Stille Besucher statt vieler Wallfahrer Fast alle Busreisen mit Pilgern haben im Corona-Jahr abgesagt

+
Viele Gläubige meiden auch in St. Ida derzeit wegen Corona den Besuch der Gottesdienste. Zum stillen Innehalten kommen dafür umso mehr Menschen in die Kirche, ablesbar daran, dass der Bedarf an Opferkerzen höher ist als sonst.

Herzfeld – Im Frühjahr sechs Wochen lang gar keine öffentlichen Gottesdienste, danach Messen mit mehr oder weniger strengen Hygienevorschrift, die aktuell gerade wieder verschärft wurden: Die Corona-Pandemie macht auch den Gläubigen das Leben schwer. Allerdings hält die Sorge vor Ansteckung viele weiterhin vom Besuch der Gottesdienste ab. Nach dem Wiederbeginn seien bei Weitem nicht so viele Besucher in den Messen wie vor dem Lockdown, berichtet Pfarrer Jochen Kosmann von St. Ida in Herzfeld.

Geringere Besucherzahlen in den Messen heiße aber keineswegs, dass die Gotteshäuser nicht frequentiert würden. Vielmehr sei es so, dass viele bewusst allein in die Kirche kommen. 

Dass die Zahl derjenigen, die zum stillen Gebet oder Nachdenken in die Kirchen kommen, gestiegen sei, könne an dem deutlich erhöhten Bedarf an Opferkerzen abgelesen werden, die von den Besuchern angezündet werden. Viel häufiger als sonst müssten Opferkerzen nachgelegt werden. 

Für den Pfarrer ist das eine nachvollziehbare Entwicklung: „Eine Kerze anzuzünden ist immer ein Zeichen dafür, dass es zwischen Himmel und Erde noch etwas mehr gibt.“ Vielen gelte ein stiller Besuch vielleicht als Ersatz für den Gottesdienst. Aus persönlichen Gesprächen wisse er aber auch von manchem, der durch die aktuellen Entwicklungen seinen Glauben noch einmal neu überdenkt, berichtet Kosmann.

Ausgefallen sind in der Pfarrgemeinde, die mit der Basilika und dem Gedenken an die heilige Ida ein bedeutendes Ziel für Gläubige besitzt, jedoch die Wallfahrer. Die angemeldeten Gruppen seien fast alle nicht gekommen, insbesondere Pilgergruppen, die mit dem Bus anreisen wollten, hätten abgesagt. 

Blieben diese Pilgergruppen aus, ist die Zahl derjenigen, die sich auf eigene Faust auf den Weg gemacht haben, kräftig gewachsen. Dabei spielten Radfahrer eine wichtige Rolle, deren Zahl nach Kosmanns subjektivem Empfinden angestiegen ist: „Ich habe den Eindruck, dass viele Leute vermehrt Radtouren in der Umgebung durchgeführt haben.“ Und mancher legte dann eben an der Ida-Basilika mal eine kurze Pause ein. 

Die meisten dieser Radfahrer und Radtouristen könne man kaum im direkten Sinn als Pilger ansprechen, sagte der Pfarrer. Wie viele Menschen die Ida-Kirche und Herzfeld als Wallfahrer ansteuern, lässt sich auch nicht genau sagen. Im vorigen Jahr waren es deutlich mehr als 5.000 Besucher, die mit angemeldeten Gruppen angereist kamen. 

Die Zahl der übrigen Wallfahrer könne nur annähernd geschätzt werden, erklärt Kosmann. Einige Zehntausend Besucher dürften es in normalen Jahren schon sein, schätzt der Pfarrer und Wallfahrtsrektor.

Ältester Wallfahrtsort Westfalens 

Herzfeld mit der St.-Ida-Wallfahrtsbasilika gilt als der älteste Wallfahrtsort Westfalens und wird seit 825, dem Todesjahr der heiligen Ida, von Gläubigen besucht. Ida entstammte einer hochrangigen fränkischen Familie und war mit dem Sachsenherzog Ekbert verheiratet. 

Während einer Reise im Jahr 786 überquerten beide die Lippe bei Herzfeld. Eine Traumvision Idas veranlasste sie daraufhin, an dieser Stelle eine Kirche zu errichten. 

Die heilige Ida wird vor allem wegen ihrer Mildtätigkeit gegenüber Armen und Schwachen verehrt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare