Neuer Verein "Tiere bauen Brücken":

Hunde sollen Herzen öffnen

Therapie auf acht Pfoten: Paul (rechts) und Else können würfeln und die Leckerli-Wippe bedienen – und gemeinsam mit Nicole Warnke Kinderherzen im Sturm erobern. Foto: Dahm

Herzfeld – „Es gibt berührende Momente, die meiner Arbeit so viel Sinn geben“, sagt Nicole Warnke. Wer sie über diese Arbeit reden hört, merkt schnell, dass es sich um eine echte Berufung handelt. Eine Herzensangelegenheit.

Die 53-Jährige besucht mit ihrem fünfjährigen Labrador Paul Kinder, die eine verkürzte Lebenserwartung haben. Manchmal sterbende Kinder, oft auch solche, die durch Krankheiten eingeschränkt sind. In Förderschulen lässt sie Kinder beim „Herzhorchen“ auf der Brust ihres Hundes liegen; in Einzeltherapien öffnet Paul mit seiner Schnauze ganz sanft verkrampfte Kinderhände; mit dem Leckerli-Katapult erleben Kinder Freude, wenn sie es nach intensiver Konzentration geschafft haben, dem Hund eine Belohnung zu servieren; und beim Knobeln hilft Paul, die Zahlen besser zu verstehen.

Warum das oft so gut klappt? „Paul kann Türen öffnen, wo ein Mensch keinen Zugang findet“, ist Nicole Warnke überzeugt, „er aktiviert ganz anders“. Wenn sie bei Kindern etwa mit ADHS bemerke, wie sich plötzlich etwas verändere, wenn plötzlich eine Verbindung entstehe, dann sei ihr Hund wie ein Brückenbauer hin in eine zuvor unzugängliche Welt.

Miley ist ganz konzentriert, wenn sie auf Pauls weichem Fell liegt und den Schlägen seines Herzens zuhört. 


Offiziell nennt sich das Gespann „Zertifiziertes Therapie-Assistenz-Begleithunde-Team“. Tatsächlich versteht sich das Duo als Brückenbauer. Und als Freudenspender. In ihrer Arbeit beim Soester Kinderhospizdienst etwa gehe es nicht ums Sterben, „sondern darum, Freude zu schenken und Fähigkeiten zu erweitern“, sagt Warnke. „Ich glaube, jeder Mensch hat eine Berufung, wenn er in sein Herz hört“, ist Nicole Warnke überzeugt. Sie selbst wollte als Kind Tierärztin werden, hat später lange im Hotelfach in aller Welt gearbeitet – und jetzt ihre Berufung gefunden. Über eine Ausbildung zur Tagesmutter, eine schon lang zurück liegende Ausbildung zur Sterbebegleiterin, der Ausbildung zur Begleiterin von „lebensverkürzt erkrankten Kindern“ bis zur Therapiehunde-Ausbildung fügen sich die Qualifikationen zu einem Muster, das sich nun in eine Form gießen will. Diese Form heißt „Tiere bauen Brücken“ – und ist der Verein, den Nicole Warnke mit sechs Gleichgesinnten gerade gegründet hat. Worum es dem Verein geht? Er will Mensch-Hund-Gespanne zu Besuchshunden ausbilden (Nicole Warnke: „Davon müsste es viel mehr geben“), die Öffentlichkeit über die Möglichkeiten der Therapiehunde informieren („Es ist so schade, dass das hier so wenig bekannt ist“), Assistenzhunde ausbilden („Epilepsie-Warnhunde schieben ihren Körper unter den Kopf, wenn jemand kollabiert, holen Telefone oder warnen schon, bevor ein Anfall kommt“) und einen Lebenshof schaffen („Das ist ein Ort, an dem Kinder kurz, aber auch langfristig leben können, wo es auch Tiere wie Esel, Schweine und Hühner gibt“).

Wie war das noch? Der Hund aktiviert ganz anders. Tatsächlich hat die Sache mit dem Hund Nicole Warnke so sehr aktiviert, dass sie diese Ziele nun fest im Visier hat. „Mit Tieren zu helfen ist etwas sehr Schönes“, sagt auch Hannes Ewers als Mitbegründer des Vereins. Der Herzfelder findet das Engagement von Nicole Warnke außergewöhnlich. Genau wie die Geschwindigkeit, mit der sie ans Werk geht: Im November hat sie die Ausbildung der Hündin Else (3) zur zweiten Therapie-Hündin abgeschlossen. Für den Verein hat sie gerade eine Spende von 1000 Euro von der Volksbank Hellweg bekommen, zudem läuft eine Crowdfunding-Aktion über 15 000 Euro und die ersten Termine für Vereinsaktivitäten sind auch schon koordiniert. „Durch meine Arbeit im Hotelbereich kann ich gut organisieren“, sagt Nicole Warnke. Und: „Ich glaube, da will nochmal etwas Großes in die Welt.“

Neuer Verein „Tiere bauen Brücken“

Das erste offene Treffen des Vereins „Tiere bauen Brücken“ findet am 8. Februar ab 15 Uhr in Herzfeld statt (der genaue Ort wird noch bekannt gegeben). Willkommen sind Interessierte und alle, die mit ihrem Hund eine Begleithunde-Ausbildung machen wollen. Anmeldungen und Infos unter Tel. 0176/50901397 oder per E-Mail an info@therapie-auf-4-pfoten.de. Weitere Infos im Internet unter www.therapie-auf-4-pfoten.de.

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