Lage für Gastgewerbe miserabel

"Tönnies" setzt Wirten an der Lippe-Grenze noch mehr zu

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Peter und Beatrix Schäfer: „Die Lage ist auch nach den Lockerungen sehr bescheiden.“

Lippetal – „Wir sind total betroffen und das nicht erst seit dem zweiten Lockdown“, das sagt Maria Urbaniak (57) zur Lage nach dem erneuten Stillstand im Kreis Warendorf. Urbaniak ist Chefin im Landhaus Patenholz in Dalmer nahe dem Höxberg bei Beckum.

Ihr Geschäft ist seit gut 30 Jahren die Vermietung von großen Räumen und Ausrichtung von Feiern und Partys aller Arten. Geburtstage, Kommunion, Firmen- Hochzeits- und Weihnachtsfeiern, gehören unter anderem zum Spektrum. „Seit Corona sind wir total betroffen“, klagt die Wirtin und daran hätten auch die Lockerungen vor ein paar Wochen nichts geändert. 

„Die Kunden haben konsequenter Weise wegen Corona seit Mitte März alle Termine abgesagt“, und auch die Lockerungen mit Erlaubnis für Feiern mit unter 50 Personen hätten zunächst nichts gebracht. 

Zu ängstlich für große Feiern

„Die Leute sind einfach ängstlich“, stellt Maria Urbaniak fest und dafür hat sie natürlich auch Verständnis. Die Lage scheint irgendwie mulmig im Grenzgebiet zwischen dem nördlichen Lippetal im Kreis Soest und dem südlichen Kreis Warendorf. Geprägt ist der Raum münsterländisch mit vereinzelt liegenden Gehöften zwischen weiten Feldern und ausgedehnten Waldflächen vom Uentroper Wald im Westen über das Stockumer Holz, das Kerbtal am Brunskamp, den Bröggel, Löttenknapp und Wilde See bis zur Kluppe und dem Grenzweg ganz im Nordosten. Nachbarn sehen sich jetzt durch den Lockdown im Kreis Warendorf scheinbar getrennt, in der Praxis macht sich das jedoch nicht bemerkbar. 

Zum Einkauf wie immer nach Beckum

Zum Beispiel für Familie Schulze-Hönighaus vom Stockumer Weg nahe dem Golfplatz Stahlberg und nur 500 Meter vom Kreis Warendorf entfernt bleibt Beckum die nächstgelegene Einkaufsstadt. Deshab wird auch jetzt dort eingekauft. Die Regeln für Abstand und Mundschutz in den Geschäften gelten ja sowieso diesseits und jenseits der Grenzen der Landkreise. 

„Für uns hat sich nichts verändert“ 

„Für uns persönlich hat sich eigentlich nichts verändert, wir waren schon immer sehr vorsichtig in Sachen Corona“, erklärt Dietmar Rünker, der am Heienkamp nördlich von Herzfeld nur 5 Meter von der Grenze zum Kreis Warendorf wohnt. Ehefrau Susanne arbeitet in der Tagespflege bei der Caritas in Wadersloh im Kreis Warendorf, er selber in seiner Versicherungsagentur in Anröchte. In beiden Jobs haben sie die große Verantwortung für Mitarbeiter, Kunden und Hilfsbedürftige gespürt und die Corona-Regeln streng eingehalten. Ihr Lebensraum erstreckt sich allerdings privat kaum in den Kreis Warendorf. Einkäufe für den Haushalt werden zumeist in Lippetal oder Anröchte erledigt. 

Vereinzelte Gäste in Kluppe

Ganz im Nordosten der Gemeinde Lippetal nahe der Grenze zum Kreis Warendorf liegt der Gasthof Kluppe. Petra und Beatrix Schäfer kamen nach der Wende aus dem Osten hierher und bauten „Möllenhof Kluppe“ aus. Die Rentner halten den Gasthof mit Fremdenzimmern noch am Laufen. Seit drei Jahren versuchen sie, ihr Anwesen zu verkaufen. Bisher vergeblich. Und Corona verschlechtert noch die Aussicht auf einen respektablen Verkauf. 

Nur wenig Übernachtungen

„Die Lage ist sehr bescheiden, auch nach den Lockerungen“, sagt Peter Schäfer. Nur vereinzelt kämen Gäste zu Übernachtungen. „Die Küche bleibt kalt“, so der Gastwirt und Koch, es reiche nur noch so gerade zum Dahinvegetieren. „Selbst wenn mal ein paar Gäste auf dem Fahrrad vorbeikommen, die trinken ein Gläschen und sind dann wieder weg. Die nehmen ihr Bier lieber zuhause bei einem Kastenpreis von zehn Euro fuffzig.“

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