figur mit roher Gewalt den Kopf abgerissen.

Familie Wilhelms hegt und pflegt das Denkmal seit vielen Jahren. An einen solchen Vorfall kann sich Josef Wilhelms trotzdem nicht erinnern: „Da war viel Kraft im Spiel“, glaubt er an ein übertriebenes nächtliches Imponiergehabe. Vermutlich haben der oder die Täter den Sockel erklommen und sind Nepomuk von hinten ans Haupt gegangen. Sonst wäre diese massive Zerstörung gar nicht möglich gewesen. 

Der Zusammenhang mit der Karnevalsparty in Lippborg, wo Jürgen Drews am Freitag Abend im pickepacke vollen Zelt „Ein Bett im Kornfeld“ schmetterte, liegt nahe. „Wenn etwas Größeres wie Schützenfest gefeiert wird, sieht man das sofort entlang der Straße“, berichtet Josef Wilhelms aus leidvoller Erfahrung als Anlieger der direkten Verbindung zwischen Lippborg und Herzfeld. Allerdings beschränkten sich die Vandalismus-Aktionen bisher meist auf ausgerissene Leitpfosten. 

Familie verzichtet auf Anzeige

Auf eine Anzeige verzichtet die Familie übrigens: „Bringt nichts.“ Allerdings hofft man auf dem Hof, den mittlerweile Sohn Ludger bewirtschaftet, dass sich bei den Tätern die Einsicht durchsetzt, dass ihre nächtliche „Enthauptung“ eine Schnapsidee war. 

Dass der Vorgang eben auf einen zu tiefen Blick ins Glas zurückzuführen ist, davon geht die stellvertretende Bürgermeisterin Margret Strunk fest aus: „Persönlich finde ich es entsetzlich, dass Denkmäler, die zu unserer Geschichte gehören, von manchen Menschen so gering geachtet werden. Auch Alkohol ist da für mich keine Entschuldigung.“ Eine Nachbarin hat den Kopf mittlerweile beim Gassigehen gefunden. 

Der heilige Nepomuk

Johannes Nepomuk oder Johannes wurde um 1350 in Pomuk bei Pilsen geboren, er starb am 20. März 1393 in Prag und gilt als böhmischer Priester und Märtyrer. Nepomuk wurde später von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen und wird bis heute als „Brückenheiliger“ und Patron des Beichtgeheimnisses verehrt.

Mit einem Spezialkleber soll in Kürze der kopflose Nepomuk demnächst wieder komplett werden. Das wäre zu wünschen, denn immerhin ist der Heilige am Straßenrand alle vier Jahre offizielle Station der Fronleichnamsprozession. Wer genau auf den Sockel schaut, kann noch die ursprüngliche Inschrift erahnen: „Bewahre uns vor Wassernot, steh’ uns bei in unserem Tod“, heißt es dort unter anderem.

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