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Stürmische Zeiten am Sandweg

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Von: Michael Dülberg

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Baken beiseite und vorbei: Der Fahrer dieses Lieferwagens behauptete, eine Lizenz zum Öffnen der Sperrungsbaken zu besitzen. © Michael Dülberg

Lippetal – „Dass die Sperrbaken geöffnet werden, dass die Kabelbinder mit Schneidwerkzeugen durchtrennt werden und die die Straßensperren im Graben landen ist hier alltäglich“, beschwert sich eine Anliegerin über Vorkommnisse auf dem  „Sandweg“ zwischen B475 und der Kreuzung nach Niederbauer.

Dabei sei diese Strecke laut Beschilderung eigentlich für den gesamten Verkehr gesperrt. Dass das allgemeine Fahrverbot nicht gewollt sein kann, beweist jedoch alleine die Tatsache, dass es ein dutzend Anlieger gibt, die hier wohnen und die natürlich als Anlieger eine Strecke über den Sandweg fahren müssen, um über Wirtschaftswege zur Bundesstraße oder nach Niederbauer oder Hovestadt fahren zu können. 

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Sandweg-Sperrung an der B475 bei Oesterheide. © Michael Dülberg

Für Ludger Schenkel vom Ordnungsamt der Gemeinde Lippetal ist der „Hauptwirtschaftsweg“ Sandweg – die als Schleichweg beliebte Tangente von West nach Ost quer durch Lippetal zwischen Hovestadt und Oesterheide – nach wie vor eine Anliegerstraße. In Zusammenarbeit mit Straßen NRW und seinen Mitarbeitern organisiert Schenkel zurzeit die Umleitungen für die Baustelle auf der „Hovestädter Straße“ (Landesstraße 636 zwischen Hovestadt und Oesterndorf). Damit der westliche Sandweg zwischen der Kreuzung an der Straße „Zur Linde“, Abzweig Niederbauer/Kesseler nicht durch den Schwerverkehr und tausende Schleichweg-Nutzer zerbröselt und zu stark befahren wird, wurde das Stück für den Verkehr komplett gesperrt. Der östliche Teil des Sandweges von Niederbauer nach Hovestadt ist hingegen befahrbar. Dieser Teil des Sandweges ist wesentlich besser ausgebaut und kann mehr Verkehr vertragen und ist auch für den Busverkehr und die Landwirtschaft dort wichtig. Streng genommen ist auch hier das Durchfahren der Anliegerstraße als Abkürzung oder Schleichweg nicht gestattet. 

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Diese Bake landete bei Niederbauer im Straßengraben.

Das Ordnungsamt beobachtet mit Sorge, dass es Autofahrer gibt, die die Sperrungen des Sandweges und an der Straße „Zur Mühle“ am Wehr bei Kesseler ignorieren. Nachdem man die widerrechtlich beiseite geschobenenn Baken zunächst im Graben wiedergefunden hatte, wurden sie mit Kabelbindern verbunden. Auch das half nicht, denn die Plastikstränge wurden mit Schneidwerkzeug durchschnitten und die Baken danach beiseite geräumt. Das ist für Ludger Schenkel ein verbotener Eingriff in den Straßenverkehr. „Keiner sollte sich dabei erwischen lassen“, warnt der Ordnungsamts-Leiter vor Konsequenzen. Für ihn sind die Kritik einiger Anwohner und das Wegräumen der Fahrbahnsperren sowie eine üble „Schimpeferei“ zum Thema im Internet auch nur schwer nachvollziehbar, denn alle Anlieger können während der Umleitungszeit über relativ kurze Umwege über Wirtschaftswege zur B475 oder nach Niederbauer oder Hovestadt gelangen. Schenkel hat auch positive Resonanz aus dem Sandweg erfahren. Einige Anlieger freuen sich, dass hier jetzt Ruhe ist und weniger Fahrzeuge vorbeibrettern, denn eine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt es hier trotz dreier Bushaltestellen nicht. „Hier darf man 100 fahren“, beklagt eine Anliegerin und will festgestellt haben, dass teilweise viel zu schnell gefahren wird, was schon deshalb sehr gefährlich ist, weil es nahe des Sandweges viel Wald und damit auch viel Wildwechsel gibt. Inzwischen hat die Polizei die Straßensperrung überwacht und dabei sogar Bußgelder verhängt. Ein Gewerbetreibender beschwert sich darüber: „Da ich wohl nach Ansicht der Polizei nicht als Anlieger gelte, habe ich heute Morgen im Sandweg ein Bußgeld erhalten. Wenn ich als Gewerbetreibender aus Niederbauer keinen Anlieger darstelle, verstehe ich die Welt nicht mehr." 

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