Jungstörche nummeriert

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Michael Jöbges kennzeichnete gestern in luftiger Höhe die Jungstörche an den Horsten an Ahse und Lippe.

 Lippetal - Die neugierigen Jungbullen lassen nicht lange auf sich warten. Kaum sind der Hubwagen und der Traktor unter dem Storchenhorst in den Ahsewiesen ankommen, nähert sich die Rinderherde den Fremden, die hier in luftige Höhen steigen wollen, um drei Storchenjunge zu beringen.

Beringer Michael Jöbges aus Recklinghausen nimmt Fotografen und Kameramann mit in den Korb, dann fährt der Hubwagen-Pilot Gregor Schuhmacher aus Schoneberg das Trio hinauf zum Horst. Unten am Boden beobachtet Ornithologin Birgit Beckers von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) das Geschehen. 

Renaturierung initiiert

Sie gehört mit der vom Naturschutz initiierten Renaturierung von weiten Flächen an Lippe und Ahse zu den Urhebern der Wiederansiedlung der Störche an Lippe und Ahse. Und so ist es für sie heute ein stolzer Anlass, dass die hiesigen Störche beringt werden, denn das kommt in einem Kreisgebiet nur alle paar Jahre einmal vor. Der Hauptakteur des heutigen Nachmittags, der ehrenamtlich tätige Beringer Michael Jöbges vom NRW-Arbeitskreis Weißstörche aus Recklinghausen hat inzwischen zusammen mit den Presseleuten den Horst erreicht. Langsam lässt er den Korb näher an die drei Jungen herangleiten.

Ornithologin Birgit Beckers von der ABU informierte über die Beringungsaktion auch für die TV-Kameras.

Küken stellen sich tot

 Die Küken haben die Fremden mittlerweile erkannt und tun das, was ihnen ihr Instinkt für solche Situationen vorgibt. „Nur nicht auffallen“, lautet die Marschrichtung der Natur – also stellen sie sich einfach tot. Das kommt wiederum dem Beringer entgegen. Stück für Stück packt er sich das erstarrte Geflügel und legt jeweils ein Bein für die Beringung frei. Das Geschäft ist binnen weniger Minuten erledigt. Für die Fotografen werden dann noch einige Szenen passend für die Linsen der Kameras wiederholt, damit die Bilder genau zeigen, was hier gemacht wurde. Die Storcheneltern halten sich derweil von der Aktion fern. „Die lassen sich von der Anwesenheit der Menschen nicht groß beeindrucken und kommen gleich wieder“, behauptet Birgit Beckers.

Jungstörche im Horst.

Eltern lassen sich nicht stören

Und tatsächlich: Kaum ist der Korb mit dem Beringungsteam wieder am Boden, da schwebt schon der Storchenvater heran und hat neben der Nahrung für die Jungen im Kropf auch noch einen großen Batzen Nistmaterial mitgebracht. Dann verbessert er zunächst den Horst und füttert seinen Nachwuchs als wäre hier gar nichts passiert. Beringer und Biologen ziehen dann weiter von den Ahsewiesen in die Disselmersch. Hier bleibt der Hubwagen im Morast stecken, ehe er den Horst erreicht. Genau deshalb aber hat Birgit Beckers einen Traktor mitgebracht. Mit dem zieht ihr ABU-Kollege Jürgen Behmer den Hubwagen flugs aus der Matsche und unter den nächsten Horst, wo weitere vier Junge auf die Beringung warten. 

Wohin ziehen die Störche?

Weitere Termine folgen im Gewerbegebiet Rommersch in Lippborg, in der Lippeaue bei Herzfeld, in der Woeste bei Bettinghausen und am Ende bei Lippstadt Hellinghausen. Sinn der Aktion ist laut Birgit Beckers, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wohin sich die heimischen Störche bewegen, wo sie neue Quartiere beziehen und ob sie in die Heimat zurückkehren. 

Beringung vor laufenden Kameras: Auch die neugierige Rinderherde staunt, was sich da in den Ahsewiesen abspielt.

Es sollen nicht zuviele werden

Auf die Frage, wieviel Störche die heimische Region angesichts der starken Vermehrung der Störche noch verträgt, sagt Beckers, dass es am Ende nicht zuviele sein sollten. Denn sonst käme es zu Nahrungsengpässen bei der Versorgung der Küken und Streit um die Reviere.

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